Metzingen Neubau, die Zweite

Bauflächen am Weinbergfuß zählen zu den teuersten Lagen Metzingens.
Bauflächen am Weinbergfuß zählen zu den teuersten Lagen Metzingens. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / CAROLA EISSLER 14.05.2016
Kein leichter Stand für Erste Bürgermeisterin Jacqueline Lohde: Eine Neubebauung im Emil-Mörsch-Weg bringt derzeit die Anwohner auf.

Es muss wohl heftig gestritten worden sein an jedem Nachmittag, als Anwohner des Emil-Mörsch-Weges im Rathaus vorstellig wurden, um gegen die private Neubebauung eines Grundstückes am Weinbergfuß zu protestieren. Eine Anmerkung von Dr. Christiane Hauber (FWV), die Lohdes Umgang mit den Bürgern kritisierte, und Lohdes Replik, das angekündigte Treffen im kleinen Rahmen habe sich als Versammlung einer ganzen Gruppe herausgestellt, was so nicht gehe, lässt jedenfalls auf Schlagabtausch schließen. Lohde sagte, für die Bürger, die in Aufregung versetzt und in gewisser Weise instrumentalisiert wurden, tue es ihr leid, dass der Ton nicht ruhig und besonnen geblieben sei.

Wie bereits berichtet, wird im hinteren Teil des Emil-Mörsch-Weges ein Privathaus erstellt, das nach Ansicht der Anwohner viel zu hoch sei, de facto jedoch den im Bebauungsplan festgelegten Bestimmungen entspricht. Acht Meter wird der Neubau von der Straße aus messen, was an den Raumhöhen von 3,50 Meter liegt. Jedoch: gebaut wird, wie im Bebauungsplan festgelegt, ein- beziehungsweise zweigeschossig talseitig. Erste Bürgermeisterin Jacqueline Lohde legte den Gemeinderäten nochmals den Bebauungsplan Weinbergfuß vor und erläuterte die dortigen Bestimmungen. In dem Bebauungsplan sind keine Höhen für die Gebäude vorgeschrieben. Ganz einfach deshalb, weil sich aus der festgelegten Baumassenzahl selbstredend die Höhe ergibt. "Niemand würde einen Turm bauen, weil er ja sonst keine Fläche in der Breite mehr hätte", sagte Lohde auf entsprechende Anfrage aus dem Rat.

Der Bebauungsplan Weinbergfuß stammt aus den 1970er Jahren. 2004 wurde zusätzlich festgelegt, dass die Häuser in der obersten Baureihe den untersten Weinbergweg nur bis maximal 1,50 Meter übersteigen dürfen. Es geht schlichtweg darum, dass der Ausblick ins Tal für die Allgemeinheit, die den Weg nutzt, gewährleistet ist. Die Häuser in der obersten Baureihe wurden 1978 und 1983 erstellt. "Wenn jetzt in der zweiten und dritten Reihe gebaut wird, dann kann dies nicht landschaftsprägend sein", so Lohde auf die Kritik, der Neubau beeinträchtige das Landschaftsbild. Der Bebauungsplan lasse Individualität zu und ermögliche eine kontinuierliche Bebauung. Sie könne nicht erkennen, wo denn die Beeinträchtigung durch den Neubau liege, sagte Lohde. Bernhard Mohr (FDP) sagte, die Gemeinderäte würden jetzt mit einer Situation konfrontiert, die sie nicht zu verantworten hätten und die man angesichts des Bebauungsplans auch nicht lösen könne. Dennoch fragte Mohr in die Runde, weshalb sich offensichtlich alle, die in den 70er und 80er Jahren dort gebaut haben, an gewisse Regularien gehalten haben. "Jetzt kommt einer, der das offensichtlich nicht tut." Lohde verwies darauf, dass es sich im Emil-Mörsch-Weg um eine nachgefragte Gegend handle. "Auch vor 40 Jahren wollte man am Weinbergfuß keine Gartenhauslaube, sondern eine Bebauung und Verdichtung." Nur habe man damals eben anders gebaut, die damalige Architektur favorisierte Flachbungalows. "Wir reden von einer talseitig zweigeschossigen Bebauung. Geringere Werte können wir nicht ansetzen", sagte Lohde.

Christiane Hauber (FWV) zeigte Verständnis für die Empörung der Anwohner. Wenn man Lohdes Ausführungen folge, gewinne man den Eindruck, die Sache sei harmlos. "Aber Höhe und Breite des Neubaus sind enorm." Jürgen Fromhold (SPD) konnte dem nicht folgen. "Kein Bürger hat ein Anrecht auf eine gute Aussicht." Er appellierte an alle, sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, sondern ruhig und besonnen zu reagieren. Holger Weiblen (CDU) betonte, der Weinbergfuß sei der Platz in Metzingen, "wo protzig gebaut wird, und das darf auch sein". Er könne mit dem Neubau gut leben. Elke Haubold-Schüle (Grüne) gab zu bedenken, ob man nicht die Gebäudehöhe in dem Bebauungsplan beschränken könnte. Allerdings: Die Verwaltung und wohl auch die Mehrheit des Gemeinderats sehen derzeit keinen Bedarf, den Bebauungsplan Weinbergfuß zu ändern.