Tübingen Urteil im Bad Uracher Missbrauchsfall

Im Prozess um den schweren sexuellen Missbrauch einer damals neun und zehn Jahre alten Nachbarstochter vor der großen Jugendkammer des Landgerichtes wurden am Vormittag die Plädoyers verlesen.
Im Prozess um den schweren sexuellen Missbrauch einer damals neun und zehn Jahre alten Nachbarstochter vor der großen Jugendkammer des Landgerichtes wurden am Vormittag die Plädoyers verlesen. © Foto: dpa
Tübingen / ath 17.04.2018
Im Prozess um den schweren sexuellen Missbrauch vor der großen Jugendkammer des Landgerichtes wurde das Urteil verkündet.

Im Prozess um den schweren sexuellen Missbrauch einer damals neun und zehn Jahre alten Nachbarstochter vor der großen Jugendkammer des Landgerichtes wurden am Vormittag die Plädoyers verlesen. Staatsanwältin Rotraud Hölscher forderte dabei eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten - die Höchststrafe, die im Rahmen der "verfahrensvereinfachenden Verständigung" verhängt werden könnte. "Sie waren richtig gut beraten, hier ein Geständnis abzulegen", sagte die Staatsanwältin zu dem 59-Jährigen. Dieser hatte zu Beginn des Prozesses, nach dem Vorschlag der Verständigung, durch seinen Anwalt die 14 Taten vollumfänglich gestanden. Demnach missbrauchte der Mann das Kind mehrfach innerhalb von mehreren Monaten. "Sie haben dem Kind wenig bis nichts erspart", fasste Hölscher die Taten zusammen. Die Anwältin Andrea Sautter der Nebenkläger sprach von "abscheulichen Taten".

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Achim Unden, plädierte dagegen für eine Strafe an der unteren Grenze der Verständigung: Demnach sollte der gelernte Bäckermeister für vier Jahre und drei Monate in Haft. Unden betonte, daß sein Mandant "Farbe bekannt" habe und bereits heute in seinem Umfeld zu spüren bekomme, dass seine Bekannten durch die mediale Berichterstattung "Lunte gerochen" hätten. "Mein Mandant steht vor einer Sackgasse, wenn er aus der Haft herauskommt."

Der Angeklagte selbst sprach in seinem Schlusswort seine gesundheitlichen Probleme an. Ihm sei zudem unklar, wie er die Katze, zu der das Opfer eine enge Bindung hat, übergeben solle, ohne sich dem Kind zu nähern. Die Übergabe der Katze gehört zu einem Vergleich, wonach der Angeklagte sich auch bereit erklärt hatte, 12 500 Euro Schmerzensgeld zu bezahlen. Zudem darf er sich demnach dem heute zwölf Jahre alten Kind nicht nähern. Worte des Bedauerns sprach der 59-Jährige nicht aus. In der Verhandlung hatte sein Anwalt zuvor verlesen, dem Mann täten die Taten "sehr, sehr Leid".

Das Urteil wurde am Mittag gefällt: vier Jahre und fünf Monate.