Konzert Notenständer als Fahnenmasten

Humorvoll präsentierte sich der Chor, der sich stets passend zu den Liedern etwas einfallen ließ. Bis hin zum Strohhut.
Humorvoll präsentierte sich der Chor, der sich stets passend zu den Liedern etwas einfallen ließ. Bis hin zum Strohhut. © Foto: Böhm
Böhringen / Gabriele Böhm 03.07.2018

Hinter vielen bekannten Liedern verbirgt sich das Thema „Heimat“. Der Chor Canto Vokale unter der Leitung von Klaus Hügl präsentierte vor allem die Liebe zum Schwäbischen beim Konzert am Samstagabend in der restlos gefüllten Scheune in Böhringen. Am Sonntag wurde es wiederholt. Erstmals war die Scheune bestuhlt, mit einem lustigen Sammelsurium aus gespendeten Gasthaus- und Wohnzimmerstühlen.

„Heimat ist auch für uns ein wichtiger Begriff“, sagte Öffentlichkeitsreferentin Karin Wurst. Zwar stammten Dreiviertel der Mitglieder aus Böhringen, doch die anderen Sänger kämen aus einem Umkreis von 50 Kilometern. „Alle sind berufstätig, deshalb gehen wir nicht auf Tourneen.“

Eigentlich müsste man sagen: Umso besser. Denn so kommt die Region häufiger in den Genuss musikalischer Darbietungen der Spitzenklasse. Schöne Stimmen, eine Ausgewogenheit von Frauen und Männern, eine gute Textverständlichkeit, durch die die oft spitzfindigen Liedinhalte deutlich wurden, und der eigene Spaß an der Sache packten die Zuhörer von Anfang an. Für die Begleitung sorgten Gregor Kissling (Piano), Hans Fickelscher (Schlagzeug) und Judith Goldbach (Bass), jedoch wurden einige Stücke auch a capella gesungen.

Bereits die ersten Lieder, „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Ticket to ride“ oder „Überall auf der Welt scheint die Sonne“, zeigten die stilistische Bandbreite, mit der die Heimat besungen wurde. Dass auch ein Mensch Heimat bedeuten kann, wurde mit „Zuhause bist immer nur Du“ in Szene gesetzt. Beifall und Pfiffe gab es für „Maybe“. Eine Überraschung, von der nicht einmal der Dirigent wusste, hatte das Duo Ulrich Holder (Gitarre, Gesang) und Karin Wurst (Textdichtung, Gesang) parat. Im begeistert gefeierten Liedchen „Wart amal g´schwend“ ging es um örtliches Insiderwissen, vom heiß geliebten Kühlschrank bis zum Dorftratsch. Die letzte Strophe sangen alle zusammen nach Texttafeln.

Bei aller Globalität stand danach die Liebe zum Ländle im Fokus. „Was ist der Schwab?“ wurde gefragt. Eine der Antworten lautete: „Tapfer und edel unter dem Schädel.“ Es folgte der „Hafer- und Banana-Blues“, bei dem Chormitglieder Pferdle und Äffle perfekt synchronisierten. Mit kleinen Aktionen wie auf der Bühne Bananen zu verspeisen, fühlte man sich professionell unterhalten. Bei einem kleinen „Volk im Süden“, das zwar dieses und jenes angeblich nicht kann, aber doch „die hochwertigeren Kraftfahrzeuge“ herstellt und eben doch alles ein bisschen besser drauf hat als die anderen, flaggte der Chor baden-württembergische Fahnen auf den Notenständern oder schwenkte Putzzeug für die Kehrwoche.

Dass der Chor auch mit Solisten gut bestückt ist, zeigte sich bei „Tie a yellow ribbon“. „Das kleine Haus“ von Gabalier war vom Bayerischen ins Schwäbische übertragen worden und erzählte von einer glücklichen Kindheit in einer einfachen Hütte im Wald. Strohhüte und Heugabeln kamen zum Einsatz, als der „Sommr uff dr Alb“ besungen wurde. Die Füße ins Wasser hängen, barfuß durch ein Weizenfeld laufen – der Chor erzählte es mit so einer ausgefeilten Dynamik, dass man sofort mitten in der Szenerie war.

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