Neuhausen Räte legen Kriterien für Pachtverträge fest

Neuhausen ist von der Landwirtschaft geprägt, fünf Vollerwerbslandwirte gibt es noch im Ort. Sie brauchen freilich ausreichend Fläche, um ihre Betriebe erhalten zu können.
Neuhausen ist von der Landwirtschaft geprägt, fünf Vollerwerbslandwirte gibt es noch im Ort. Sie brauchen freilich ausreichend Fläche, um ihre Betriebe erhalten zu können. © Foto: Thomas Kiehl
Neuhausen / Regine Lotterer 17.05.2018

Parzelle für Parzelle haben die Neuhäuser in den vergangenen Jahren angestammtes Ackerland verloren. Neue Wohn- und Gewerbegebiete forderten ebenso ihren Tribut wie der Bau der Ortsumfahrung. Diese Projekte brachten für die Entwicklung des Metzinger Stadtteils sicherlich wichtige Impulse, nicht zuletzt schnellte die Einwohnerzahl Neuhausens nach oben. Diesen erfreulichen Tendenzen steht freilich der dauerhafte Verlust von Wiesen und Feldern gegenüber. Das nun verbliebene, knapper werdende Gut möglichst gerecht zu verteilen, ist eine Aufgabe, mit der sich die Neuhäuser Ortschaftsräte sowie die Metzinger Stadtverwaltung seit einiger Zeit beschäftigen. Am Dienstag hat der Ortschaftsrat nun verbindliche Kriterien festgelegt, die fortan gelten, wenn ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen wird. Der Grund für den Beschluss: Die entsprechenden Verhandlungen stehen demnächst bevor, die neuen Kontrakte sollen am 1. Oktober 2018 in Kraft treten. Gelten sollen die Pachtverträge dann für neun Jahre, um den Landwirten eine gewisse Planungssicherheit zu gewährleisten.

Öffentliche Ausschreibung

Um Grünland und Acker kann sich jeder bewerben, es gibt eine öffentliche Ausschreibung. „Das Verfahren soll transparent und für jeden nachvollziehbar sein“, betonte Ortsvorsteherin Lilli Reusch am Dienstag. Gleichwohl garantiert die Abgabe einer Bewerbung noch nicht, dass der Interessent auch zum Zuge kommt, weil der Ortschaftsrat eine Rangfolge beschlossen hat: Als erstes sollen demnach Vollerwerbslandwirte berücksichtigt werden. Danach erhalten jene eine Chance, die einen Hof im Nebenerwerb umtreiben. Ebenfalls genießen ortsansässige Betriebe den Vorzug vor auswärtigen.

Wer künftig einen Pachtvertrag abschließt, bezahlt pro Ar Grünland 1,30 Euro im Jahr, für ein Ar Ackerland sind zwei Euro zu entrichten. Damit hebt der Ort­schaftsrat die Preise im Vergleich zur seitherigen Praxis an, das sei aber durchaus angemessen, findet das Gremium, nachdem die letzte Erhöhung mehr als 18 Jahre zurückliege.

Neu in die Pachtverträge aufgenommen werden Bestimmungen, die den Schutz von Gewässerrandstreifen betreffen. Beispielsweise müssen in einem zehn Meter breiten Bereich Bäume und Sträucher erhalten bleiben. In diesen Zehn-Meter-Zonen ist es zudem verboten, Dünge- und Pflanzenschutzmittel zu verwenden und zu lagern oder etwas zu bauen.

Wer ein städtisches Grundstück pachten will, wird zudem auf die im ganzen Stadtgebiet geltenden Vorschriften hingewiesen, die für private Holzlager im Außenbereich gelten. Pro Grundstück sind in Metzingen maximal 30 Festmeter erlaubt. Gewerblich genutzte Lagerplätze sind ebenso verboten wie der Bau von Seitenwänden oder einem Dach. Zudem ist es nicht erlaubt, Bau- oder Abbruchholz sowie Paletten auf dem Grundstück zu lagern.

Die Vorlage der Verwaltung sei in sich schlüssig und sinnvoll, betonte Ortschaftsrat Günter Hau. Er hob insbesondere den Schutz der Gewässerrandstreifen hervor: „Es ist gut, dass man das fixiert.“ Er habe zwar Verständnis dafür, dass die Landwirte nicht unbedingt mehr Pacht als bislang bezahlen möchten, die Erhöhung sei aber aus seiner Sicht tragbar. „Die Preise sind nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt“, betonte Jochen Krohmer, Leiter des Geschäftsbereichs Wirtschaft und Tourismus bei der Stadtverwaltung. Im Vergleich mit anderen Kommunen liege Metzingen diesbezüglich im Mittelfeld. Sollte es bei dem einen oder anderen Grundstück erhebliche Mängel geben, könne auch noch einmal das Gespräch mit der Verwaltung gesucht werden, um über einen möglichen Preisnachlass zu sprechen.