Auf den Streuobstwiesen gibt es mehr als Kirschen und Mirabellen, Äpfel, Birnen und Zwetschgen. Walnüsse freilich fristen ein fast unbeachtetes Dasein. Doch bei Insidern sind sie beliebt. Diese Nussliebhaber kamen am vergangenen Freitag wieder auf ihre Kosten bei der Versteigerung der Walnussbäume des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Dettingen.
Die 23 Walnussbäume bleiben in Vereinsbesitz, lediglich der diesjährige Ertrag darf von den Käufern abgeerntet werden. „Selbst essen, verschenken und damit backen“, zählt eine Mitbieterin auf die Frage nach ihren Plänen mit den schmackhaften Nüssen auf.
Wer schon einmal bei der hektischen Kirschenversteigerung dabei war, der ist überrascht, wie ruhig es bei einer Auktion auch zugehen kann – die Idylle scheint perfekt auf der Wiese im Gewann „Am Gaisbuckel“: Die Sonne strahlt vom Himmel und sucht sich den Weg durch die Walnussbäume, es herbstelt bereits, trotz der sommerlichen Temperaturen.
Von den Nüssen selbst ist auf den Bäumen nicht viel zu sehen zwischen den Blättern, aber sie sind da: Die ersten sind bereits abgefallen. „Wir haben die Bäume geschätzt“, erklärt der OGV-Vorsitzende Roland Heinkel das Prozedere. Das hätte er sich fast sparen können – die meisten Bieter sind Stammgäste und wissen ganz genau, was sie wollen.
Nachdem er die ersten drei Bäume der diesjährigen Aktion ersteigert hat, ist für einen Mann bereits Schluss – er hat sein Ziel erreicht. Doch wird er auf seinen Ertrag warten müssen, denn die Nüsse sind im Moment noch grün. Immerhin: Die Ernte der Walnüsse ist weit weniger gefährlich als die der Kirschen, weil nicht mit Leitern gearbeitet werden muss: „Wartet, bis die Nüsse runterfallen, oder klopft die Bäume mit dem Haken ab“, rät Heinkel und äußert auch gleich noch eine Bitte: „Lest nur an einem ersteigerten Baum auf.“
Weil das Gelände abschüssig ist und Nüsse durchaus davonrollen, rät er zum Kauf einer Reihe von Bäumen: „Dann liegen sie garantiert unter ihrem Baum“, sagt er lachend und bittet um gegenseitige Rücksichtnahme.
Die Einstiegssummen für die 23 Walnussbäume sind moderat. Denn, so erklärt Heinkel, „wir wollen hier nicht das große Geld verdienen, aber für die Pflege wollen wir doch etwas finanzielle Wertschätzung“.
Diese erfahren die Vereinsmitglieder auch, die gebotenen Summen steigen schnell: Von einem Einstiegspreis von zehn Euro geht’s durchaus bald schon in den 30-Euro-Bereich hoch – gezahlt wird sofort und bar.
Bei manchen Bäumen zeigt sich Roland Heinkel flexibel, versteigert ein paar Exemplare zusammen: „Da ist so wenig drauf.“
Dem einen reicht ein Baum, andere ersteigern im Familienclan eine ganze Ecke, und nach gerade einmal 20 Minuten sind alle Dettinger Nussbäume weg: „Das ging aber Ratz-Fatz“, wundert sich ein Premieren-Teilnehmer. „Das ist ja kein Vergleich zur Kirschenversteigerung.“ Roland Heinkel freut sich über den reibungslosen Verlauf: „Ich hoffe für alle auf eine gute Ernte.“

Von wegen „blöde Nuss“


Edles Holz und leckere Früchte Der Walnussbaum habe Zweierlei von höchster Qualität zu bieten, erklärt die Umweltorganisation Naturschutzbund (Nabu) auf ihrer Website: „edelstes Holz und beste Nüsse“. Nicht ohne Grund legen sich etwa Eichhörnchen, Siebenschläfer, Mäuse und Krähen Vorräte davon an – sowie seit mehr als 9000 Jahren auch Menschen. Zunächst wohl in Syrien und Plinius d. Ä. zufolge auch im heutigen Griechenland. „Dass seine Blätter erst spät im Mai austreiben und früh im Herbst wieder abfallen, ist ein Vorteil für diesen typischen Hausbaum“, schreibt der Nabu über die schon vor der letzten Eiszeit in ganz Europa heimische Pflanze „Juglans regia“, die 125 bis zu 600 Jahre alt werden könne: Im Frühjahr werfe der Baum „erst Schatten, wenn man ihn sich wünscht, und im Herbst lässt er die schwächer werdende Sonne wieder durch seine dann blattlose Krone hindurch scheinen“. Für Gartenbesitzer hat ein Walnussbaum noch eine positive Eigenschaft: Wer sich darunter niederlässt, wird von lästigen Mücken und Fliegen verschont.

Gesundheitliche Wirkung Walnüsse enthalten bis zu 60 Prozent gesunde, ungesättigte Fettsäuren, 20 Prozent Eiweiß, die Vitamine B1 und C sowie viele Mineralstoffe. Die Inhaltsstoffe des Nussbaums – auch Extrakte aus den gerbstoffhaltigen Fiederblättern – gelten als blutreinigend, nervenstärkend, schweißregulierend, leistungssteigernd und konzentrationsfördernd. Blattextrakte wirken anti­bakteriell und werden gegen Reizungen der Schleim­häut­e eingesetzt. cli