Die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde Römerstein wird – sofern zum Haushaltsplan keine gravierenden Änderungen eintreten – bis Ende des Jahres auf 267 Euro sinken. Die Römersteiner sind damit unterdurchschnittlich verschuldet, betonte Bürgermeister Matthias Winter im Blick auf andere Gemeinden derselben Größenordnung im Land. Doch bis 2020 könnte sich die Lage deutlich verschärfen: mit 6,9 Millionen Euro Schulden rechnet Winter im Jahr 2020, was pro Kopf rund 1700 Euro entsprechen würde.

„Schuldenmachen ist per se nichts unanständiges“, wiegelte Winter in seiner Rede ab. „Diese Zahlen mahnen uns aber auch, dem müssen wir uns stellen.“ Positiv stimmt den Römersteiner Schultes, dass die Gemeinde in der Vergangenheit gezeigt habe, Schulden auch abbauen zu können. 2017 komme man zum sechsten Mal in Folge ohne neue Kredite aus und könne Schulden abbauen, so der Schultes. Die Rücklage sei in dieser Zeit auf rund 2 Millionen Euro angewachsen.

Große Projekte, vor denen die Gemeinde steht, lassen sich ohne neue Kredite aber nicht realisieren. Zwei Zukunftsprojekte habe der Gemeinderat in seiner nichtöffentlichen Klausurtagung besprochen, die nun oberste Priorität genießen sollen: Den Um- und Ausbau der Gemeinschaftsschule Vordere Alb und den Breitbandausbau in der Gemeinde. Allein für den geplanten Neubau für Fachräume sind im Haushaltsentwurf 2017 1,3 Millionen Euro eingestellt, weitere 300 000 Euro für die Sanierung der Bestandgebäude der Schule. Aus dem Ausgleichsstock erhofft sich die Gemeinde allerdings Fördermittel von bis zu 950 000 Euro.

Fokus auf Breitbandausbau

Fast 600 000 Euro will Römerstein in den Ausbau der Breitbandversorgung netzen, wobei es zunächst „nur“ um eine Glasfaserversorgung der Ortschaften untereinander geht. „Eine Zukunftsausgabe wird es dann sein, die Glasfaser zu den einzelnen Häusern zu bringen“, prophezeite Winter weitere Kosten in den kommenden Jahren. Gleiches gilt für die Schule.

Zu tun gibt es aber auch neben diesen Großprojekten mehr als genug: 250 000 Euro sind für die Sanierung kommunaler Gebäude vorgesehen, für kleinere Maßnahmen, bis das von der Gemeinde in Auftrag gegebene Sanierungskonzept für alle Gebäude der Kommune steht. 100 000 Euro sollen das Sanierungsgebiet Böhringen II voranbringen, das Backhaus in Donnstetten wird für rund 50 000 Euro in Stand gesetzt. 150 000 Euro sind im Haushaltsentwurf für Straßensanierungen eingestellt, wobei hier nur kleinere Reparaturen zur Verkehrssicherheit möglich sein werden – auch in diesem Punkt will die Gemeinde das Sanierungskonzept abwarten.

Kläranlage auf der Agenda

Schule und Breitbandausbau, aber auch die Schrittweise geplante Ertüchtigung der Kläranlage und die Sanierung der Kanäle – in diesem Jahr folgt die Videobefahrung der öffentlichen Kanäle in Donnstetten, Strohweiler und Zainingen, um den Sanierungsbedarf beziffern zu können. „Da kommen in den Folgejahren noch Ausgaben auf uns zu“, ist sich Winter sicher.

Die Gemeinderäte waren ob der langfristig geplanten Verschuldung eher skeptisch. „Wir können nur hoffen, dass es gut läuft“, erklärte Karl-Heinz Götz. „Natürlich gehen wir ein Stück weit ins Risiko“, gestand Bürgermeister Winter. Zugleich versicherte er aber, dass die Gemeinde auch bei den Großprojekten nur das Notwendige finanzieren werde. Dabei sei freilich auch Disziplin gefordert. In die gleiche Kerbe schlug Albrecht Müller: „Wir können uns keinen Mercedes leisten.“ Eine solch hohe Pro-Kopf-Verschuldung könne er sich allerdings 2020 nicht vorstellen, monierte der Böhringer Ortsvorsteher. 2020 könnten die Tilgungszahlungen Römerstein 400 000 Euro im Jahr kosten, ergänzte Winter.

Gemeinderat Stefan Wörner sieht die langfristig geplante finanzielle Entwicklung der Gemeinde „eher gelassen“. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Investitionen sind wichtig, gut durchdacht und mehrfach beraten“, erklärte Wörner.

1,6


Millionen Euro sollen im Jahr 2017 in der Gemeinschaftsschule Vodere Alb in Böhringen verbaut werden. Vor allem das neue Konzept der Schulart erfordert mehr Räumlichkeiten.

Zahlen und Fakten: Der Haushaltsentwurf


Der Haushaltsentwurf wurde in der jüngsten Sitzung des Römersteiner Gemeinderates am Donnerstag eingebracht und soll am 23. Februar in öffentlicher Sitzung beschlossen werden. Das Haushaltsvolumen beträgt demnach rund 13,2 Millionen Euro, rund zehn Millionen entfallen auf den Verwaltungshaushalt. Zum Vermögenshaushalt sollen 270 000 Euro zugeführt werden. Eine Kreditaufnahme ist für 2017 nicht geplant. Die Gewerbesteuereinnahmen werden voraussichtlich von 2 Millionen Euro in 2016 auf 1,7 Millionen Euro zurückgehen. Um die Investitionen zu finanzieren, ist eine Entnahme aus der Rücklage von 1,3 Millionen Euro geplant.