Metzingen Rat für Kombibad am Bongertwasen

Etwa 200 Metzinger haben am Donnerstag die Debatte im Gemeinderat verfolgt. Das Gremium tagte in der Stadthalle.
Etwa 200 Metzinger haben am Donnerstag die Debatte im Gemeinderat verfolgt. Das Gremium tagte in der Stadthalle. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Regine Lotterer 18.05.2018

Der Gemeinderat hat entschieden: Metzingen erhält ein neues Kombibad auf dem Bongertwasen. Wo genau das neue Hallen- und Freibad im Metzinger Freizeitgelände entsteht, ist noch offen. Allerdings soll vorrangig der Standort geprüft werden, der in der Bürgerempfehlung genannt wird. Er liegt in der Nähe der Auchtertstraße. Über diese Straße soll das neue Bad auch primär erschlossen werden. Außerdem wird das neue Bad an den öffentlichen Nahverkehr sowie an das Radwegenetz angeschlossen.

Kosten stehen noch nicht fest

Sobald das neue Kombibad in Betrieb geht, schließt das bisherige Freibad. Was mit der frei werdenden Fläche passiert, wird noch beraten. Die Verwaltung ist beauftragt, entsprechende Pläne auszuarbeiten. Sie ist dabei aufgefordert, insbesondere zu prüfen, inwieweit die alten Bäume erhalten werden können.

Ein weiterer Prüfauftrag betrifft das jetzige Hallenbad. Hier soll die Verwaltung klären, ob es zumindest teilweise für den Schwimmunterricht der Schulen und der Schwimmvereine weitergenutzt werden kann. Zudem billigte der Gemeinderat den Antrag der FWV, es möge geprüft werden, ob das Eduard-Kahl-Bad eventuell für ein physiotherapeutisches Bäderangebot genutzt werden kann.

Was ein neues Kombibad kostet, steht noch nicht fest. Zumal noch nicht beschlossen ist, wie es ausgestattet wird. In diese Entscheidung soll die Bürgerschaft ebenfalls eingebunden werden. Das genaue Procedere klärt eine Arbeitsgruppe.

Für den Bau des Kombibades haben sich am Donnerstag alle Gemeinderatsfraktionen ausgesprochen. Die Grünen hatten allerdings beantragt, einen Architektenwettbewerb auszuloben, der mögliche Standorte für das neue Bad prüft, unter anderem auch auf Braike-Wangen. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit. Anders als der Antrag der CDU-Fraktion. Er sieht vor, die Entwicklung der bereits auf dem Bongertwasen bestehenden Einrichtungen bei den Planungen fürs Kombibades zu berücksichtigen.

Vor der Entscheidung des Gemeinderates hatte Finanzbürgermeisterin Carmen Haberstroh den Stand der bisherigen Diskussion zum Bäderstandort erläutert. Auf Basis aller gesammelten Fakten lasse sich klar sagen, dass ein Kombibad, das eine vergleichbare Größe, Ausstattung und Grundstückssituation biete wie die beiden vorhandenen Bäder, immer wirtschaftlicher sei als zwei getrennte Bäder.

Außerdem gab Haberstroh zu bedenken, dass zusätzliche Investitionskosten, etwa in eine Sauna, durchaus wirtschaftlich sein können. Ein Kombibad am Bongertwasen benötige allerdings zwingend eine gute Radwegeverbindung sowie eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Damit, so Haberstroh, lasse sich auch die schon lange gewünschte Haltestelle am Friedhof Auchtert realisieren.

Aus den gesammelten Daten könne zudem das Fazit gezogen werden, dass eine bloße Sanierung des jetzigen Hallen- und Freibads, also der reine Erhalt des Status quo, nur für sehr wenige Bürger und Interessengruppen in Betracht komme. Die meisten Metzinger hielten zusätzliche Investitionen für notwendig.

Nur sechs Prozent

Während das Freibad für die Metzinger Jugend eine durchaus wichtige Freizeiteinrichtung ist, spielt das Hallenbad für diese Gruppe nur eine untergeordnete Rolle. Das ergab eine Befragung von 1200 Badegästen, die vom 30. Januar bis zum 28. Februar 2018 lief. Dabei stellte sich zum einen heraus, dass nur sechs Prozent der Schwimmer zwischen elf und 17 Jahre alt sind. Außerdem kommen lediglich 38 Prozent der Hallenbadnutzer aus Metzingen.

Auch die so genannten Schlüsselakteure erhielten am Donnerstag die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben. Eindeutig fiel dabei das Votum der Schwimmsportvereine und der Versehrtensportgruppe, vorgetragen von Felix Schiffner, aus. Die Vereine bevorzugen ein Kombibad. Zum einen fehlten bereits jetzt Kapazitäten, so Schiffner. Leistungsschwimmer würden wegen der schlechten Trainingsbedingungen abwandern und eine Lücke in den Vereinen hinterlassen. Falls die beiden Bäder an ihren heutigen Standorten saniert würden, blieben sie für lange Zeit geschlossen, Ausweichmöglichkeiten stünden kaum zur Verfügung. Das, so Schiffner, könnte das Ende der Schwimmvereine in Metzingen einläuten.

Ganz klar für einen Neubau auf dem Bongertwasen sprechen sich auch die jungen Metzinger aus, wie Nastassia Schotter vom Jugendgemeinderat erläuterte. Die Jugendlichen wünschten sich einen Ort, an dem sie ihre Freizeit verbringen können. Vielen seien ein Spa-Bereich, Rutschen und Sprungtürme wichtig.

Die Schulen konnten sich hingegen nicht auf einen Konsens einigen, erklärte Realschulrektor Jürgen Grund. Die Schulen in der Innenstadt wünschten sich weiter ein fußläufig erreichbares Bad in ihrer Nähe, die Einrichtungen im Neugreuth erkennen in einem Neubau dagegen die Chance, ihren Unterricht qualitativ besser zu gestalten als bisher. Der Gesamtelternbeirat fand dagegen einen Konsens: Er votiert für den Bau eines Kombibades.

Die Mitglieder des Zukunftsteams Stadtentwicklung/Metzinger Aktiv Park entschieden sich klar dafür, Hallen- und Freibad am jetzigen Standort zu sanieren. Dort gebe es ausreichende Möglichkeiten, das Angebot zu verbessern und auszubauen, erläuterte Thomas Redlinger. Diese Variante sei ökonomisch, ökologisch und sozial am nachhaltigsten.

Paul-Ludwig Dolmetsch, Architekt des Eduard-Kahl-Bades, wies darauf hin, dass über das Blockheizkraftwerk des Hallenbads auch die Sieben-Keltern-Schule, die Stadthalle, die Musikschule und weiterer Gebäude versorgt würden. Falls das Bad abgerissen werden, entstünden deshalb hohe Folgekosten.

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