St. Johann Neue Räume für die Schulkindbetreuung

Die Grund- und Werkrealschule Würtingen benötigt für die Nachmittagsbetreuung mehr Räumlichkeiten. Wie diese Räume bereitgestellt werden sollen, sorgt für Diskussionen.
Die Grund- und Werkrealschule Würtingen benötigt für die Nachmittagsbetreuung mehr Räumlichkeiten. Wie diese Räume bereitgestellt werden sollen, sorgt für Diskussionen. © Foto: Archivbild: Alexander Thomys
St. Johann / Nicole Wieden 10.11.2018

Ziemlich leidenschaftlich geht es mitunter zu, wenn der Gemeinderat St. Johanns diskutiert. Mit seinem Gesamtleitbild hat er sich für die kommenden Jahre immerhin Großes vorgenommen: Die Gemeinde soll in ihrer Attraktivität soweit zulegen, dass die Menschen am liebsten wieder von der Stadt zurück auf das Land ziehen möchten – so besagt es zumindest das Motto, das am Donnerstagabend als übergeordneter Leitsatz für den 14-seitigen Projektkatalog St. Johanns beschlossen wurde.

Mit ihm gilt es die Landflucht zu stoppen, denn die Gemeinde war in den vergangenen Jahren von sinkenden Einwohnerzahlen und damit geringeren Finanzzuweisungen durch das Land betroffen. Vereine, aber auch die freiwillige Feuerwehr, haben diesen Trend zu spüren bekommen. In die Zukunft gehen soll es aus diesem Grund unter anderem mit einer schlankeren Organisationsstruktur sowie einer baulichen Entwicklung, die für Familien und Unternehmen neuen Raum schafft.

Vom Leitbild zur Umsetzung

Während einige der Projekte in vollem Gang sind – beispielsweise die Diskussion der Ortsverfassung oder der Umbau der Alten Schule in Bleichstetten zu einem Bürgerhaus  – hat die vergangene Sitzung am Donnerstagabend gezeigt, dass die konkrete Umsetzung der Ziele kein einfaches Unterfangen sein wird.

Seit mehr als einem halben Jahr ist klar, dass für die Nachmittagsbetreuung der Schulkinder dringend Platz benötigt wird. Und gerade weil die Zeit drängt, sieht sich die Gemeinde in diesem Fall genötigt, eine schnelle Lösung der langfristigen vorzuziehen: Die von Bürgermeister Florian Bauer und auch von einigen Gemeinderäten eigentlich favorisierte Option ist deshalb nicht möglich, weil mit einem Anbau an die Schule der erforderliche Abstand zum benachbarten Gebäude nicht mehr gewahrt werden kann. Den bestmöglichen Kompromiss hatte das Gremium im Oktober stattdessen in einem Fertighaus mit Holzständerbauweise erkannt. Bei einer Gesamtkostenschätzung von etwa 660 000 Euro ist diese Variante im Vergleich zu den zunächst vorgesehenen Containern weder kostspieliger, noch wird mehr Zeit für den Aufbau benötigt. Gleichzeitig handelt es sich um eine wesentlich langlebigere Lösung, die – sollte der Bedarf für die Kinderbetreuung wieder zurückgehen – auch anderweitig genutzt werden kann.

Trotz Debatten zum Beschluss

Am Donnerstagabend jedoch wurde die Diskussion neu aufgerollt. So störte sich etwa Ingrid Eißler-Bimek an einem Ortsbild, das von vielen Kleingebäuden geprägt wäre. Ein Neubau sei allein deshalb überflüssig; weil die bisherige Belegung der öffentlichen Räume ohnehin sinnvoller geplant werden könnte. Dagegen argumentiert wurde mit der spezifischen Raumaufteilung und Einrichtung, wie sie für eine angemessene Kinderbetreuung notwendig sind. Ebenfalls diskutiert wurde über den geplanten Standort gegenüber der Schule. Der Schotterplatz werde als Parkgelegenheit benötigt.

Angesichts der Tatsache, dass eben jene Punkte bereits in vergangenen Sitzungen zur Sprache gekommen waren, brachte Florian Bauer nur wenig Verständnis für die Diskussion auf: „Spätestens in einem halben Jahr fliegt uns das Problem um die Ohren“, empörte er sich, sollte der Gemeinderat weiterhin nicht zu einem Konsens fähig sein. „Wir stecken fest in Diskussionen“, monierte auch Rolf Rist. Tatsächlich konnte daraufhin bei drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen die Ausschreibung beschlossen werden, sodass die Verwaltung das Baugesuch noch im laufenden Jahr beim Landratsamt einreichen kann.

Bevor die Debatte um den Neubau entflammt war, hatte sich das Gremium übrigens mit einer grundsätzlichen, weitaus theoretischeren Frage befasst. Zu hochtrabend erschien einigen Gemeinderäten die exakte Formulierung des besagten Mottos für das Gesamtleitbild: Ausgerechnet jene Gemeinde in Deutschland zu sein, die als Vorreiter „den Beweis antritt, dass Menschen wieder von der Stadt aufs Land ziehen“, damit könnten sich viele St. Johanner nicht identifizieren, so Horst Lamparter.

Weil nun aber jeder Bewohner hinter dem gemeinsamen Ziel stehen können sollte, zeigte sich Bauer bereit, diese Diskussionen so häufig wie nötig zu führen. Und tatsächlich gelang es noch in der selben Sitzung, sich auf eine gemeinsame Formulierung zu einigen. Diesmal ohne gesamtdeutschen Anspruch.

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Seiten umfasst das Gesamtleitbild von St. Johann. Vom Gebäudemanagement bis hin zur gemeindeeigenen App werden in nahezu alle Lebensbereichen Projekte in Angriff genommen.

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