Neuffen Reben, Berge, gute Tropfen

Gut beschirmt in den Neuffener Weinbergen: Die Wanderung lockte viele ins Freie.
Gut beschirmt in den Neuffener Weinbergen: Die Wanderung lockte viele ins Freie. © Foto: Mara Sander
Neuffen / MARA SANDER 22.06.2016
Das Nass von oben störte die Gäste des Weinwandertages  wenig: Gut beschirmt testeten sie Tälesweine. Bio-Winzer fürchten indes um ihre Erträge.

Am Sonntag war jeder sein eigener Schirmherr beim neunten Weinwandertag in Neuffen. Ohne Regenschirm hätte sonst manchen ein Schauer zwischen den Stationen auf dem Rundweg in den Neuffener Weinbergslagen treffen können.

Hatte man aber rechtzeitig eine Station erreicht, blieb man einfach einen Schauer länger dort gemütlich überdacht sitzen, um dann teilweise bei Sonnenstrahlen den Rundgang fortzusetzen.

„Das Wetter hält“, so die kleine Wetterprognose an fast allen Ständen beim Blick zum Himmel. „Und wenn nicht, dann bleiben wir hier einfach sitzen“, nahmen zum Beispiel die Gäste der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck die Wetterkapriolen gelassen hin.

Sie widmeten sich lieber dem „Sweet Rosé“ und anderen Weinen, so auch der erlesenen Edition „K 8“.Das ist die Abkürzung für Kelternplatz acht, die  Adresse der Genossenschaft und deren acht Gemeinden, die ihre besten Trauben eines Jahrgangs für diesen Wein liefern.

Die Weinbauern schätzen dieses wechselhaft, vorwiegend nasse Wetter nicht allzu sehr, macht es doch kürzere Sprühintervalle erforderlich, um die Reben vor Schädlingen zu schützen. Besonders für Ökoweingärtner wie Petra Bächner aus Dettingen bringt die derzeitige Wetterlage Schwierigkeiten mit sich, denn „die Pflanzenkrankheit Peronospora holt uns ein“.

Sie erzählt interessierten Besuchern, dass im biologischen Weinbau lediglich ein kupferhaltiges Fungizid erlaubt sei. Die Wirksamkeit von Kupfer gegen den „falschen Mehltau“ hat der französische Botaniker Pierre-Marie Alexis Millardet 1882 zufällig entdeckt. Er entwickelte die „Bordeauxbrühe“ als erstes erfolgreiches Fungizid.

Öko-Weinbau, das heißt: Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, auf Unkrautvernichtungsmittel und synthetischen Stickstoffdünger. Öko-Weinbauern haben bisher Kaliumphosphonat als Pflanzenstärkungsmittel eingesetzt und damit natürliche Widerstandskraft und Abhärtung der Rebe gegen den „Falschen Mehltau“ erreicht.

Diese Anwendung war bisher für Öko-Betriebe zugelassen. Gesetzliche Änderungen machen jetzt eine Neuzulassung für den Öko-Bereich erforderlich. „In dieser Woche laufen entsprechende Gespräche“, hofft Bächner, dass Kaliumphosphonat erneut zugelassen wird. Da es im Boden zu Kalium und Phosphonat abgebaut wird und beides essenzielle Nährstoffe für Pflanzen, Tiere und Menschen sind, sei das Mittel mit den Grundsätzen ökologischen Anbaus zwar vereinbar, aber bisher habe nur das Staatsweingut Bad Kreuznach eine Genehmigung für einen Großversuch erhalten.

„Es drohen Totalausfälle“, erklärt Bächner. Das sei das Problem, wenn sich die Großwetterlage in den nächsten Wochen nicht entscheidend ändere. Denn wenn ein Ökö-Betrieb Kaliumphosphonat ohne erneute Zulassung einsetze, sei das offiziell kein Bio-Anbau mehr. Jedenfalls nicht nach der derzeitigen Rechtslage, wenn die Zulassung nicht erteilt sei.

Das würde auch die Rückzahlung von Fördermitteln für Betriebe bedeuten. Die bisherige Förderung wäre nahezu vergeblich, wenn Bio-Weingärtner aufgeben müssten wegen der Pilzkrankheit. Bächner selbst hat keine Fördermittel beansprucht. Sie will auf jeden Fall weiterhin ihren Bio-Wein anbauen, zumal gerade ihr erster „Winzersekt“, das ist ein „klassischer Jahrgangssekt im Champagnerstil“, gut ankommt, wie sich beim Weinwandertag auch feststellen ließ.

Eine andere Möglichkeit wäre der Anbau von „Piwi“- Sorten. „Piwi“ ist die Abkürzung für pilzwiderstandsfähig. Philipp Nacke vom Weingut Wolfgang Necker aus Nürtingen hat bereits eine „Piwi“-Sorte mit Namen „Johanniter“ angebaut, benannt nach dem Rebzüchter. Es ist eine Kreuzung aus Riesling und Gutedel. Eine spezielle Kreation für den Weinwandertag war der gern probierte „Ladykiller“, bestehend aus Maracuja an Secco mit Granatapfelsirup im „Kräuterbühl“-Zelt. Jedes Weingut hatte seine Spezialität, auch bei den kulinarischen Leckereien aus dem Biosphärengebiet, über das es außerdem viele Informationen am NABU-Biosphärenmobil gab.

 Das können Schulen und Gemeinden mieten, um mehr über Rohstoffe für die Produkte aus der Region zu erfahren.

Den Barfußpfad der Naturfreunde Neuffen hätten bei besserem Wetter noch mehr Kinder betreten, denn aus Sandalen schlüpft es sich leichter als aus festen Schuhen. Aber dazu besteht ja bei der Weinwanderung im nächsten Jahr wieder die Gelegenheit.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel