Dettingen Regionalstadtbahn soll 2022 starten

Dr. Rolf Hägele begrüßt die Aktionäre und den Vorstand der ENAG.
Dr. Rolf Hägele begrüßt die Aktionäre und den Vorstand der ENAG. © Foto: Kirsten Oechsner
Dettingen / Kirsten Oechsner 25.06.2018

Die Erfolgsgeschichte geht weiter, und ein Ende des Aufwärtstrends ist nicht abzusehen: Die Erms-Neckar-Bahn AG (ENAG) hat das vergangene Geschäftsjahr erneut mit einem Bilanzgewinn abgeschlossen. Zum ersten Mal seit 1991 wird wieder einmal mit einem Euro pro Aktie eine Dividende ausgeschüttet. Aber, so Aufsichtsratsvorsitzender Martin E. Uhlig bei der Aktionärsversammlung am Samstag im Dettinger Rathaus,: Sinn und Zweck der Gesellschaft sei nicht die Ausschüttung einer Dividende, sondern der Betrieb und der Erhalt der Eisenbahn. „Und das ist vollumfänglich gelungen“, bilanzierte er.

Benutzerfreundlichkeit erhöht

Eine Ansicht, die auch Vorstandsmitglied Carsten Strähle unterstrich: Die ENAG habe zwar einen Jahresüberschuss erzielt, aber die Gesellschaft benötige das Geld dringend. „Wir sind auf einer dünnen Kapitaldecke unterwegs“, erläuterte Strähle. „Wir brauchen die liquiden Mittel gerade mit Blick auf die Zukunft.“ Und die heißt Regionalstadtbahn: Die Stammstrecke der Gesellschaft, die Ermstalbahn, entwickelt sich laut Aufsichtsratsvorsitzenden Uhlig in großen Schritten in diese Richtung: Seit vergangenen Sommer ist auf allen Stationen die dynamische Fahrgast-Information (DFI) installiert. „Mit finanzieller Unterstützung des Landes konnte die Benutzerfreundlichkeit unserer Bahn beträchtlich aufgewertet werden“, heißt es im Bericht des Aufsichtsrates. Darüber hinaus liegt der Planfeststellunsgsbeschluss zur Elektrifizierung der Ermstalbahn und der Ammertalbahn, die am anderen Ende des ersten Abschnitts der geplanten Regionalstadtbahn Neckar-Alb liegt, vor und die Bezuschussung der Maßnahme wurde beantragt. „Ich bin mir sicher, die Bahn wir planmäßig realisiert, zumal die Gemeinden mitziehen“, teilte Uhlig mit.

Zwei Vollzeitkräfte eingestellt

Ziel ist, mit der Regionalstadtbahn 2022 in Betrieb zu gehen. Carsten Strähle rechnet wegen des Halbstundentakts mit einem deutlichen Zuwachs der Fahrgastzahlen – bislang bewegen die sich auf der Strecke der Ermstalbahn bei rund drei Millionen Benutzern im Jahr. Mit Blick auf die Realisierung der Regionalstadtbahn hat sich das Arbeitspensum deutlich erhöht, die ENAG betreut darüber hinaus die Schwäbische Albbahn und seit 2013 die Krebsbachtalbahn im Schwarzwald: „Wir haben ein großes Portfolio an Aufgaben, die wir abarbeiten müssen“, machte Strähle den Aktionären deutlich. Deshalb habe die ENAG zwei Vollzeitkräfte eingestellt und auch den Vorstand um Professor Dr. Jochen Allgeier erweitert. Ein notwendiger Schritt, so Aufsichtsratsvorsitzender Uhlig: „Die Verwaltung wird immer komplizierter“, fasste er die Entwicklung zusammen. Eine Handschlagmentalität wie einst sei nicht mehr möglich: „Das ist der Lauf der Zeit.“

Prächtige Entwicklung

1988 hatten sich zehn Personen um den Uracher Roland Hartl zusammengetan und die Ermstalbahn – Gesellschaft zur Förderung des Schienenverkehrs im Ermstal (EVG) gegründet. „Nach anfänglich größten Schwierigkeiten entwickelte sich diese Gesellschaft prächtig“, so Uhlig. Nach der Umfirmierung in eine AG und dem Erwerb der Bahnstrecke durchs Ermstal wurde schließlich vor 20 Jahren deren Renovierung in Angriff genommen.

Seit 1999 fahren, nach einer Unterbrechung von 23 Jahren, wieder Züge täglich im Stundentakt. „Wenn nun die Regionalbahn kommt, sind wir dort, wo Hartl immer hin wollte“, freute sich der Aufsichtsratsvorsitzende. „Und das, wenn man bedenkt, dass die Bahn nach Ansicht der damaligen Kommunalpolitiker eigentlich nicht mehr existieren sollte.“

Eine Entwicklung, die auch der Treue der Aktionäre geschuldet sei, wie der Aufsichtsratsvorsitzende betonte. Die Aktionäre bekommen ihre Dividende am Mittwoch, 27. Juni, in den Räumen der ENAG-Geschäftsstelle in der Pfählerstraße 17 in Bad Urach in der Zeit von 9.30 bis 12 Uhr gegen die Vorlage ihres Bezugscheins ausgezahlt.

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Millionen Fahrgäste sind derzeit pro Jahr auf der Strecke der Ermstalbahn unterwegs. Wenn die Regionalstadtbahn in Betrieb geht, soll der Zug im Halbstundentakt fahren.

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