Schlagwerk Sanfte Klangwelt, knallende Trommel

Haute Cuisine der Trommelkunst: Die Schlagwerker der Elbtonal Percussion lassen in Metzingen die Löffel fliegen.
Haute Cuisine der Trommelkunst: Die Schlagwerker der Elbtonal Percussion lassen in Metzingen die Löffel fliegen. © Foto: Foto Kathrin Kipp
Von Kathrin Kipp 17.04.2018

Zwölf Semester lang haben sie „in absoluter Dunkelheit“ gelebt: an der Hamburger Musikhochschule waren die Schlagzeuger im Keller untergebracht, „noch unter der Tiefgarage“. Und nur die „Vision von der Rückkehr zu Luft und Wolken“ habe sie am Leben gehalten, erzählen die gutgelaunten Musiker.

Auf ihrer Jubiläumstour „20 Jahre Elbtonal Percussion“ machten die Trommelspezialisten auch in der Metzinger Stadthalle Station. Ihre Vision hatte auch einen Namen: „Lift Off!“ – ein Stück von Russell Peck, bei dem „drei Schlagzeuger mit sechs Stöcken und neun Toms“ den Start eines Hubschraubers akustisch als brachial knatternde Trommelorgie imitieren. Und so legen sie im grandiosen Zusammenspiel einen funkensprühenden Tanz auf den Trommeln hin, dass es nur so wirbelt und rattert, knallt und schallt.

„Zwei B-Klassen-Stewardessen und ein Aushilfs-Michael-Russ“ spielen hier gegeneinander, ineinander und miteinander in spannungsreicher Dynamik und prächtiger Trommelchoreographie. Die Elbtonalisten bieten nicht nur ein akustisches, sondern auch ein visuelles Erlebnis, feiern nicht nur orgiastische Trommelpartys, sondern haben ein schön abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm zusammengestellt: energiegeladene Wuchtbrummen und sanfte Ohrschmeichler auf Marimba- und Vibraphon, auf Becken und Toms, Bongos, Cajons und asiatischen Trommeln, Glockenspielen und süßer nie klingenden Zimbeln.

Sehnsüchtig dahinschwebende Klänge korrespondieren mit komödiantischen Einlagen, aber „irgendwann kommt man immer zurück aufs Wesentliche: Bach“. Dessen Kompositionen die Musiker so aberwitzig virtuos wie zärtlich interpretieren und variieren, unter anderem auf dem Marimbaphon: Jan Frederick Behrend entlockt seinem mächtigen Instrument allerlei sanfte Klangwelten und füllt die Harmonien mit viel Seele.

Die Bach-Suite erstreichelt er sich auf seidig geschmeidige Weise, bevor sich der Sound eines beklopften grünen Plastikrohrs dazugesellt sowie ein Sägegeräusch, das sich am Becken abspielt.

Die Elbstrand-Musiker experimentieren mit Geigenbogen, Blech, Plastik und Holz, verfremden auch noch andere Bach-Themen, wie die Toccata und Fuge in d-moll, die er „seinerzeit für uns geschrieben hat“, wie sie frech behaupten und die sie in wohlgefälligen Original-Harmonien und eigensinnigen Verfremdungen durch die Stadthalle schweben lassen.

Zuvor rocken sie das Publikum aber noch mit einer Blue-Man-Group-Performance auf Grünen Tonnen, die mutwillig geschlagen, beklopft, betrommelt und auf den Boden gestampft werden, bis die Schlegel und Klöppel und am Ende sogar Plastikeimer durch die Luft fliegen, ein langes Brett auf die Tonnen knallt und der Show ein abruptes Ende bereitet.

Den rasanten Ausflug nach Asien gibt’s mit viel Pling Pling und noch mehr Schmackes, bevor es das Quartett wieder ruhig angehen lässt mit wunderschön schrägen Sounds auf der Marimba, während sich leises Donnergrollen breit macht, das langsam anschwillt und wiederum von zartem Geglöckel abgelöst wird. Jan-Frederick Behrend gibt seinem Instrument Zuckerbrot und Peitsche: „The Wave“ von Keiko Abé, die „Königsdisziplin“ für Percussion-Ensembles.

Ebenfalls für Marimbaphon und drei Schlagzeuger sind auch die „Uneven Souls“ von Nebosja Zivkovic gedacht, plus „bäuerlichem Gesang“, zu dem die schlagkräftige Boygroup mit allerlei Toms, Bongos, Temple Blocks, Holzblöcken, Gongs, den Taiko-Trommeln, die aussehen wie große, dickbauchige Kochtöpfe, einen sehr archaischen Sound produzieren.

Das Ganze klingt dann ein wenig wie Filmmusik, zu der ein einsamer Reiter über die serbische Steppe trabt. Bekleidet sind die vier Trommelmeister mit schwarzen Kochjacken. Und so köcheln sie auch musikalisch allerlei knackige Zutaten in vielen Farben zusammen. Und rühren ordentlich Sahne darunter.

Am Ende wird „Die kleine Tischmusik“ serviert: Mit Kochmützen sitzen die Schlagwerker  am Tisch und treiben mit Löffeln  und Tellern allerlei neckischen Rhythmus-Schabernack. Zur Freude des Publikums, dem die Haute Cuisine der Percussionskunst in Metzingen hervorragend schmeckt.

Württembergische Landesbühne kommt

Der Veranstaltungsring macht weiter Programm in der Metzinger Stadthalle. Am Mittwoch, 25. April, 20 Uhr, gastiert dort die Württembergische Landesbühne Esslingen mit dem Stück „Schnabeltassen“, einer Altenheim-Revue von Petra Afonin.

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