Die Landwirte haben ihre Arbeit auf den Feldern im Gebiet Braike-Wangen längst beendet, gleichwohl ist dort noch keine Winterruhe eingekehrt. Bearbeitet wird der Boden momentan allerdings weder mit dem Pflug noch mit der Egge. Stattdessen ziehen Baggerfahrer schnurgerade, flache Gräben ins Gelände, in der Fachsprache der Archäologen heißt dieses Verfahren Sondage. Die Wissenschaftler des Landesamtes für Denkmalpflege untersuchen derzeit das Terrain im künftigen zweiten Bauabschnitt des Gewerbegebiets Braike-Wangen.

Den Abschlussbericht gibt es nächstes Jahr

Das geschieht routinemäßig, wie Irina Storz von der Pressestelle der Stadt Metzingen erklärt. Gefunden haben die Fachleute bislang noch nichts, was von historischem Wert wäre. Die Ergebnisse ihrer Arbeit legen die Archäologen der Stadt Anfang des kommenden Jahres vor. Sobald die Fachleute ihre Untersuchungen beendet haben, verschwinden sowohl die Gräben als auch die derzeit noch sichtbaren Erdhügel wieder.

Es bleibt Zeit für die Wissenschaft

Selbstredend ist das Landesamt für Denkmalpflege nicht ganz zufällig in Neuhausen aktiv. Die Stadt will im kommenden Jahr damit beginnen, Straßen und Kanäle auf Braike-Wangen zu bauen. Damit die Arbeiten dann zügig und ohne Unterbrechung vorangehen können, sind bereits jetzt die Denkmalschutzexperten vor Ort. Sollten sie tatsächlich wertvolle historische Zeugnisse im Neuhäuser Boden finden, bliebe ihnen genügend Zeit für die notwendigen wissenschaftlichen Untersuchungen. Wann genau die Erschließungsarbeiten für den zweiten Teil des Gewerbegebiets starten, steht im Augenblick noch nicht genau fest, da es noch keinen gültigen Bebauungsplan gibt. Das Verfahren läuft derzeit.

Gebaut wird ein doppeltes U

Sicher ist dagegen, dass auf Braike-Wangen die neue Feuerwache und der neue Baubetriebshof entstehen. Das Projekt beschäftigt die politischen Gremien und die Stadtverwaltung schon seit einigen Jahren. Den für das Projekt ausgelobten Architektenwettbewerb gewann im Februar 2017 das Stuttgarter Büro Dasch und Zürn, das für den Gebäudekomplex eine Doppel-U-Form vorgeschlagen hat. Seither sind die Wettbewerbspläne kontinuierlich weiterentwickelt worden. Inzwischen wurden auch die Fachplanungen für Heizung, Sanitär, Lüftung, Tragwerk, Elektro und Medien, Bauphysik, Baugrunduntersuchung und Brandschutz in den Entwurf integriert, wie die Verwaltung in der Sitzungsvorlage für den Neuhäuser Ortschaftsrat ausführt. Dieser tagt am kommenden Dienstag und berät ebenso über den Neubau wie der Gemeinderat, der nächsten Donnerstag zu einer Sitzung zusammenkommt.

Das Vorhaben wird deutlich teurer

Neu berechnet haben die Verantwortlichen außerdem die voraussichtlichen Gesamtkosten für das Vorhaben, dem bisher größten Bauprojekt Metzingens, wie die Verwaltung schreibt. Derzeit stehen 25,85 Millionen Euro für den Neubau im Raum. Im Juli vergangenen Jahres waren die Fachleute noch von 19,6 Millionen Euro ausgegangen. Da seither die Baukosten weiter rasant gestiegen sind, haben die Fachleute die Zahlen nun deutlich nach oben korrigiert. Wie teuer das Vorhaben tatsächlich wird, lässt sich freilich erst dann genau sagen, wenn die einzelnen Gewerke vergeben werden. Gleichwohl gibt die Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage Entwarnung: „Aktuell wird der Anteil an liquiden Mitteln zur Erstellung des Gebäudes ausreichen, ohne Kreditaufnahme im Kernhaushalt der Stadt.“

Eine Brücke über die Erms

Vorgesehen ist, die ersten Arbeiten für den Neubau im November oder Dezember 2020 auszuschreiben, die Bauarbeiten könnten dann im Februar 2021 starten, im Juli 2022 soll der Gebäudekomplex fertiggestellt sein.

Wenn die Feuerwehr ins Gewerbegebiet umgezogen ist, wird auch eine neue Brücke die Erms überspannen. Sie ist auf Höhe der Wielandstraße geplant, hier entsteht an der Kreuzung mit der Ulmer Straße ein Kreisverkehr, an den die Paul-Lechler-Straße angedockt wird. Diese Verbindung, so die Verwaltung, sei sowohl für die Belange der Feuerwehr als auch für die allgemeine Erreichbarkeit des Gewerbegebiets von grundsätzlicher Bedeutung.

25,8


Millionen Euro könnte der Neubau von Feuerwehr und Bauhof auf Braike-Wangen insgesamt kosten. Die Bauarbeiten sollen im Februar 2021 beginnen.