Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, so berichtet es ein altes Volkslied. In Bad Urach rauscht er zwar, der Bach, vom Klappern der Klostermühle ist hingegen schon seit längerem nichts mehr zu hören. Um genau zu sein, seit dem Jahr 2017. Damals stellte die Stadt immerhin 50 000 Euro in den Haushalt ein, um klären zu können, was den Stillstand des Wasserrads verursachte. Diese Gelegenheit wollte man gleichzeitig nutzen, das denkmalgeschützte Kleinod zu sanieren und den dort angeschlossenen Generator zu überholen. Die hölzernen Schaufeln wurden abmontiert und seitdem grüßt ein weißliches, da von Kalk überzogenes, Stahlgerippe.

Immer wieder Nachfragen

Die Arbeiten gerieten ins Stocken und nicht nur die Bad Uracher, sondern auch die Gäste der Stadt stießen statt auf ein plätscherndes Idyll auf eine eher trist anzuschauende Bauruine. In regelmäßigen Abständen erkundigten sich Einwohner – aber auch die Räte – aus Sorge um eines der Aushängeschilder der Stadt, über den Fortgang der Arbeiten. Immer wieder wurden sie aber vertröstet vom Gebäudemanager der Stadt Thomas Jaschinski. Erst kürzlich, im Technischen Ausschuss, war es wieder an ihm auf eine neue Episode hinzuweisen, die den Abschluss der Arbeiten erneut auf ungewisse Zeit verzögern wird.

Nachdem sich zuvor das Denkmalamt, wegen chronischer Überlastung, wie es hieß, immer wieder entschuldigen ließ, flatterte schlussendlich doch noch die Erlaubnis der Behörde ins Bad Uracher Rathaus. Es durfte also Hand an die historischen Anlagen gelegt werden. In der Zwischenzeit nahmen Auszubildende des Heidenheimer Technologiekonzerns Voith den einst in ihrem Hause gefertigten Stromgenerator unter die Lupe und machten sich im Rahmen eines Lernprojekts auf Fehlersuche. Und das erfolgreich: Zwei defekte Zahnräder machten sie für den Stillstand verantwortlich und sie kümmerten sich um die Lösung des Problems. Eigenhändig berechnet und konstruiert, liegen die notwendigen Gussformen für die Ersatzzahnräder inzwischen vor.

Neues Unheil kam indes jüngst auf unerwarteten Sohlen daher. Die mit dem Guss beauftragte Firma SHW in Königsbronn (Landkreis Heidenheim) meldete am 8. Februar Insolvenz an. Obwohl die Beschäftigten bis zum Schluss auf eine Lösung gehofft hatten, verkündet der Insolvenzverwalter das Ende. Und damit zerstreute er auch die Hoffnungen der Bad Uracher, zu einer schnellen Reparatur des Wasserrads zu kommen. Stattdessen muss man sich nun auf die Suche nach einer anderen Gießerei machen, die die Zahnräder ebenso rasch wie gut und im selben Preisrahmen herstellen kann und will.

Der zuständige Ausbildungsleiter bei Voith hat bereits die Fühler ausgestreckt, wie der Pressesprecher der Stadt Bad Urach, Bernd Mall, auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE mitteilt. „Wir haben es ein Stück weit nicht selbst in der Hand“, kann er verbal nur mit den Schultern zucken. Zu einer Prognose, ob sich das Wasserrad zum diesjährigen Schäferlauf wieder drehen wird, lässt er sich lieber nicht hinreißen: „Das ist schwer abzuschätzen.“