Glems Mit einem Hauch Kreuzweh

Vor dem Genuss des guten schwäbischen Mosts ist Knochenarbeit angesagt.
Vor dem Genuss des guten schwäbischen Mosts ist Knochenarbeit angesagt. © Foto: Norbert Leister
Glems / Norbert Leister 22.08.2018

Mosten ist ein Knochenjob. Das betont Horst Wahl in der Glemser Most-Scheune, die sich gleich im Anschluss an das Obstbaumuseum befindet. Klar – das Mahlen und Pressen macht die Maschine. „Sonst ist aber alles Handarbeit hier“, sagt Wahl und deutet in dem Moment auf Hubertus Sailer, der an der Obstpresse der Mann der Tat ist. Die Holzgitter unter der Presse aufschichten, Tücher drauf, die gemahlenen Äpfel drauf strömen lassen, pressen, alles wieder abräumen, säubern, die riesigen Saftwannen durch die Gegend wuchten – das erfordert nicht nur die genaue Kenntnis der Abläufe, sondern auch jede Menge Kraft.

„Und das alles für die Nostalgie?“, fragt Horst Wahl. Nein, lautet die eindeutige Antwort. „Auf diese Art gibt es bessere Ergebnisse, mit weniger Trübstoffen in Saft und Most.“ Und der Geschmack des eigenen Obsts ist natürlich ein ganz anderer, weil die Kunden jeden Apfel, jede Birne selbst mühsam aufgelesen hatten und dann in der Most-Scheune zusehen, wie daraus zunächst eine Art grob gemahlener Brei entsteht, aus dem anschließend der Saft gepresst wird. „Probieren Sie doch mal“, sagt einer der Kunden und taucht einen Becher in das 200-Literfass. Lecker. „Da schmeckt man sogar ein klein wenig das Kreuzweh heraus, das beim Auflesen dabei war“, sagt Hubertus Sailer und schmunzelt.

Gefrotzelt wird im Übrigen viel bei der Arbeit. Auch bei Holger Wahl, der den erhitzten Saft in die Plastikbeutel einfüllt, sie mit dem Zapfhahn verschließt und dann in den Karton gibt. Brühend heiß ist die Flüssigkeit dann, die Kartons schnell dementsprechend aufgeheizt. „Etwa 600 Liter in der Stunden können wir hier verpacken“, sagt der Sohn von Horst Wahl. Der eine Kunde hat für sein angeliefertes Obst sage und schreibe 400 Liter erhalten. Das reicht für eine Weile, „wir haben aber noch eine ganze Menge Äpfel auf den Bäumen“, gibt die Gattin zu bedenken.

Somit ist klar: Das Obst, das im vergangenen Jahr nicht zu haben war, gibt es 2018 doppelt und dreifach. „So genannte Experten sagen, dass es jetzt 40 Prozent mehr als 2016 geben soll“, sagt Horst Wahl. „Das glaube ich aber nicht – ich denke, dass es dieses Jahr ein ähnliches Ergebnis wie 2016 geben wird.“ Die Bäume hängen zwar fast alle rappelvoll, allerdings sind die meisten Äpfel eher klein. „Durch die Trockenheit gibt es einen Verlust an Flüssigkeit“, erläutert Wahl.

Am vergangenen Samstag war nun Saisoneröffnung, „zunächst hatten sich nur fünf Kunden angemeldet, dann wurden es aber doch zwölf“, so Horst Wahl. Je nach Nachfrage wird die „Moschdade“ in den kommenden Wochen jeden Samstag geöffnet haben, „bei entsprechendem Bedarf auch unter der Woche“. Wegen zehn Zentner Obst machen die Wahls aber nicht auf. „Das ist weniger eine Frage der Arbeit als vielmehr des Putzens“, sind sich die drei Mostmeister einig. Drei Stunden werden schon gebraucht, bis sowohl die Presse als auch die Saft-Erhitzungs- und Abfüllanlage gereinigt sind.

Wenn ein Kunde 40 Zentner bringe, dann werde geöffnet, betont Holger Wahl. Und freitags würden die Großkunden aus der Gastronomie oder auch von Kindergärten vorgezogen – weil die größeren Mengen natürlich lange Wartezeiten mit sich bringen. „Ein Zentner bringt rund 30 Liter Saft oder Most“, sagt Holger Wahl. Bei 40 oder 50 Zentnern ergeben sich somit schnell 1200 bis 1500 Liter. Oder auch noch ein bisschen mehr.

„Was ich nicht verstehe“, sinniert Horst Wahl neben der Saftpresse. „Wieso wird in den Schulmensen nicht Saft aus dem städtischen Obstbau ausgeschenkt?“ Die Frage treibe ihn schon länger um. Walter Veit, der ehemalige Metzinger Baubürgermeister und am Samstag ebenfalls Kunde der Glemser Mostmeister, wusste darauf auch keine Antwort. „Das war nicht so mein Ressort, grundsätzlich ist das aber eine gute Frage.“

Termine in der Glemser Moschdade

Wer Lust hat, sein eigenes Obst zu mosten, sollte bei Horst und Holger Wahl einen Termin ausmachen. Denn gemostetet wird nur nach Absprache. Anmeldungen unter Telefon (0 71 23) 20 08 12 oder E-Mail: info@moschdade-glems.de.

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