Es war der Schock im Jahr 2018 für die Grabenstetter, als ihre Rulamanschule am 23. Juli durch ein Feuer komplett zerstört wurde. Schon am Tag darauf fasste der Gemeinderat in einer Sondersitzung den Beschluss, die Schule wieder aufzubauen. Seither haben sich viele schlaue Köpfe Gedanken gemacht, wie die Schule zukunftsfähig gestaltet werden könnte.

Basierend auf der Aussage der Gebäudebrandversicherung, dass das Erdgeschoss der Schule erhalten werden könne, haben sich Lehrer, Elternvertreter, Gemeinderäte, Verwaltung und Architekt Falk Kazmaier an die Erarbeitung eines Konzeptes gemacht, das am Dienstagabend öffentlich vorgestellt worden ist.

Die „neue“ Rulamanschule wird größer sein, mehr als 400 Quadratmeter stehen dann zusätzlich zur Verfügung. Im Erdgeschoss werden auf dieser gewonnenen Fläche Räume für eine mögliche Ganztagesbetreuung eingerichtet, außerdem entsteht direkt neben der Aula im Eingangsbereich eine Mensa mit Küche und Sitzgelegenheiten für die Schüler. Der Speiseraum wird nur durch eine verschiebbare Trennwand von der Aula unterteilt, bei größeren Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Schulfest, kann ein großer Raum geschaffen werden. „Die Rulamanschule wird ausgerichtet auf die Anforderungen der nächsten 50 Jahre“, sagt Bürgermeister Roland Deh. Neben der Vorhaltung der Ganztagesbetreuung gehört dazu zum Beispiel auch ein Raum für die Schulsozialarbeit und die Konzeption für eine 1,5-gruppige Schule. Das heißt, dass man in jedem zweiten Jahr sogar zwei Klassen einschulen könnte, es werden nämlich sechs Klassenräume entstehen. Schon im kommenden Schuljahr müsste man wegen des Klassenteilers eigentlich zwei Klassen bilden, da der gesamte Schulbetrieb derzeit aber in einem beengten Containerdorf abläuft, möchte man versuchen, wegen der besonderen Umstände vorerst eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen und mit einer um wenige Schüler zu großen Klasse zu starten.

Zurück zur Gebäudeplanung: Zusätzlich zu den Klassenzimmern werden im Obergeschoss drei Gruppenräume geschaffen, eine Bücherei für die Schüler sowie natürlich Räumlichkeiten für die Schulleitung und die Lehrer. Auf beiden Geschossen, die auch durch einen Aufzug miteinander verbunden sein werden, werden auch sanitäre Anlagen eingebaut.

Die Pläne von Architekt Kazmaier wurden vom Gemeinderat ohne große Diskussion zur Kenntnis genommen und für gut befunden, schließlich hatten die Räte wie erwähnt in zwei Klausurtagungen ihre Ideen und Gedanken schon eingebracht. So wurden am Dienstag erste Aufträge vergeben, etwa zur Erstellung eines Brandschutzkonzeptes, der Planung der Elektro- und Versorgungstechnik sowie von Heizung, Lüftung und sanitären Anlagen. Kazmaier möchte schon im Februar das Baugesuch beim Landratsamt einreichen.

Bis dahin wird auch Klarheit in Sachen Finanzen bestehen. Die Versicherung hat der Grabenstetter Verwaltung inzwischen ihre Berechnung vorgelegt und eine zu zahlende Schadenssumme vorgeschlagen. Dieser Vorschlag werde derzeit geprüft, „über ein paar kleinere Punkte müssen wir nochmal verhandeln“, sagt Falk Kazmaier, der für den anstehenden Neubau auch seine Berechnungen angestellt hat.

Klar ist, dass Grabenstetten natürlich nicht den kompletten Wiederaufbau, wie er geplant ist, erstattet bekommt. „Aber“, darauf weist Roland Deh ausdrücklich hin, „man schafft einerseits einen deutlichen Mehrwert durch die erweiterte Schule und andererseits wären auch ohne den Brand erhebliche Sanierungsarbeiten, etwa beim Brandschutz, auf uns zugekommen.“

Unter einer Million

Für die Differenz zwischen tatsächlichen Baukosten samt Inneneinrichtung sowie Außengestaltung des Schulhofes und der Versicherungssumme rechnet Deh mit Zuschüssen aus dem Topf für Schulbaufördermittel und dem Ausgleichsstock. „Unterm Strich, bei allen Unwägbarkeiten, die zu diesem Zeitpunkt noch herrschen, hoffe ich letztlich auf eine Summe von unter einer Million Euro, für die Grabenstetten aufkommen muss“, schätzt der Bürgermeister. Für eine „neue“, moderne Schule ist das nun wirklich nicht viel Geld, wie ein Blick zum Beispiel in die eine oder andere Ermstalgemeinde zeigt.

Zeitlich ist übrigens angedacht, in diesem Jahr noch den Rohbau dicht zu bekommen, um dann 2020 den Innenausbau bewerkstelligen zu können. Die Genehmigung für die aktuelle Container-Zwischenlösung läuft zum 1. Oktober 2020 ab, idealerweise könnte man zu diesem Zeitpunkt wieder in die Rulamanschule einziehen.

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tausend Euro wird es alleine Kosten, die Fläche, die die neue Rulamanschule zusätzlich einnimmt, archäologisch zu untersuchen. Darauf besteht das Landesamt für Denkmalpflege.