Metzingen Rund oder mit vier Ecken

Metzingen / Regine Lotterer 01.12.2018

Eine Familie aus Nürnberg setzt sich jedes Jahr im Advent ins Auto und fährt nach Metzingen. Im Gepäck hat sie Präsente für die Verwandtschaft in der Sieben-Keltern-Stadt und einen Plan. Dieser sieht vor, Bienenwachskerzen selbst zu ziehen, sie hübsch zu verpacken und als Geschenk mit zurück ins Fränkische zu nehmen. Schon seit einigen Jahren folgt die Familie diesem vorweihnachtlichen Ritual, wie Pastor David Roth von der Baptistengemeinde erzählt. Den früheren Metzingern gefällt nicht allein der Gedanke, selbst hergestellte Präsente für den Gabentisch zu liefern, sondern auch die Atmosphäre, die sie bei ihren Besuchen in der Heinemannstraße umfängt. Wer die Kerzenzieherwerkstatt betritt, der lässt den Lärm des vorbeirauschenden Verkehrs und die Einkaufshektik vor der Haustüre. Dafür steigt ihm der ganz eigene Geruch, den erhitztes Bienenwachs verströmt, in die Nase.

700 Kilo Wachs bestellen die Baptisten jedes Mal für das Kerzenziehen. Angeliefert wird es als Granulat in großen Säcken. Die bereits geschmolzenen Reste des Vorjahres lagern in Tetrapacks. Diese Behälter sind nachgerade ideal für diesen Zweck, erklärt David Roth. Weil die Innenseite der Kartons beschichtet ist, lässt sich das Wachs ganz leicht aus der Hülle lösen. „Das sind Erfahrungswerte“, sagt Roth. Immerhin organisieren die Baptisten die Adventsaktion schon seit 31 Jahren.

Während die Nachmittage und Abende für jeden offen sind, können sich für die Vormittage Schulklassen und Kindergartengruppen anmelden. Anfang November verschickt die Gemeinde die entsprechenden Formulare, vier bis fünf Tage später sind die Listen voll. Inzwischen kommen sogar Kinder, die gemeinsam mit ihren Freunden Geburtstag in der Kerzenzieherwerkstatt feiern wollen. Gemütlich sitzen lässt sich dort in jedem Fall: Wer vorbeischaut, für den gibt es Kaffee, Tee und Gebäck. Außerdem sind Ehrenamtliche vor Ort, die den Besuchern bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schließlich lassen sich Kerzen in unterschiedlicher Dicke und Größe herstellen, sogar viereckige Exemplare sind kein Problem für jene, die wissen, welche Technik dafür zum Einsatz kommen muss.

Während die selbst gezogenen Kerzen an den eigens dafür aufgestellten hölzernen Gerüsten trocknen, bleibt Zeit, die Besucher über das soziale Projekt zu informieren, das die Baptisten in diesem Jahr mit ihrer Aktion unterstützen. Bestimmt ist das Geld für die Kinderhilfe Bethlehem. Der Verein betreibt unter anderem ein Kinderspital in Bethlehem, in dem sich auch der Metzinger Kinder- und Jugendarzt Dr. Werner Deigendesch engagiert. Er hilft nicht zuletzt dabei, eine neurologische Station aufzubauen. Dafür, sagt Pastor David Roth, wollen ihm die Metzinger Baptisten in diesem Jahr eine Spende von 2000 Euro aus dem Erlös des Kerzenziehens überreichen.

Wer noch eigene Kerzen herstellen möchte, der ist an jedem Werktag von 15 bis 19 Uhr in der Heinemannstraße willkommen, der Eingang ist an der Olgastraße. Dienstags, mittwochs und donnerstags ist außerdem von 19 Uhr bis 22 Uhr für erwachsene Frauen und Männer geöffnet, die  den Advent genießen möchten. Das Kerzenziehen endet am Samstag, 15. Dezember.

700

Kilo Wachs bestellt die Baptistengemeinde jedes Jahr fürs traditionelle Kerzenziehen. Die Aktion läuft noch bis zum Samstag, 15. Dezember, in der Heinemannstraße.

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