Statt im Sitzungssaal Entscheidungen zu fällen, setzten die St. Johanner Gemeinderäte ein Gemeinschaftsprojekt aktiv um: In einem geschädigten Waldstück pflanzten die Kommunalpolitiker 1000 Rotbuchen. Ziel war laut Bürgermeister Florian Bauer mit Blick auf den Klimawandel, ein Zeichen zu setzen: „Etwas Besseres, als Bäume zu pflanzen, gibt es nicht.“

Brände im Amazonsgebiet gaben Anstoß

Den Anstoß zu der Aktion hatte Regina Schaller gegeben, die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet hatten die Gemeinderätin aufgeschreckt und zeitgleich hatte sie von einer Pflanzaktion im Norden Deutschlands gehört: „Ich habe angeregt, ob wir das nicht auch bei uns machen können.“ Damit rannte sie beim Bürgermeister und ihrem Ratskollegen Enzian Schneider offene Türen ein, denn bis in die 1990er Jahre hinein pflanzte die Gemeinde jedes Jahr gemeinsam mit den örtlichen Vereinen Bäume. Bauer freut sich, dass diese Tradition wieder auflebt: „Die Stimmung ist toll“, meint er mit Blick auf die im Wald arbeitenden Gemeinderäte, viele von ihnen haben auch ihre Kinder und Partner mitgebracht.

1000 Rotbuchen gesetzt

In relativ kurzer Zeit setzte Förster Enzian Schneider die Idee um, wurden 1000 Wildlinge aus dem Gemeindewald ausgestochen: „Die kniehohen Rotbuchen sind richtige Älbler“, unterstreicht Schneider und wird vom Bürgermeister korrigiert: „Nein, sogar echte St. Johanner.“ Aufgeforstet wurde in einem geschädigten Waldgebiet in der Nähe des Erdfalls, dort hatte am 6. Januar ein Schneebruch für große Schäden gesorgt: „Etwa ein Viertel der geschädigten Bäume haben wir entfernt“, so Fachmann Schneider. Andere konnten stehen bleiben, wenn auch die Krone nicht mehr intakt ist: „Die halten noch ein bis zwei Jahre durch“, so der Förster. „Dann ist der Holzpreis vielleicht besser.“

Alle helfen freiwillig

Nach einer Kurzeinweisung mit dem ausdrücklichen Hinweis, vor allem auf die empfindlichen Wurzeln zu achten, machte sich fast der komplette Gemeinderat sowie Manfred Ludwig, Vorsitzender des Bundes Naturschutz Alb-Neckar, und Mitarbeiter des Forstes ans Pflanzen. „Die sind freiwillig und motiviert mit dabei, sie hätten nicht müssen“, unterstreicht ihr Chef Schneider. Der begrüßt die Aktion nicht nur, weil sie dem Wald guttut und gleichzeitig die Gemeinschaft im noch jungen Gemeinderat stärkt. Vielmehr kämen die Helfer auf dieser Weise der Erde mal wieder näher: „Das ist eine Chance, wieder eine Verbindung zu ihr und damit Bodenständigkeit zu bekommen“, so der Förster. „Wir sind davon so entkoppelt, deshalb geht es der Natur auch so schlecht.“ Aus diesem Grund wurden die Wildlinge auch nicht einfach in den Boden gesteckt, sondern geradezu liebevoll eingepflanzt: Am Ende wurde die Erde rein gebröselt.

Ein Zeichen gesetzt

Bei kühlen Temperaturen und leichtem Nieselregen war die Stimmung bestens, gute Laune herrschte vor. Und die Hoffnung wurde geäußert, dass es laut Initiatorin Regina Schaller nächstes Jahr wieder eine solche Aktion gibt: „Wir haben nun ein Zeichen gesetzt und hoffen, dass es weitergeht.“ Bürgermeister Bauer jedenfalls möchte wieder die Vereine und darüber hinaus auch interessierte Bürger dafür begeistern.

Im Rahmen eines Schulwaldprojekts pflanzt Förster Schneider jedenfalls seit vielen Jahren mit den Jungen und Mädchen der vierten Grundschulklassen jeweils 100 Eichen auf geschädigten Flächen.