Metzingen Zwischen Online und Outlet: Muss sich der Handel wandeln?

Der klassische Einzelhandel muss auf der Hut sein, um sich für die Zukunft zu wappnen.
Der klassische Einzelhandel muss auf der Hut sein, um sich für die Zukunft zu wappnen. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Peter Swoboda 06.11.2018

Welche Zukunft hat der traditionelle Einzelhandel? Nehmen die Filialisten überhand? Oder gibt es künftig nur noch den Online-Handel? Mit solchen Fragen befasst sich die Handelsoffensive die die Stadt Metzingen und die Metzingen Marketing und Tourismus GmbH zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Reutlingen (IHK) gestartet haben. Das jüngste Treffen in den Räumen der B-Werk GmbH in Metzingen, zu dem wieder Handeltreibende eingeladen waren, ging es um das Thema „Handel gemeinsam denken“.  Jochen Krohmer, Geschäftsführer der Metzingen Marketing und Tourismus GmbH, stellte zu Beginn des Abends fest, dass die Händler sich immer noch schwer tun, eine Solidargemeinschaft zu bilden, doch nur „gemeinsam sind wir zukunftsfähig“. Sprach’s und verwies auf das Beispiel der Geschäftsleute in der Metzinger Schönbeinstraße. Noch vor Jahren sei diese Straße praktisch tot gewesen, doch mittlerweile sei die Zusammenarbeit vorbildlich, was sich auch  alle zwei Jahre am Schönbeinstraßenfest zeige.

Kaum einheitliche Öffnungszeiten

Karin Goldstein von der IHK gab der Hoffnung Ausdruck, das Motto „Handel gemeinsam denken“ bleibe keine Utopie. Allerdings sei man noch weit davon entfernt, was man allein daran sehe, dass es im Einzelhandel noch kaum einheitliche Öffnungszeiten gebe. Laut Goldstein sehen sich 77 Prozent der Einzelhändler was die Digitalisierung betrifft als Nachzügler. Und die Hälfte von ihnen hätten noch keine eigene Homepage.

Aus einer ganz anderen Welt erzählte Sebastian Staendecke, Marketingchef des Kirchentellinsfurter Onlinehändlers Bergfreunde GmbH. Das Unternehmen sei sehr erfolgreich mit einem Jahresumsatz von zuletzt 85 Millionen Euro bei einer Million Kunden und 270 Mitarbeitern. Ein Erfolgsfaktor sei, dass sich die Bergfreunde GmbH auf den Onlinehandel fokussiere und keinen stationären Laden betreibe.

Datenanalyse des Kundenverhaltens

Zudem verfolge es ein so genanntes Performance-Marketing, eine effizienzorientierte Spezialdisziplin des Online-Marketings. Zielsetzung hierbei sei es, dass jeder Kunde etwas kauft. „Dabei“, so Sebastian Staendecke, „machen wir eine fortlaufende Datenanalyse des Kundenverhaltens.“ Allerdings könne man bei dieser Art des Marketings keine  Nachfrage generieren, die es nicht schon gibt.

Ein weiterer Erfolgsfaktor sei das Motto „Mutig und pragmatisch voran“. „Wir sind besonders innovativ“, so Staendecke weiter, „aber wir wollen ganz viel ausprobieren.“   Dazu gehören die Internetauftritte im Ausland. Diese seien standardisiert, was Kosten spare. Wichtig sei dabei Authentizität, Kompetenz und Kundenbegeisterung. Laut Sebastian Staendecke ist der Onlinehandel ständig im Wachsen begriffen. Man müsse dabei dem Kunden hinterhergehen. „Gegen den Kunden arbeiten“, so der Marketingfachmann, „funktioniert nicht.“ Dazu gehöre auch das so genannte Mobile Comerce, also ein Online-Auftritt auf dem Smartphone in gleich guter Qualität wie auf einem stationären Rechner. Zum Schluss seiner Ausführungen nannte Staendecke noch eine interessante Zahl: „45 Prozent unserer Umsätze machen wir während der klassischen Ladenöffnungszeiten.“

Bergfreunde lehnen Laden ab

Die Bergfreunde GmbH lehnt es kategorisch ab, zusätzlich einen Laden zu betreiben. „Dann“, so Sebastian Staendecke, „hätten wir auf einmal einen Laden und müssten uns überlegen wie wir es schaffen, dass die Leute da hineingehen.“ Karin Goldstein hingegen möchte sich es nicht ausmalen wie es wäre, wenn es in den Innenstädten keine Läden mehr gäbe.“

Markus Berger, Geschäftsführer der B-Werk GmbH, legte den anwesenden Einzelhändlern im Wesentlichen drei Punkte ans Herz: „Folge deinen Kunden (man muss seine Kunden kennen), verfolge aufkommende Trends aufmerksam und lerne von anderen.“ Letzteres hält Berger für besonders wichtig. Man könne von anderen Geschäftsmodellen lernen, von anderen Personen und von anderen Branchen. „Vieles von dem, was wir tun“, so Markus Berger, „ist eine Wette auf die Zukunft.“

Unsicherheit greife im Handel immer mehr um sich. Berger: „Wir arbeiten in Denkmustern von gestern in Methoden von heute an Herausforderungen von morgen.“

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Fragen für die Zukunft

Die Handelslandschaft verändert sich ständig, weshalb die Konzepte immer vielfältiger werden.

Es gibt den traditionellen Einzelhandel, Filialisten, Pop-up-Stores, Konzept-Stores, Monobrand-Stores, Fabrikverkauf, Online-Handel.

Die Handelsoffensive der Stadt Metzingen, der Metzingen Marketing und Tourismus GmbH (MMT) sowie der Industrie- und Handelskammer Reutlingen  ist auf der Suche nach Antworten. Welche Zukunft hat der Online-Handel? Welche der stationäre Handel? Liefert die Vernetzung einen Mehrwert für die Kunden? Und was bedeutet das alles für die Zukunft Innenstädte?

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