Fast ein Jahr Arbeit steckt in dem Familienmusical „Rocco – der kleine Teufel von nebenan“. Wer am Samstag eine der beiden Aufführungen in der Neckartenzlinger Melichiorfesthalle miterlebt hat, den dürfte das kaum wundern. Denn alles an dem Stück ist selbstgemacht: Svetlana Hacker von der Eninger Ballettschule „Dance Performance“ hat sich nicht nur die Geschichte ausgedacht und die Texte niedergeschrieben (unterstützt von der Reutlinger Kinderbuchverlegerin Simone Härter), sondern auch die Choreografien wurden von ihr erarbeitet. Der dritte Macher im Bunde ist der Musiker Gabriel Lungoci, der die Musik komponiert hat. Sie wollten kulturell etwas bewegen und ein Musical für die ganze Familie umsetzen, so die Intention des Trios.

Aus dem ganzen Landkreis

Viele Kinder und Jugendliche konnten von dem Vorhaben überzeugt werden: Rund 60 Akteure zwischen fünf und 16 Jahren tummeln sich auf der Bühne. Die Kleinsten stellen Insekten dar, Bienen oder Schmetterlinge, die nächste Altersgruppe sind die Elfen, die Größeren stellen dann entweder die Schulklasse, die Familie Teufel, die dunklen Mächte oder das tapfere Mädchen Rosa dar, die den Kampf mit der höllischen Familie aufnimmt. Gleich vorweg: Die Leistung alle Beteiligten ist grandios, sie singen und tanzen hochkonzentriert, die Texte sitzen bis auf den letzten Buchstaben und alle füllen ihre Rollen mit Feuereifer aus. Die Musik ist ebenfalls abwechslungsreich, ob Jazz- oder Bluesklänge, klassische Töne, fetzige Songs oder Gänsehautlieder: Alles ist dabei. Die Geschichte erzählt vom Kampf Gut gegen Böse, und das äußerst pfiffig und modern.

Besonders beeindruckend sind der kleine Rocco und das Mädchen Rosa, sowie die Erzählerin Valeria Seifert, die durch die spannende Geschichte führt. Der Protagonist Serge Anoumou ist trotz seiner erst neun Jahre schon ein langjähriger Bühnenprofi: Er tanzt, seit er zwei ist und seit vier Jahren singt er im Knabenchor „Capella Vocalis“. Wie ein Musica-Routinier bewegt er sich auf der Bühne, singt, spielt sein Rolle, tanzt, schlägt Rad und führt andere Akrobatik auf. Aber auch das Mädchen Rosa, Darja Hacker, zeigt eine bemerkenswerte Leistung, sie ist die zarte Seele, die einzige, die keine bösen Gedanken hegt und der darum der Sieg gegen die Teufel gelingt.

Rund 500 Besucher sind an diesem Hochsommertag zu den beiden Vorstellungen gekommen. „Wir sind zufrieden“, betont Simone Härter. Zwar gab es noch viele freie Plätze, aber damit haben sie gerechnet, sagt Härter. Schließlich sei aller Anfang schwer und es müsse sich erst einmal herumsprechen, was hier geboten wird. Ein Musical mit lauter jungen Mitwirkenden aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus, das in seiner Umsetzung hochprofessionell ist. Auch das Bühnenbild mit vier unterschiedlichen Orten (vom teuflischen Wohnzimmer bis zum Rosengarten) ist etwas ganz Besonderes. So kann das Fazit nur lauten: „Teuflisch gut“ dieses Familienmusical rund um den kleinen Rocco und das Mädchen Rosa.

Nach diesen beiden Vorführungen geht es erstmals in die Sommerpause, und dann wird es im Herbst sicher weitere Vorführungen geben, zudem soll das Musical eventuell als Buch mit Noten und Texten erscheinen, damit auch andere Gruppen oder Schulen es aufführen können.

Darum geht’s in dem Familienmusical


Die Geschichte In dem kleinen, friedlichen Städtchen ist plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los. Familie Teufel hat sich in dem alten Haus eingenistet und bringt nun das geregelte Leben der braven Bürger ziemlich durcheinander. Ihr Sohn Rocco soll die Kinder in der Schule gegeneinander aufbringen. Doch damit nicht genug. Das Stadtfest im Rosengarten steht kurz bevor und Familie Teufel will dies zum Anlass nehmen, das Fest zu ruinieren und die Stadtbewohner mit bösen Gedanken zu verderben. Kann das mutige Mädchen Rosa zusammen mit den Elfen den bösen Plan vereiteln?