Unter den Einkaufszentren in der Region ist der Real-Markt in Dettingen ein Hotspot. Es gibt kaum einen Vollsortimenter im Ermstal, den die Verbraucher aus so vielen Richtungen gleichzeitig anfahren: Die Kunden kommen aus Metzingen, von der Bad Uracher Alb und den Esslinger Kreisgemeinden rund um Neuffen. Und nicht nur samstags zu Shopping-Hoch-Zeiten ist das Gerangel um Parkplätze im Schwöllbogen-Areal groß. Vorausgesetzt, der Umsatz stimmt, dürfte der Dettinger Markt also eine sichere Bank sein für jeden Handelskonzern.

Die Frage nach der Zukunft des Real-Standorts treibt die Mitarbeiter um

Oder doch nicht? Die Frage nach der Zukunft ihres Standortes treibt die 74 Mitarbeiter des Dettinger Real-Marktes seit Monaten um. Den Kunden des Supermarktes geht es ähnlich. Denn der Handelskonzern Metro plant, bis Ende Januar alle 277 in Deutschland ansässigen Filialen seiner Supermarkt-Tocher Real an ein deutsch-rusissches Konsortium rund um den Immobilieninvestor X+Bricks zu verkaufen.

Der neue Besitzer will aber nach bisherigem Stand nur einen kleinen Teil der Real-Märkte selbst weiter betreiben. Der Großteil der Warenhäuser soll an andere Händler weiterverkauft werden. Einigen Standorten droht offenbar auch die Schließung. Das befürchtet zumindest der Gesamtbetriebsrat der Real-Warenhauskette. Dessen Vorsitzender Werner Klockhaus sagte der „Süddeutschen Zeitung“ am Dienstag, er rechne damit, dass deutschlandweit 50 Real-Filialen dicht gemacht werden. Ob Real als Marke weiter existiert, sei unklar.

Der Betriebsrat rechnet mit einem massiven Stellenabbau

Die Vertreter der Arbeitnehmer warnen vor einem massiven Stellenbau in den einzelnen Märkten. Klockhaus rechnet insgesamt mit rund 10 000 Arbeitslosen: „Das wird ein Drama“, zitiert die „Süddeutsche“ den Betriebsratschef.

Auch Märkte in Gomaringen und Kirchentellinsfurt sind betroffen

Welche Auswirkungen der Verkauf auf die Real-Filialen in der Region hat, ist derzeit noch ungewiss. Neben dem Vollsortimenter in Dettingen sind auch zwei größere Märkte in Kirchentellinsfurt und Gomaringen (Kreis Tübingen) von den Umstrukturierungen betroffen. „Zu den einzelnen Standorten äußern wir uns momentan nicht“, sagte gestern eine Sprecherin des Metro-Konzerns gegenüber der SÜDWEST PRESSE.

Der Düsseldorfer Handelskonzern verweist aber auf eine jüngst geschlossene Betriebsvereinbarung. Der Vertrag sehe für alle Real-Mitarbeiter eine „soziale Absicherung“ vor, die wegen einer betriebsbedingten Kündigung ihren Arbeitsplatz verlieren. So werde die Metro ihrer „sozialen Verantwortung“ gerecht, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens weiter.

Unsicherheit bei Real in Dettingen

Für die Beschäftigen dürfte das ein schwacher Trost sein, sollten sie in naher Zukunft ihre Jobs verlieren. Mit den unsicheren Perspektiven hadert auch die Dettinger Real-Belegschaft seit etlichen Monaten. „Wir wissen nicht, was mit uns passiert“, sagt Silvia Schmidt vom dortigen Filial-Betriebsrat. Das Fünfer-Gremium könne aktuell nur abwarten, bis der Verkauf der Märkte abgeschlossen ist.

Was die Zukunft des Real-Geländes angeht, wird in Dettingen seit längerem wild spekuliert. Im Herbst hielt sich das Gerücht, der Internetriese Amazon habe das Areal im Schwöllbogen erworben, um dort ein Distributionszentrum zu errichten. Das dementierte die Metro AG jedoch auf Anfrage unserer Zeitung. Auch andere Lösungen wie Fitness-Studios oder Büros sind an dieser Stelle immer wieder im Gespräch.

Ideen, mit denen sich der Vorsitzende des Dettinger Gewerbevereins, Dr. Rolf Hägele, partout nicht anfreunden kann. „Der Ort braucht einen Supermarkt an dieser Stelle“, urteilt er – und verweist auf die Nähe zu anderen Läden, etwa dem Haus- und Gartenmarkt und dem benachbarten Discounter.

Es gab Gerüchte, Amazon habe das Gelände erworben

Der Real-Markt ist der einzige Vollsortimenter in Dettingen. Viele ältere Menschen decken sich dort auch mit Elektrogeräten ein, weil der Weg nach Reutlingen zu weit ist. Hägele: „Ein Logistikzentrum oder Ähnliches an diesem Standort wäre eine Katastrophe“.

Real: 34 000 Mitarbeiter bundesweit


Derzeit beschäftigt die Handelskette Real rund 34 000 Mitarbeiter. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte bereits im Oktober wegen des geplanten Verkaufs von Real-Filialen Klarheit für die Beschäftigten gefordert.

Der Gesamtbetriebsrat kritisierte in dem Zusammenhang auch die „Untätigkeit der Regierung“.

Ich glaube, dass die Politik die Situation des Verkaufs von Real komplett unterschätzt. Es gab viele Gespräche mit Politikern“, unter anderem mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Sie hätten „uns leider bis jetzt nicht weitergeholfen“, so Vorsitzender Werner Klockhaus gegenüber verschiedenen Medien.