Hülben Nicht zur Strafe, nur zur Übung

Mit Balanceübungen auf einem Parcours wird die Bedeutung des Sicherheitstrainings vor Augen geführt.
Mit Balanceübungen auf einem Parcours wird die Bedeutung des Sicherheitstrainings vor Augen geführt. © Foto: Kirsten Oechsner
Von Kirsten Oechsner 13.06.2018

Die Stimmung locker und entspannt, das Thema ernst und brisant: Beim inzwischen dritten Motorrad-Aktionstag in Hülben stand die Sicherheit der Biker im Vordergrund. „Wir haben heute den Bußgeldkatalog nicht dabei“, erklärt Polizeihauptmeisterin Petra Müller. „Heute wollen wir präventiv arbeiten und darauf hinweisen, was passieren kann.“

Automatisierte Handlungen

Sensibilisierung für das Thema Bremsweg war unter anderem angesagt, zu hohe Geschwindigkeit ist eine der Hauptursachen von Unfällen mit Motorrädern. Oder was es bedeutet, alkoholisiert unterwegs zu sein – eine Rauschbrille macht deutlich, wie man mit Promille im Blut reagiert. Und vor allem wurde eines klar vor Augen geführt: die Bedeutung eines Sicherheitstrainings. Polizist Thomas Steigenberger weiß, wovon er spricht: Er ist selbst Motorradfahrer, seit 20 Jahren ist er als Trainer aktiv. Man müsse Handlungen und Bewegungen automatisieren, erst dann habe man den Blick frei und könne entsprechend reagieren. Vorgänge einüben, sie immer wieder ausführen sollte für jeden Biker das Prinzip sein: „Jeder Musiker und jeder Sportler trainiert und wärmt sich auf“, so Steigenberger. Das sei bei vielen Bikern zu seinem Bedauern nicht der Fall: „Sie steigen auf ihr Motorrad und fahren los“, weiß er. „Und das manchmal sogar nach der monatelangen Winterpause.“

Immer wieder was Neues

Anders der Biker aus Oberboihingen: „Ich bin ein Ganzjahresfahrer.“ Dennoch absolviert er seit vielen Jahren zum Einstieg in die „offizielle“ Saison ein Sicherheitstraining: „Man lernt immer wieder etwas dazu und es gibt immer einen, der noch besser bremst“, erklärt er. Man müsse sich eines bewusst sein: „Wir Motorradfahrer haben nur einen Versuch zu bremsen und mein Ziel ist es, heil nach Hause zu kommen.“ Das sieht auch ein Dettinger so, seit 20 Jahren absolviert er aus Überzeugung jede Saison ein Sicherheitstraining: „Wer einmal mit dabei war, macht immer wieder gerne eines.“ Und deshalb nimmt er auch an einem Quiz teil, bei dem es eines zu gewinnen gibt: ein Sicherheitstraining.

 Noch ist das längst nicht bei allen Bikern eine Selbstverständlichkeit, in Gesprächen möchte die Polizei auf die Notwendigkeit hinweisen. „Wir sind hier, um auf konkrete Fragen Antworten geben zu können“, beschreibt Petra Müller das Ziel des Aktionstages. Eine Veranstaltung, die von Jung und Alt gerne angenommen wird: „Es kommen auch Jugendliche, die kleine Maschinen fahren“, freut sie sich. Über das Gespräch und den direkten Kontakt werden zudem mögliche Berührungsängste zur Polizei abgebaut.

Viele Unfälle im Landkreis

Die Mitarbeiter der Verkehrsprävention des Polizeipräsidiums Reutlingen haben nicht nur praktische Übungen mit dabei, sondern auch jede Menge Informationsmaterial und Statistiken. Gerade im Landkreis Reutlingen finden überdurchschnittlich viele Unfälle mit Motorrädern statt, Schwerpunkt sind da vor allem die Steigen. Und die ziehen Biker aus dem ganzen Land an, beim Motorradaktionstag wurden unter anderem Motorräder mit Balinger oder auch Freudenstädter Nummern gesichtet.

 Rund ums Clubhaus der Motorradfreunde Hülben war am Sonntag einiges geboten, das Interesse am Motorradaktionstag war groß. Die DRK-Ortsgruppe führte in die Erste Hilfe ein, die Verkehrswacht Reutlingen-Münsingen war ebenfalls präsent und am Stand der Aktionsgruppe „Leise im Lautertal“ wurde viel diskutiert – etwa über das im Lautertal streckenweise eingeführte Tempo 50 für Motorräder.

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Motorrad-Aktionstage fanden bislang in Hülben statt. Auch am Wochenende wurden durch die Polizei Gefahren, aber auch nützliche Tipps und Kniffe vermittelt.

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