Diese Handschuhe klingen kompliziert, und sie sind es auch: Auf der Innenhand eine Schicht „Seiz Silicon Carbon Coating“, eine Rückhand aus „Nomex“ in Kombination mit „Seiz Heat Absorber“, dazu Innenfutter aus „Kevlar“ und eine „Gore-Tex“-Membran. An seinem „Fire Fighter“, dem weltweit ersten textilen Feuerwehrhandschuh, tüftelt der Glemser Handschuhfabrikant Rainer Seiz seit über 20 Jahren.

Auf den Markt brachte er diese Erfindung erstmals 1994. Heute hat er es mit ihr an die Spitze des Weltmarktes geschafft, weil die Handschuhe extremen Temperaturen und Chemikalien trotzen, ohne die Beweglichkeit der Finger einzuschränken. Am Hauptstandort in Glems hat die Firma Seiz seit den 60er Jahren zirka 1000 Modelle für Einsatzkräfte, Beschäftigte in der Industrie und zunehmend auch für den Wintersport entwickelt.

Abschuss der Sommertour von MdB Donth

Michael Donth fielen die Handschuhe bei einem Innovationsförderprogramm in der Landeshauptstadt ins Auge. Am Montag, dem letzten Tag seiner politischen Sommertour durch den Landkreis Reutlingen, stattete er dem Unternehmen nun erstmals einen Besuch ab. Es handelte sich um die vorletzte von insgesamt 32 Stationen. Wie auch bei den vorherigen Unternehmen auf seiner 16-tägigen Tour hat Donth für ein paar Stunden im Betrieb mit angepackt, weil er für seinen Berufsalltag Eindrücke aus möglichst unterschiedlichen Branchen sammeln wolle: „Anders als in der Gastronomie zum Beispiel ist das hier natürlich schwieriger, richtig mitzumachen“, so Donth. „Es fehlt das nötige Know-how.“

10 Millionen Paar jährlich

Damit das Tagwerk trotzdem gelingt, betraute Rainer Seiz den Abgeordneten am Vormittag mit einer einfachen Aufgabe: Container leeren. Während bei Seiz die Muster- und Sonderanfertigungen von einer 40-köpfigen Belegschaft in Glems produziert werden, arbeiten an zwei Standorten in Ungarn und Rumänien insgesamt rund 250 Mitarbeiter. Aufträge mit besonders hoher Stückzahl werden aus Vietnam geliefert.

Mit einer solchen Ladung ist Donth beschäftigt, bevor es auf einen Rundgang durch die Produktionshalle und in das Kommissionslager geht: Ein vollautomatisches Hochregalsystem verstaut dort auf 1100 Quadratmetern etliche Kisten. In Summe produziert das Unternehmen pro Jahr etwa 10 Millionen Paar. Wo genau welches Produkt liegt, weiß allein das System – ganz anders als noch zu Gründungszeiten.

Beginn in einem Bauernhaus

Die Anfänge des Unternehmens liegen zwar ebenfalls in Glems, allerdings hat das Ehepaar Seiz 1961 in einem Bauernhaus mit umgebauter Waschküche begonnen. Wie auch sein Vater erlernte Rainer Seiz den Beruf des Gerbers und stieg in das Familiengeschäft ein. Die Idee zum „Fire Fighter“ kam ihm, weil er als Mitglied der Feuerwehr um die Probleme mit den damals herkömmlichen Lederhandschuhen wusste: Verbrennungen und Schnittwunden, gelegentlich sogar Amputationen waren bei Feuerwehren lange Zeit nicht unüblich: „Meine Handschuhe sind immer eine technische Lösung für ein konkretes Problem“, sagt Seiz. Die Mehrheit seiner Modelle sei entstanden, weil sich Kunden häufig über mehrere Probleme beklagten, die ein einziger Handschuh gleichzeitig bewältigen sollte. Solche Herausforderungen sind für Seiz ein Ansporn, und mittlerweile hat er 30 Erfindungen patentieren lassen. „Das sind zum Beispiel eine bestimmte Schnittform, ein Verschlusssystem oder eine Technologie wie beheizbare Handschuhe“, erklärt Tochter Sina Seiz, die ebenfalls im Unternehmen aktiv ist. „Für ein gutes Produkt ist die richtige Kombination ausschlaggebend, eben je nach Bedarf.“

Vom Prototyp zur Kontrolle

Durchschnittlich vier Wochen braucht es für die Herstellung eines Prototyps. Sobald die großen Chargen aus der Produktion in Glems eintreffen, wird im Labor eine Qualitätskontrolle vorgenommen: Dafür stanzt die Laborantin vier Kreise aus einem Exemplar. Die Prüflinge untersucht sie dann auf Stichfestigkeit, Abrieb, Reiß- und Schnittfestigkeit. Die Qualitätskontrolle übernimmt Donth in der zweiten Hälfte seines Arbeitstages mit großem Engagement. Er stanzt aus, die Laborantin unterstützt mit Know-how.

Das könnte dich auch interessieren:

Stuhlsteige Pfullingen: Neue Verkehrsschilder Baby gegen Raser

Pfullingen

10


Millionen Paar Handschuhe stellt das Glemser Unternehmen jedes Jahr her. Abseits der Sonderanfertigungen wird überwiegend in Ungarn und Rumänien produziert.