Sich ins Rampenlicht zu drängen und sich dabei auch noch selbst zu loben, das ist Karl Schäfers Sache nicht. Dabei hat er für seinen Ort, für sein Neuhausen, in den vergangenen Jahrzehnten viel geleistet. Als Ortschafts- und Gemeinderat trug er ebenso Verantwortung wie als Mitglied des Kelternvereins, des Liederkranzes und der Weingärtnergenossenschaft. Seit 1978 ist er zudem in der Bürgerinitiative Mittlere Kelter aktiv und bewahrte den historischen Bau gemeinsam mit weiteren Mitstreitern vor dem Abriss. Anders gesagt, Karl Schäfer war an vielen Stellen Triebfeder und Initiator, wie es Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler am Dienstagabend formulierte.

Der Oberbürgermeister konnte Schäfer im Neuhäuser Bindhof mit der Bürgermedaille der Stadt Metzingen ehren. Einstimmig hatte der Gemeinderat beschlossen, ihm diese Auszeichnung für seine besonderen Verdienste im öffentlichen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt zukommen zu lassen. Die Ehrung sei verbunden mit dem allergrößten Respekt für Karl Schäfers Lebensleistung, betonte Ulrich Fiedler. Schäfers Engagement habe nicht allein Neuhausen, sondern die ganze Stadt Metzingen außerordentlich geprägt: „Sie haben sich uneigennützig und ohne jedwede Erwartung von Dank und Anerkennung für Ihre Mitmenschen eingesetzt.“

Besonders die Landwirtschaft, der Weinbau und die Streuobstwiesen lagen und liegen Schäfer am Herzen. Er weiß nicht allein Bescheid, wie Bäume und Rebstöcke zu pflegen sind, nein, er kennt in Neuhausen jeden Grashalm, jeden Stein, jedes Grundstück. Dieses Wissen, diese Erfahrung, seien einzigartig und für die Stadt unheimlich wichtig, betonte der OB. Nicht umsonst trage Schäfer den Ehrentitel Flur- und Feldwegebürgermeister.

Ein Brückenbauer

Sein Fachwissen in Sachen Landwirtschaft vermöge Schäfer mit dem Talent eines Brückenbauers zu verknüpfen, erklärte Fiedler. Ihn zeichne zudem eine jederzeit sachliche, ausgleichende Art und sein vorbildliches Verständnis für Demokratie aus. Unzählige Kompromisse habe er eingefädelt, zahlreiche Vermittlungs- und Informationstermine initiiert. Dabei sei es ihm nie um sich selbst gegangen, sondern immer um die Sache, wie Ulrich Fiedler erklärte, „eine gut funktionierende Landwirtschaft, eine gepflegte Kulturlandschaft und den Erhalt von jahrhundertealten Traditionen“.

Die Kombination aus Verantwortung in erster Reihe und dem tagtäglichen Einsatz für die Bürger im Hintergrund und ohne Scheinwerferlicht, „ist für mich persönlich Ehrenamt in Perfektion“, bekannte der OB. Allein freilich sei ein solches Pensum nicht zu stemmen. Ein starker Mann brauche eine ebenso starke Frau in seinem Rücken, um ein solches Lebenswerk zu schaffen. Der Dank des Oberbürgermeisters ging daher ausdrücklich auch an Helga Schäfer, der er einen guten Tropfen aus Metzingen überreichte.

Als er von der anstehenden Ehrung mit der Bürgermedaille erfahren habe, sei er sehr überrascht gewesen, erinnerte sich Karl Schäfer am Dienstag. Aber natürlich habe er sich sehr über die Auszeichnung gefreut. Bei seiner Frau Helga bedankte er sich für ihre Geduld und Ausdauer, bei OB Ulrich Fiedler für dessen vielfältige Unterstützung in den vergangenen Jahren. Ein besonderes Dankeschön richtete er an Lilli Reusch „für ihre aufopfernde und hervorragende Tätigkeit für uns alle und für unser geschätztes Neuhausen“. Worte des Dankes fand er außerdem für die gute Zusammenarbeit mit den Glemser Nachbarn, mit seiner FWV-Fraktion sowie mit den Kollegen in den Gremien. Schäfer bekannte zudem, dass sein Herz ganz besonders für den Kelternverein und für die Mittlere Kelter schlägt. Den Wengertern jedenfalls versprach er, sie auch weiterhin zu unterstützen.

Indessen hofft nicht allein der OB, dass Karl Schäfer sich weiterhin in gewohnter Weise für seine Neuhäuser einsetzt, auch wenn er sein kommunalpolitisches Ehrenamt nach 40 Jahren abgegeben hat. Diesbezüglich besteht aber wohl kein Grund zur Sorge, wie sich am Dienstag zeigte: „Unsere Bürger“, betonte Karl Schäfer, „sind es wert, dass man sich für sie einsetzt.“ Die Bürger gaben diese Wertschätzung gerne zurück, gleich zwei Mal erhoben sie sich von ihren Sitzen, um das Lebenswerk von Karl Schäfer mit langem Beifall zu würdigen. Musikalisch umrahmt hatte den Festakt der Liederkranz Neuhausen mit seinem Dirigenten Matthias Baur.