Metzingen Metzingen: Günstig verschrotten

Die gelbe Parkkralle deutet darauf hin. Mit diesem Fahrzeug stimmt etwas nicht.
Die gelbe Parkkralle deutet darauf hin. Mit diesem Fahrzeug stimmt etwas nicht. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 12.02.2019

Auf dem Parkplatz an der Auchtertstraße in Metzingen, gleich gegenüber der OMV-Tankstelle, steht seit Wochen ganz hinten, schüchtern ins Eck gedrückt, ein in die Jahre gekommener Opel. Inzwischen hängt am rechten Vorderreifen eine gelbe Parkkralle. Ob das den Halter stört? Vermutlich nicht, denn allem Anschein nach wird das Auto in seinem früheren Zuhause nicht mehr vermisst. Im Innenraum liegt keine Aktentasche, selbst die Kennzeichen sind längst abmontiert.

Das Auto ist schrottreif. Möglicherweise ist der TÜV abgelaufen, vielleicht hat sich eine Instandsetzung nicht mehr gelohnt, vermutlich fand sich kein Käufer. Wie dem auch sei: Der Opel steht ohne Nummernschild auf öffentlichem Grund, was eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Mindestens eine.

Das kommt immer wieder mal vor, bestätigt Alexander Philippidis. Der Metzinger ist selbstständiger Kfz-Verwerter und lebt von Autos dieser Güteklasse.

In der Regel fahren ihm seine Kunden solche Karossen auf den Hof mit der Bitte, diese zu entsorgen. Dafür bezahlen sie etwa 80 Euro, dann sind sie den Schrott los. Philippidis gibt ihnen eine Bestätigung fürs Landratsamt mit auf den Weg, damit auch von Amts wegen alles geregelt werden kann. Das Auto gilt dann als entsorgt, verschrottet, aus dem Verkehr gezogen. Es ist aus den Fuhrparks dieser Welt eliminiert.

Das ist für den letzten Halter des Autos durchaus wichtig, denn andernfalls könnte es irgendwo nochmals auftauchen und ihn in Schwierigkeiten bringen. Etwa, wenn er sein Fahrzeug zwar im guten Glauben verkauft, der neue Besitzer es aber nie anmeldet und nie als Halter in Erscheinung tritt.

Ein harmloses Beispiel aus der Praxis: Ein Autofahrer bietet seinen defekten Wagen im Internet einem Bastler an, der den Wagen auch prompt abholt. Wochen später taucht das Fahrzeug auf einem öffentlichen Parkplatz wieder auf. Ohne Nummernschilder, aber randvoll gefüllt mit Bremsflüssigkeit, Getriebe- und Motorenöl. Über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer wird aber nicht der Bastler ausfindig gemacht, sondern der letzte Halter, der sich, wenn es dumm läuft, sogar vor Gericht verantworten muss. Denn: Wer sein Auto zum Ausschlachten weggibt, ohne dafür zu sorgen, dass der neue Besitzer das Auto ordnungsgemäß verschrottet, macht sich strafbar. Das gilt auch dann, wenn der Bastler für das Fahrzeug etwas bezahlt hat. Die Rechtslage ist eindeutig: Das Strafmaß für das illegale Abladen von umweltgefährdendem Abfall reicht laut Strafgesetzbuch von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft.

Oft sind es ausländische Fahrzeuge, die Philippidis im Auftrag der Behörden auf deren Grund zwischenlagert. Auch der Landkreis ist Kunde, weil es immer wieder vorkommt, dass Fahrzeuge auf Waldwegen entsorgt werden. „Aber nach zwei bis drei Monaten muss ich die dann doch auf meinen Hof holen“, sagt Philippidis, weil der letzte Halter doch nicht ausfindig gemacht werden konnte. Vermutlich stehen der Ermittlungsaufwand und der zu erwartende Ertrag in einem Missverhältnis, möglicherweise ist es auch schwierig, ausländische Halter juristisch zu belangen. Warum lassen die ihr Auto in Metzingen stehen? Vielleicht haben sie eine Panne und wollen die Kosten fürs Abschleppen für ihren fahrenden Schrotthaufen nicht berappen. Vielleicht scheitert das Abschleppen lassen auch an sprachlichen Hürden.

Jedenfalls ist es keine gute Idee, sein Auto nach einer Panne oder einem Unfall am Straßenrand oder auf einem öffentlichen Parkplatz stehen zu lassen. Auch dann nicht, wenn es noch zugelassen ist und beabsichtigt ist, es anderntags abzuholen. Sobald der Wagen offensichtlich nicht mehr betriebsfähig ist, spricht die Straßenverkehrsordnung nicht von parken. In so einem Fall gilt das Fahrzeug als abgestellt. Das Abstellen eines schrottreifen Autos aber ist eine Sondernutzung des öffentlichen Verkehrsraums. Und das kann teuer werden.

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