Grabenstetten Nur 863 Meter bis zur Blauhöhle

Forscher in der Hessenhauhöhle.
Forscher in der Hessenhauhöhle. © Foto: Arge Blaukast
Grabenstetten / MICHAEL RAHNEFELD 11.11.2014
Den Kontrast zwischen Höhlenforschung vor fast 40 Jahren und heute erlebten weit über 200 Zuhörer am Samstagabend in der Falkensteinhalle Grabenstetten. Die Arge Grabenstetten hatte geladen.

Auch ein Jahr nach ihrem 40. Geburtstag füllt die Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst die Falkensteinhalle. Diesmal mit einem Programm, das den Unterschied zwischen heutiger und vergangener Forschungsarbeit nicht besser hätte vermitteln können. Einerseits heute in der Hessenhauhöhle zwischen Laichingen und Blaubeuren die technisch bestens ausgerüsteten gut trainierten Forscher der Arge Blaukarst, andererseits damals, 1977/78 beim Durchbruch durch den Eisele-Versturz in der Falkensteiner Höhle eine hochmotivierte Truppe, die zu dieser Zeit nur bedingt auf perfektioniertes Equipment zurückgreifen konnte, dennoch aber Großartiges vollbrachte.

Protagonisten beim abendfüllenden Programm in Grabenstetten waren Jürgen Woggon, Roland Konopac und der Mediziner Dr. Jürgen Bohnert. Alle drei Arbeiten in der Arge Blaukarst mit, die seit knapp zehn Jahren das System Hessenhauhöhle erforscht, das mittlerweile eine vermessene Länge von 4450 Metern erreicht und damit das Mordloch bei Geislingen-Eybach als drittlängste Höhle geschlagen hat. Verbissen kämpfen die Forscher in dem von der sogenannten Nordblau durchfluteten System um eine begehbare oder betauchbare Verbindung zum Blauhöhlensystem. Würde diese gefunden, so entstünde mit knapp 15 Kilometern eines der längsten Höhlensysteme Deutschlands.

"Nur noch 863 Meter trennen uns Luftlinie vom Blauhöhlensystem", sagt Jürgen Bohnert, "aber der Weg dorthin wird hart, ganz hart". Warum, das zeigen er und seine beiden genannten Kameraden in einer gut gemachten Multimedia-Schau, wobei die Gäste eindrucksvolles Film- und Bildmaterial zu sehen bekommen. Gezeigt wurden mittels Grafiken und Plänen, an welchen Punkten die Forscher ihre weiteren Vorstöße ansetzen und mit welchen Methoden sie an den Stellen möglicher Fortsetzungen arbeiten. Neben Nebelkerzen, die Luftströme sichtbar machen, heißt es immer wieder tauchen, tauchen, tauchen. Wie schwierig das in trüben, teilweise mit Keimen verunreinigtem Wasser ist, und was es für eine Kondition voraussetzt, das erläutert der Arzt Bohnert an medizinischen und tauchspezifischen Erhebungen in verständlichen Worten und zeigt auf, dass Höhlentauchen weitaus weniger Risiken beinhaltet als beispielsweise abends träge vor dem Fernseher zu sitzen. Es wird die selbstgebaute Tauchtechnik erklärt und der voll ausgerüstete Roland Konopac schleppt sich in der ganz und gar dunklen Falkensteinhalle als Höhlentaucher mit nur wenig Eigen-Licht vors Publikum. In einem Kurzinterview mit Jürgen Bohnert werden Ausrüstung und Befindlichkeit des Tauchers den Gästen vermittelt.

Zum Abschluss des Vortrags werben Bohnert und seine Kameraden noch um aktive und passive Unterstützung bei der Forschung in der Hessenhauhöhle, die Buchtheke der Arge Grabenstetten bietet das passende Info-Material zu fast allen Fragen.

Dann nach einer 20-minütigen Pause der Kontrast. Im Jahre 1978 hatte der Esslinger Buch- und Fernsehautor Professor Dr. Ernst Waldemar Bauer die Falkensteiner Höhle und die Arge Grabenstetten für einen Beitrag seiner ZDF-Serie "Höhlen - Welt ohne Sonne" auserkoren. Ein Filmteam begleitete damals die Arge-Forscher in die "Höhle ohne Ende" bis hinter den wenige Wochen zuvor überwundenen "Eisele-Versturz". Großartige Bilder aus jener Zeit "verführten" die Gäste in der Halle in die immerhin über drei Kilometer lange Höhle unter Grabenstetten, die ebenfalls noch Forschungspotenzial bietet. Und Bauer stellte in seinem Filmkommentar abschließend die fast philosophische Frage, was Menschen in diesem Forscherdrang antreibt. Ist es wirklich die "Raumfahrt des Kleinen Mannes", wie es die heutigen Forscher nennen?