Die Woche Peter Kiedaisch über die erneute Bäderdiskussion Metzingens Brexit

Metzingen / Von Peter Kiedaisch 14.07.2018

Die Diskussion um die Zukunft der Metzinger Bäder droht zu einer Zerreißprobe zu werden. Die Nerven sind angespannt, das war am Donnerstag während der Gemeinderatssitzung zu hören und zu spüren. Der Initiative, die sich derzeit um Unterschriften bemüht, um die beiden bestehenden Bäder zu erhalten, haben einige Stadträte vorgeworfen, in einem Altenheim Unterstützer zu suchen. Ausgerechnet dort also, wo die Zahl vermeintlicher Badegäste verschwindend gering ist. Das erinnert an den Brexit. Damals, als es um den Ausstieg Großbritanniens aus der EU ging, blieben hauptsächlich jene junge Menschen der Wahl fern, die für die EU waren, aber dachten, auf ihre Stimme komme es doch nicht an. Es waren die über 60-Jährigen EU-Kritiker, die scharenweise an die Urnen gingen und über die Zukunft der Jungen entschieden. Sollen ausgerechnet Senioren über die Zukunft der Bäder entscheiden? Das wäre zwar legitim, aber eine moralische Bankrotterklärung der Befürworter eines Bürgerentscheids. Dr. Friedrich Lorch, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens, weist derlei Vorwürfe freilich von sich. Ihm sei nicht bekannt, dass jemand im Altenheim Unterschriften gesammelt habe. Indes wolle er nicht ausschließen, dass ein Befürworter eine der ausliegenden Listen auch in ein Altenheim mitgenommen habe. Dort jedenfalls wird die Fragestellung auf fruchtbaren Boden fallen: Wer beispielsweise diese Diskussion nicht mitverfolgt hat, und wird gefragt wird, ob der Erhalt der Bäder und deren Ausbau wünschenswert sei, wird, auch in Hinblick auf die sich vermeintlich darüber freuende Jugend, bestimmt „Ja“ sagen. Denn nirgendwo steht geschrieben, dass damit der Bau eines neuen Kombibads gestorben ist. Eines Bads übrigens, hinter dem die Stimmen, Ideen und Anregungen von mehr als 4000 Menschen aus Metzingen stehen. Ein weiteres Gerücht macht inzwischen die Runde: Befürworter des Bürgerentscheids haben Jugendgemeinderäte unter Druck gesetzt: Sie mögen sich nicht so vehement fürs Kombibad einsetzen. Immerhin gibt es erste Anfragen von Jugendlichen, die gerne einen Leserbrief schreiben würden, aber ohne den Namen nennen zu müssen. Das sollte ein erstes Warnsignal sein. So darf eine Diskussion nicht ausarten. Stadtverwaltung und Gemeinderat haben bislang alles richtig gemacht. Und sie tun gut daran, einen zweiten, gleich gearteten, Prozess der Bürgerbeteiligung einzuläuten.

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