Ursula Keinath geht in einer Zeit, da die Gesellschaft ihren Berufsstand mehr achtet als je zuvor. Seit das Coronavirus die Welt in Atem hält, steigt die Anerkennung für Krankenschwestern und Pfleger fast täglich. Klar, dass sich eine Frau, die sich die vergangenen 45 Jahre der Krankenpflege verschrieben hat, diesen Respekt für ihre Zunft schon viel früher gewünscht hätte.

Fehlender Respekt gegenüber dem Berufsstand

Denn als langjährige Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Oberes Ermstal/Alb hat die Dettingerin zuletzt deutlich erfahren, wie dringend die Branche neues Personal braucht. Und das fehlende Interesse vieler Berufsanfänger für die Pflege führt sie nicht nur auf die oft unwirtlichen Arbeitszeiten und Feiertagsdienste zurück – sondern eben auch auf den mangelnden Respekt vor denen, die anderen helfen. „Man hat die Menschen in der Pflege lange als selbstverständlich gesehen“, sagt Ursula Keinath.

„Ich wusste, in der Pflege bin ich richtig, da ist mein Platz“

Um das zu ändern, musste vielleicht erst ein Virus kommen. Anders war das, als Ursula Keinath in den siebziger Jahren vor der Berufswahl stand. Mit gerade einmal zwölf sei ihr klar gewesen, dass sie einmal Krankenschwester werden will, erzählt die künftige Ruheständlerin im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. „Ich wusste, in der Pflege bin ich richtig, da ist mein Platz.“
Nach der Mittleren Reife und der Hauswirtschaftlichen Schule in Reutlingen absolviert die junge Frau eine Ausbildung zur Krankenschwester am Kreiskrankenhaus Nürtingen. Das Examen in der Tasche, lässt sie sich zur OP-Schwester ausbilden und arbeitet bis zur Familienphase im Operationssaal.

Von Dettingen über Stuttgart nach Bad Urach

Nach der Kinderpause kehrt Ursula Keinath in ihren Beruf zurück. 1985 ist sie zunächst als Gemeindeschwester bei der evangelischen Kirchengemeinde Dettingen angestellt, später bildet sie sich in Stuttgart zur Pflegedienstleitung für Diakonie und Sozialstationen weiter. Eine Qualifikation, die die Krankenschwester nur wenig später dringend gebrauchen kann: Denn im Jahr 2000 fusionieren die Diakoniestationen Dettingen und Bad Urach sowie die Sozialstation Römerstein zur Diakoniestation Oberes Ermstal/Alb. Und Ursula Keinath, die zuvor bereits die Diakoniestation Dettingen geführt hatte, übernimmt gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Karin Maier die Pflegeverantwortung für die neu gegründete Diakoniestation. Mehr noch: „Ursula Keinath war maßgeblich am Aufbau der Diakoniestation Oberes Ermstal-Alb beteiligt“, würdigt Geschäftsführerin Christine Krohmer die Pflegedienstleiterin.

Nach 35 Jahren im Dienst geht es nun in den Ruhestand

Bis 2010 war die heute 63-Jährige zudem für die Einsatzleitung des Pflegebereiches Dettingen zuständig. 35 Jahre im Dienst der Diakoniestation, 45 Jahre im Beruf: Auf eine so lange Laufbahn können nur wenige zurückblicken. Am Freitag ist Ursula Keinath nun von Christine Krohmer und Dekan Michael Karwounopoulos, derzeitiger Vorsitzender der Gesellschafter der Diakoniestation, in den Ruhestand verabschiedet worden.
„Eine schöne Feier mit bewegenden Momenten“, erzählt sie. Unter anderem sind ehemalige und aktuelle Weggefährten der Pflegedienstleiterin in einem Film zu Wort gekommen.
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Probleme und Chancen der Pflege

Einfach ist der Job der Dettingerin selten gewesen, viele Neuerungen prägten das Berufsleben von Ursula Keinath. Geschäftsführerin Christine Krohmer erinnert etwa an die Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1998, die das Aufgabengebiet der Pflegedienstleiterin wesentlich prägte.
Ein Schwerpunkt für die Dettingerin war auch die Beratung und die Schulung von pflegenden Angehörigen. Und für den Aufbau und die Gründung des Netzwerkes „Demenz in Bad Urach“ habe sich die Dettingerin mit viel Engagement eingesetzt.
Bereut hat sie nichts, sagt Ursula Keinath. „Ich würde diesen Berufsweg wieder gehen.“ Dennoch freut sich die Dettingerin jetzt auf ihren Ruhestand. Gemeinsam mit ihrem Mann Willi möchte sie wieder mehr sportlich unterwegs sein, sich um ihre drei Enkel in Glems kümmern, basteln, lesen und Klavier spielen. Langweilig dürfte es ihr bei so vielen Hobbies kaum werden.

Die Qualität der Pflege im Blick


Insbesondere die Qualität der Pflege lag Ursula Keinath am Herzen, betont Christine Kromer, Geschäftsführerin der Diakoniestation. Das Qualitätsmanagementsystem habe sie in den vergangenen Jahren aufgebaut und weiterentwickelt. Ein weiterer Schwerpunkt war die Schulung von pflegenden Angehörigen. Im Landkreis war Ihr das Forum Diakonie ein wichtiges Anliegen.