Metzingen Niemand soll einsam sein

Werner Eisinger und weitere acht Ehrenamtliche betreuen "Mobile" und bieten eine Anlaufstelle.
Werner Eisinger und weitere acht Ehrenamtliche betreuen "Mobile" und bieten eine Anlaufstelle. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / CAROLA EISSLER 13.08.2015
Sie hatten sich einst das ehrgeizige Ziel gesetzt, Menschen zusammen zu bringen. Entstanden ist eine Freizeit- und Kontaktbörse, die in der Region ihresgleichen sucht. Und "Mobile" wächst weiter.

Werner Eisinger ist ein Mann der ersten Stunde. Als vor zehn Jahren die Metzinger Kontaktbörse "Mobile - Metzinger Bürgerengagement" ins Leben gerufen wurde, war er schon mit dabei. Und auch heute noch sitzt er regelmäßig genauso wie die anderen seiner acht Mitstreiter im Kontaktbüro im Klosterhof, das immer an Markttagen geöffnet ist. Ein Wunsch steht bei ihm allerdings ganz obenan: "Es könnten ruhig ein paar mehr Männer werden." Zu den neun Ehrenamtlichen, die die Arbeit von "Mobile" stemmen, zählen gerade mal zwei Männer. "Mobile" ist eine Erfolgsgeschichte, die fortgeschrieben wird. Sollten ursprünglich Alltagshilfen vermittelt werden, hat sich die Kontaktbörse im Laufe der Jahre gewandelt: Inzwischen treffen sich mehr als zehn feste Gruppen regelmäßig, um gemeinsam die Freizeit zu gestalten, Veranstaltungen zu besuchen oder sich weiterzubilden. Bis zu 150 Menschen sind jede Woche in irgendeiner Weise mit "Mobile" in Kontakt und nehmen an einer Aktivität teil. "Wir bieten natürlich nach wie vor auch Einzelvermittlung an", sagt Eisinger, der selbst regelmäßig bei den Stadterkundungen im Ländle mit dabei ist und auch hin und wieder aufs E-Bike steigt.

Was wäre die Freizeit für viele Bürger ohne "Mobile": Eine Wandergruppe vereint regelmäßig bis zu 30 Wanderer, eine Stadterkundungsgruppe fährt mit dem Zug Städte in Baden-Württemberg an, Sprachgruppen lernen gemeinsam, eine Kulturgruppe bietet den gemeinsamen Besuch von Kulturveranstaltungen an, beim PC-Treff lernen Ältere den Umgang mit Laptop, Mails und Internet. Neu hinzugekommen sind erst jüngst eine weitere Wandergruppe, die sich längere Strecken vornimmt sowie eine Boulegruppe. Auch soll in Kürze eine Männergesprächsrunde ins Leben gerufen werden. "Wenn jemand eine Idee hat, ist er hier bei uns willkommen und wir probieren aus, ob es Interessenten gibt", erklärt Eisinger das Konzept von "Mobile". Die Ehrenamtlichen führen die Leute zusammen, geben Anstöße, stehen zur Unterstützung bereit. "Danach werden die Gruppen meist zu Selbstläufern."

Die Freizeitgestaltung steht ganz obenan. Aber "Mobile" will noch mehr tun. So unterstützt das Kontaktbüro die Gruppe "Mukika" für Frauen und Kinder mit Migrationshintergrund. Neueste Herausforderung könnte ein Engagement im Rahmen der Asylarbeit sein. Eisinger denkt diesbezüglich zum Beispiel an Kinderbetreuung während die Erwachsenen die Deutschkurse besuchen. Erste Gespräche habe es bereits gegeben, aber das wolle natürlich alles genau geplant und organisiert sein, sagt Eisinger. "Mobile" hat jedoch großes Interesse, die Kontaktbörse auch unter den Asylbewerbern bekannt zu machen. "Bislang ist es aber ein Zukunftsprojekt."

Werben muss "Mobile" nicht, die vielen Bürger, die an den Veranstaltungen teilnehmen, sind allesamt Werbeträger und erzählen ihren Freunden und Bekannten von den Aktivitäten der Kontaktbörse. Ein kleines Finanzbudget erhält "Mobile" von der Stadt für Büroausstattung, zudem können die Räume im Klosterhof kostenlos genutzt werden. "Ohne diese Unterstützung ginge es nicht", sagt Eisinger. Eine Investition, die sich allemal lohnt. Schließlich ist "Mobile" ein Garant dafür, dass Menschen nicht alleine bleiben oder vereinsamen. "Das Gemeinschaftserlebnis ist doch gerade im Alter ein ganz wichtiger Faktor unseres Lebens", ist Eisinger überzeugt.

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