Metzingen Notfallseelsorger im Einsatz

35 Notfallseelsorger gibt es im Kreis, einige nahmen ihre neue Dienstkleidung persönlich in Empfang. Foto: Norbert Leister
35 Notfallseelsorger gibt es im Kreis, einige nahmen ihre neue Dienstkleidung persönlich in Empfang. Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 25.09.2012
Notfallseelsorger sind immer dann zur Stelle, wenn die menschliche Not riesig ist: Bei Unfällen, Suizid, Brandeinsätzen und vielem mehr.

In dieser schrecklichen Nacht am 14. Mai dieses Jahres, als der Brand in Metzingen verheerende Schäden, Tote und einige Verletzte fordert, sind fünf Notfallseelsorger vor Ort. Sie versuchen Beistand zu leisten, die Menschen zu begleiten, die auf einen Schlag alles verloren haben. Die katholischen und evangelischen Seelsorger waren aber auch zur Stelle, um Angehörige in den ersten Stunden nach dem Tod einer Mutter, eines Ehemanns, eines Sohnes zu trösten. Es sind diese extremen Momente, in denen der Mensch glaubt, die ganze Welt bricht zusammen, der Boden öffnet sich unter den Füßen und nichts kann den Fall in den Abgrund verhindern.

In solchen schrecklichen Situationen nicht allein sein zu müssen, menschliche Wärme zu spüren, Rat und Hilfe zu erfahren, ist von unschätzbarem Wert. Aber: Es ist "nur" ein Angebot, das die Notfallseelsorger machen. Nicht mehr und nicht weniger. "Die Notfallseelsorge steht allen Menschen offen, die in einer solchen Krisensituation Beistand wünschen", sagt Manuela Seynstahl als Leiterin der Notfallseelsorge-Geschäftsstelle im Haus Matizzo in Metzingen. Diese Hilfe und den Beistand bieten die Seelsorger auch den Einsatzkräften an. Egal, ob Polizei-, Rot-Kreuz- oder auch den Feuerwehr-Mitarbeitern. Gerade die Metzinger Feuerwehrleute mussten in den vergangenen Monaten gleich mehrfach an die Grenzen des Belastbaren gehen.

Allerdings beschränkt sich die Unterstützung der Notfallseelsorger auf die ersten Stunden nach der Katastrophe, nach dem Einsatz, nach der schweren Verletzung oder dem Tod von Angehörigen. "Wir leisten Akuthilfe für die ersten Stunden nach einem belastenden Ereignis", so Seynstahl. Obwohl die Notfallseelsorger evangelische und katholische Pfarrer sind - oder aber eine andere kirchlich anerkannte seelsorgerliche Ausbildung haben - bieten sie allen Menschen ihre Hilfe an. Ohne Rücksicht auf die Religion. "Dieses ökumenische Angebot ist getragen vom gegenseitigen Respekt vor den konfessionellen Traditionen und Besonderheiten der beteiligten Kirchen", betont Manuela Seynstahl.

Die Situationen, in denen die Notfallseelsorger tätig werden, sind äußerst unterschiedlich und wahrlich nichts für schwache Nerven: Ein Mann hat Suizid begangen, es gilt die Ehefrau zu benachrichtigen. Zwei junge Männer sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen, die Eltern müssen informiert werden. Eine Frau hat einen Herzinfarkt erlitten, der Mann ist völlig hilflos und äußerst dankbar für die Hilfe.

Dabei sind die Notfallseelsorger eingebunden in die Alarmierungsstruktur der Rettungs- und Hilfsdienste und werden von den zuständigen Leitstellen informiert. Die enge Vernetzung und Partnerschaft mit den Rettungsdiensten, Polizei, Feuerwehr, psychosozialen Beratungs- und Therapieeinrichtungen ist nach den Worten von Seynstahl nicht nur wichtig, sondern auch dringend notwendig. Zusammen gearbeitet wird aber auch mit den Seelsorgern in den örtlichen Kirchengemeinden. Denn: Mehr als die Akuthilfe können die Notfallseelsorger in den ersten Stunden der Katastrophe nicht leisten. Denn sie machen das ja zusätzlich zu ihren sonstigen hauptberuflichen Tätigkeiten. "Bis vor kurzem war das eine freiwillige Tätigkeit", sagt Peter Rostan. Mittlerweile heißt es, dass die Notfallseelsorge zum Aufgabenfeld der Pfarrerinnen und Pfarrer dazugehört. Morgens, mittags, abends, nachts. Wie bei den Feuerwehrleuten, den Rettungskräften und der Polizei auch.