Spekuliert hatten Insider darüber schon seit Wochen – nun sind die Verträge unterzeichnet: Die Handelsriesen Edeka und Kaufland wollen 141 der 276 Real-Märkte in Deutschland übernehmen. Das teilt der neue Real-Eigentümer SCP Retail Investments mit. Insgesamt 88 Real-Märkte gehen an Kaufland, 53 an Edeka.

Die Mitarbeiter sollen übernommen werden

Zumindest die Mitarbeiter der betroffenen Märkte könnten dann aufatmen: Sie sollen in Zukunft weiter beschäftigt werden, betont der Finanzinvestor SCP weiter. Das sei mit den beiden Käufern so abgestimmt worden. Und das könnte eine gute Nachricht für die Arbeitnehmer in den Real-Standorten der Region sein. Könnte: Große Märkte stehen unter anderem in Nürtingen, Kirchentellinsfurt, Gomaringen und Dettingen – wobei allein in der Filiale in der Ermsgemeinde rund 75 Mitarbeiter um ihre Jobs bangen.

Real in Dettingen, Nürtingen, Gomaringen und Kirchentellinsfurt Wie es nach dem Verkauf der Märkte weiter geht

Dettingen/Nürtingen

Erst im vierten Quartal gehen die Filialen an Edeka und Kaufland über

Endgültig Klarheit haben die jedoch frühestens im Herbst. Nach den notwendigen Formalien sollen die ersten Filialen ab dem vierten Quartal 2020 an Kaufland und Edeka übergehen.

Sprich, erst dann wird sich entscheiden, wer wo einzieht. Der gesamte Prozess wird sich laut SCP  über einen Zeitraum von etwa  18 Monaten erstrecken. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Zukunft unter neuem Firmenlogo: Die Kartellämter müssen dem Kauf zustimmen. Noch steht diese Genehmigung aus. Und wie ein Sprecher des Finanzinvestors andeutet, nehmen die Behörden „dieses Thema sehr ernst“: Jeder Standort soll separat, auf einer so genannten  Einzelmarktbasis geprüft werden.

Metro will Real loswerden

Der bisherige Real-Eigentümer Metro und die SCP-Group hatten im Februar einen Kaufvertrag für die angeschlagene Supermarkt-Kette Real vereinbart (wir berichteten). Der Abschluss wird allerdings erst im Mai oder Juni erwartet. SCP will Real nach der Übernahme zerschlagen. Neben den 141 Märkten, die nun an die ehemaligen Mitbewerber Kaufland und Edekea gehen, betreibt der Finanzinvestor 50 Filialen vorerst unter dem Namen Real weiter. Allerdings nur 24 Monate lang.

30 Märkte müsssen wohl schließen

Für die verbleibenden mehr als hundert Real-Märkte würden weiterhin alle Optionen geprüft, so SCP. „Dazu gehören weitere Veräußerungen an Einzelhandelsunternehmen sowie die Aufteilung von Märkten in kleinere Flächen“. Nur wenn beides sich als wirtschaftlich nicht machbar erweise, sei eine Schließung des jeweiligen Standorts nicht ausgeschlossen. SCP geht weiter davon aus, dass rund 30 Real-Märkte geschlossen werden.

In Dettingen hoffen Verwaltung und Verbraucher, den Vollsortimenter am Ort zu halten. Im Rathaus gehen regelmäßig Nachfragen in Sachen Real ein – der Markt war bereits in der Februar-Sitzung Thema des Gemeinderats.

Verwaltung und Kunden wünschen sich einen Vollsortimenter

Da die Flächen auf dem ehemaligen Industriegelände am Schwöllbogen aber nicht der Gemeinde gehören, hat die Verwaltung keinen Einfluss, betont Bürgermeister Michael Hillert. Herr über Haus und Real-Firmengelände ist auch in Dettingen der Finanzinvestor SCP.

„Eine Schließung des Vollsortimenters wäre eine Katastrophe“, urteilt der Bürgermeister. Zum Einkaufszentrum im Schwöllbogen gehören auch ein Discounter und eine Tankstelle: „Für uns ist der Supermarkt an dieser Stelle unerlässlich“, sagt Michael Hillert.

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Filialen der Handelskette Real sollen bundesweit geschlossen werden. Laut Finanzinvestor SCP handelt es sich dabei um Märkte, die nicht wirtschaftlich seien.