Walter Euchner – ein Mann der Rekorde. Seit über 60 Jahren ist er mit seiner Frau Ilse verheiratet. 61 Jahre lang war er der „Mister Leichtathletik“. Von 1951 bis 2012 Abteilungsleiter bei der TuS Metzingen, über vier Jahrzehnte Bezirks- und Kreisvorsitzender, Statistiker, Pressewart und Sportwart. Jobs im Sportkreis liefen parallel. Und das, wie Walter Euchner betont: „Alles ohne Moos.“ Ehrenamt eben. Und zwar so, dass es zumindest in der näheren Umgebung nichts vergleichbares gibt.

Im zarten Alter von 17 Jahren, in den unsäglichen Zeiten des zweiten Weltkrieges, wurde Walter Euchner zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht eingezogen. Als der Krieg 1945 rum war, war Euchners Leidenszeit noch nicht vorbei. Erst 1948 kehrte er aus englischer Kriegsgefangenschaft heim. Und, das erstaunt dann doch ein bisschen, Walter Euchner hat in einer Lagermannschaft Fußball gespielt. Das mag damit zu tun haben, dass die Engländer bis heute nicht sehr viel mit Handball anfangen können. Dem Sport, den er als junger Mann präferierte und nach der Heimkehr auch wieder ausübte, weil es im Fußball nicht so richtig voran gehen wollte. „Wir haben im Dreck auf dem alten 08-Platz gespielt. Danach konnte man nicht einmal duschen“, erinnert sich Euchner. Den Spielern der ersten Mannschaft war es vergönnt, „beim Leibfarth“ den Dreck los zu werden, jene der Zweiten mussten ungewaschen den Nachhauseweg antreten. Also war für Walter Euchner der Fall schnell besprochen: Er spielte wieder Handball. Allerdings auch im „Dreck“, weil auf dem Feld. Zu Zeiten, in denen sich der schöne Sport unters schützende Hallendach begab, hatte sich Walter Euchner längst der Leichtathletik verschrieben – was ihn jedoch nicht davon abhielt, die gesamte Pressearbeit der Handballer weiterzumachen. Bei den Leichtathleten machte er praktisch alles. Als die sportliche Karriere des schnellen Mehrkämpfers abklang, war längst für Nachwuchs gesorgt. Vier Kinder hatten sich der Leichtathletik verschrieben, deren neun Enkel erging es größtenteils nicht anders – und der Clan-Chef war weiterhin überall zu finden, wo sein Rat und Fachwissen gefragt war. Im Alter von 86 Jahren übergab Euchner sein Abteilungsleiter-Amt in jüngere Hände. Dass der Kaufmann jahrzehntelang für das Volksblatt tätig war, soll nicht verschwiegen werden. Als Mann der Zahlen war er für sämtliche Tabellen zuständig, die zunächst per Hand erfasst wurden, später mit Lochstreifen. Ehrensache, dass da auch die letzte Entwicklungsstufe im Alter noch erklommen wurde – die digitale Erfassung. Mit 85 ließ er den Nachwuchs ran.

Walter Euchner erhielt 1998 den Verdienstorden der Bundesrepublik, 1986 die Landes-Ehrennadel, 2013 die Bürgermedaille der Stadt Metzingen – um nur einen Teil der Auszeichnungen zu nennen, die ihm für seine beispiellose ehrenamtliche Tätigkeit zuteil wurden.

Für den 90. Geburtstag heute ist nichts Großes geplant. „Das mag ich nicht“, sagt der rüstige Jubilar. Ein kleines Zelt im Garten muss reichen. Für die Zukunft wünscht er sich nur, „dass man jeden Tag aufstehen kann.“ Und so lange wird sich Walter Euchner, der seine kranke Frau pflegt, auch für alles interessieren, was mit Sport zu tun hat. Die Leichtathletik-DM guckte er am Sonntag, bei der TuS-Athleten am Start waren, bei der Fußball-EM sitzt er regelmäßig vor dem Fernseher. Zum Dopingskandal in der russischen Leichtathletik und damit verbundenen Startverbot hat Euchner seine eigene Meinung: „Richtig so, bei Jamaika und Kenia sollte man aber auch ein bisschen besser gucken.“ Ein Fachmann eben, dem es gewaltig gegen den Strich geht, dass „sein“ schöner Sport in den Dreck gezogen wird. Auch mit 90 ist ihm das nicht egal.