Dettingen Muskelkater garantiert

Schülerin Michelle wird von Peter Essig in die Kunst des Bogenschießens eingeführt.
Schülerin Michelle wird von Peter Essig in die Kunst des Bogenschießens eingeführt. © Foto: Kirsten Oechsner
KIRSTEN OECHSNER 29.08.2016
Die Schützen sind auf den Bogen gekommen: Mit der Boom-Sportart Bogenschießen möchte der Verein Nachwuchs gewinnen.

Deutsche Schützen holten bei den Olympischen Spielen Medaillen, doch außerhalb des sportlichen Großereignisses führt der Schießsport eher ein Schattendasein. Und hat ein Problem mit Folgen: Es fehlt an Nachwuchs, da ist der Dettinger Schützenverein keine Ausnahme. Der steuert nun gegen den Trend und bietet Bogenschießen an. „Das boomt als ungefährliche Art des Schießens“, weiß Vorsitzender Anton Jäger. Er hofft, dass die einen oder anderen Eltern ihre Kinder zum Schnuppern und dann ins Training schicken. „Wir fangen ganz klein an“, erklärt Jäger weiter. Fernziel sei selbstverständlich, den Sport irgendwann wettkampfmäßig auszuüben, die Vorbereitungen laufen bereits.

So haben sich Jugendleiter Daniel Wälde und Schütze Peter Essig bereits intensiv mit dem Bogenschießen beschäftigt, sogar erste Lehrgänge in Bempflingen besucht. Dort wird Bogenschießen auf hohem Niveau betrieben. So weit sind die Dettinger noch nicht, doch die Voraussetzungen dafür werden geschaffen. Wegen des Ausbaus der Schießanlage musste im vergangenen Jahr eine für Betonmischer taugliche Zufahrt gebaut werden. „Da kam die Idee auf, sie zum Bogenschießen zu nutzen“, berichtet Jäger. Denn immer wieder habe man auch aus den Reihen der Mitglieder das Signal erhalten, dass sich Jugendliche fürs Bogenschießen interessieren könnten und gerne in die Sportart reinschnuppern würden.

Noch wird auf einem eher provisorischen Terrain geschossen, doch Spaß macht das Bogenschießen allemal, weil es sich laut Daniel Wälde um eine ungemein reizvolle Sportart handelt. Man müsse sich auf den Bewegungsablauf und das Ziel vollkommen konzentrieren. Das werde bei der kleinsten Nachlässigkeit verfehlt und, so sein Resümee: „Man muss fürs Bogenschießen körperlich fit sein.“

Das spürt auch Michelle, die sich im Rahmen des sommerlichen Urlaubshocks des Schützenvereins ans Gerät wagt. „Ist der Bogen schwer“, meint sie. Bei den ersten Schüssen hilft ihr Peter Essig, bald schickt die Schülerin den Pfeil allein in Richtung Ziel, das wird zwar verfehlt, aber den Zahlenkreis trifft sie. „Das ist ganz schön anstrengend“, bilanziert Michelle und schüttelt den Arm. Ein Zuschauer ist sich sicher: „Das gibt bestimmt einen Muskelkater.“ Das Mädchen gibt Pfeil und Bogen strahlend zurück und erklärt: „Das hat Spaß gemacht.“ Der Schützenverein hofft, dass sich das Angebot des Bogenschießens herumspricht. „Man muss eine Clique erwischen, die sich gegenseitig puscht“, meint Anton Jäger. „Es ist besser, wenn mehrere miteinander anfangen und sich motivieren.“

120 Mitglieder zählt der Schützenverein, derzeit sind rund 20 zum Teil sehr erfolgreich aktiv, zu wenig, um eine Zukunftsbasis zu haben. „Wir wollen mit dem Bogenschießen eine Attraktion für die nachrückende Generation bieten“, erklärt Anton Jäger. Wobei sich das Angebot nicht nur an die Jugend richtet, auch Erwachsene können mit dem Bogenschießen beginnen. Der Schützenverein freue sich über jedes neue Mitglied, ob jung oder etwas älter.