Das erlebt man nicht alle Tage, dass ein Mitglied des Bundestags ein Musikschuljubiläum moderiert; MdB Michael Donth war im Vorstand der Musikschule Bad Urach, ist befreundet mit Musikschulleiter und Stadtmusikdirektor Bruno Seitz und im späteren Musikschulgebäude, das zuvor ein Entbindungsheim war, zur Welt gekommen. Ungezählte Schüler haben dort und in anderen Räumen seit einem halben Jahrhundert den Instrumentalunterricht der Musikschule durchlaufen und tun dies heute noch, zahlreiche qualifizierte Musikpädagogen engagierten (und engagieren) sich für ihre Schüler und das aktive Musizieren.

Entsprechend groß und bunt war das Publikum beim Jubiläums-Festakt. Lehrer, Schüler, Ehemalige, Gäste und Prominenz aus Stadt, Umland und Verbänden spendeten viel Beifall für die sonst selten so offen gewürdigten Leistungen des Jubilars. Auch aus der Partnerstadt Noyon war eine Delegation des Conservatoire de Musique angereist.

Sämtliche Redner brachten einhellig ihre Wertschätzung für die Leistungen der Musikschule seit 1969 zum Ausdruck. Musikschulleiter Bruno Seitz dankte nicht nur für die erhaltene Unterstützung, sondern richtete den Blick auch auf aktuelle Aufgaben. „Was ist qualitativ hochwertige Bildung?“ fragte er. Gerade in Zeiten der Digitalisierung sei eigenes Musizieren wichtiger denn je für die menschliche Entwicklung, für Austausch und Kreativität. „Es geht um die Zukunft der Kinder, es geht um die Herausforderungen der nächsten Generation!“, betonte er und bedankte sich ausdrücklich bei den Lehrkräften, bei der Stadt, den benachbarten Gemeinden, den Schulleitern und Eltern sowie dem Landesverband der Musikschulen für ihre vielfältige Unterstützung.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler freute sich, hier zu sein: „Ich bin ehrlich stolz auf die Metzinger Musikschule, weil sie Großartiges leistet.“ Er würdigte die „Musikschule für alle“ als „echten Glücksfall“; er lobte ihre gute Zusammenarbeit mit der Stadt, mit Schulen, Vereinen und Kirchengemeinde und nicht zuletzt die über 100 Veranstaltungen jährlich; als Dank überbrachte er eine Gabe für die Notenbibliothek.

Der erste Vorsitzende des Trägervereins – die Musikschule hat ihre Rechtsform seit der Gründung durch Wilfried Klaffke und Dr. Hans Oehler 1969 beibehalten – ist derzeit Tobias Freudenberg, im Hauptberuf Staatsanwalt, doch der Metzinger Musikschule sowohl als früherer Trompetenzögling als auch im erzieherischen Anliegen verbunden. In seinem geschichtlichen Abriss hob er die Ensemblearbeit in jeder Hinsicht und die gute persönliche Vernetzung in Stadt und Umland hervor: „Die Musikschule der Bürgerschaft hat Kurs gehalten.“

Aktuelle Probleme brachte der Erste Vorsitzende des Landesverbands der Musikschulen Friedrich-Koh Dolge zur Sprache: Ganztagsschule und Digitalisierung. Er rechnete vor, wie 17-jährige Schüler auf eine 50-Stunden-Woche kommen können, noch ohne sich mit Freunden getroffen zu haben; auch unter solchen Bedingungen müsse der Weg zur musikalischen Bildung frei sein für alle Kinder. Und angesichts der rasanten Digitalisierung des Alltags sei es umso wichtiger, die ureigenen Domänen des Menschen – Kreativität, Fantasie, Neugier, Empathie – zu pflegen. „Menschen machen Musik, Musik macht den Menschen.“

Das breite Spektrum der Musikschularbeit zeigte sich auch im musikalischen Rahmenprogramm. Ein eigens aufgestelltes junges Jubiläums-Sinfonieorchester setzte einen „klassischen“ Auftakt und Schlusspunkt mit Werken von Respighi und Händel, geleitet von Bruno Seitz. Richtig Stimmung machte das Inklusionsensemble der Musikschule „Flauto Granate & Friends“ mit seinem „Pizzasong“. Die Lehrkräfte überraschten mit einem Jubiläums-Klavier-Rap und einem neu getexteten „Aux Champs-Elysées“, die Gäste aus Noyon mit einem aparten japanischen Kammermusikwerk („Jyongara“) – als sichtbare Zeichen für gelebtes Miteinander.