Das rote Plakat klebt unübersehbar am Eingang der Metzinger Lidl-Filiale: „Liebe Kunden, folgende Waren sind ausverkauft: Mehl, Eier, Toilettenpapier, Küchentücher....“

Noch etwas länger als unsere Aufzählung zieht sich diese Liste am Donnerstag. Der Discounter in der Heerstraße ist dennoch voll. An der Kasse stehen die Kunden Schlange, ein Mann vom Sicherheitsdienst achtet darauf, dass sie den Mindestabstand korrekt einhalten. Was die Leute übrigens ohne Ansage befolgen.

Teilweise leergefegte Regale

 In vielen Supermärkten, von Bad Urach über Dettingen bis nach Reutlingen, bietet sich dem Beobachter das gleiche Bild: Besonders zu Feierabend-Zeiten gut besuchte Märkte – doch teilweise leer gefegte Regale.

Nudeln und Mehl fehlen gerne. Toilettenpapier bleibt Mangelware. Und immer mehr begrenzen die Läden auch die Verkaufsmengen. „Bitte nur eine Packung Küchenkrepp pro Haushalt“, fordern die Drogeriemärkte im Ermstal ihre Kunden auf.

Kurz, die Auswirkungen der Coronaviruskrise auf den Lebensmittelhandel sind nicht zu übersehen. Dennoch haben Edeka, Rewe, Aldi und Co. vor wenigen Tagen Entwarnung gegeben. Die Warenversorgung in Deutschland sei trotz der erheblich gestiegenen Nachfrage gesichert, betonen die Handelsketten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Real-Sprecher appelliert an die Kunden

Das gelte auch für besonders gut frequentierte Vollsortimenter, wie etwa den Real-Markt in Dettingen. Die Filiale wird bekanntlich auch von Verbrauchern aus vielen Albgemeinden und der Region rund um Neuffen angefahren. „Wir haben unsere Warenlogistik bereits Anfang März so angepasst, damit wir auf die höhere Nachfrage unmittelbar reagieren können“, erklärt Frank Grüneisen, Unternehmenssprecher bei Real, gegenüber der SÜDWEST PRESSE.

Konserven und andere Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis sowie Hygieneartikel wie Toilettenpapier würden mehrmals pro Woche angeliefert, so der Sprecher. Die Real-Zentrale macht keine Vorgaben, was die Beschränkung von gefragten Waren, etwa Toilettenpapier, betrifft. Das kann die einzelne Filiale selbst entscheiden. Da die Nachfrage nach wie vor hoch ist, appelliert der Pressesprecher jedoch an die Kunden: „Alle sollten fair bleiben und nicht mehr als eine haushaltsübliche Menge kaufen. Dann können möglichst viele mit Waren versorgt werden.“

Handelsketten suchen händeringend Mitarbeiter

Viele Handelsketten plagt derweil ein ganz anderes Problem: Sie suchen händeringend Mitarbeiter zum Einräumen und Verkaufen der Ware. Das vorhandene Personal ist im Dauerstress. „Wer in unseren Märkten jetzt als Aushilfe tätig werden möchte, kann sich unkompliziert bewerben“, sagte Rewe-Chef Lionel Souque am Montag gegenüber verschiedenen Medien.

Auch Edeka und Netto forderten Interessenten auf, sich direkt in den nächsten Filialen zu melden. Die Händler hoffen nicht zuletzt auf Studenten, die wegen der Schließung der Universitäten aktuell weniger beschäftigt sind.

Bonuszahlungen für Mitarbeiter

Auch Real sucht Helfer. Dem bundesweiten Online-Aufruf folgten in den vergangenen Tagen mehr 1200 Bewerber. „In der Mehrzahl handelt es sich um  junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren“, teilt das Unternehmen mit.

Die Gewerkschaft Verdi fordert indessen besondere Hilfsmaßnahmen für Beschäftigte von Super- und Drogeriemärkten. Sie müssten unverzüglich behandelt werden wie etwa Pflegekräfte oder andere Arbeitnehmer der kritischen Infrastruktur, sagte Verdi-Chef Frank Werneke. Die Arbeitnehmer seien an der Belastungsgrenze.

Viele Mitarbeiter der großen Handelsketten erhalten jetzt einen Bonus für ihren anstrengenden Einsatz in der Corona-Krise. Jeder Mitarbeiter in der Filiale, in der Logistik und in den Produktionsbetrieben bekommen im April eine Sonderzahlung von bis zu 250 Euro, teilte gestern die Schwarz-Gruppe mit, zu der etwa Lidl und Kaufland gehören.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, lässt sich der Handelsriese die Prämien rund 35 Millionen Euro kosten.

Zuvor hatte bereits Rewe eine Prämie für seine Mitarbeiter und die Beschäftigten der konzerneigenen Discountkette Penny angekündigt. Die Mitarbeiter in Vertrieb, Logistik und Produktion hätten in den vergangenen Wochen Außergewöhnliches geleistet, begründen die Unternehmen. Der Bonus für die Lidl- und Kaufland-Beschäftigten werde als Warengutschein ausgezahlt, damit die Prämie möglichst als Netto-Zahlung bei den Beschäftigten ankomme.

Auch Real kündigt gegenüber unserer Zeitung einen Bonus für Mitarbeiter an. Sie sollen Gutscheine im Gesamtwert von 100 Euro erhalten – unabhängig davon, ob Sie in Voll- oder Teilzeit arbeiten.