Franziska Fora ernährte sich bereits vegetarisch, da war Greta Thunberg noch ein Kind. Seit sechs Jahren verzichtet die 20-Jährige auf Fleisch; etwa genauso lange achtet sie schon darauf, zuhause im Winter regelmäßig die Heizkörper zurückzudrehen: „Ich bin immer ein bisschen dabei, meine Familie zu bekehren“, sagt sie mit einem Lachen. Auch der 19-jährige Nico Schmitt versucht umweltbewusst zu leben. In seiner Familie werde vor allem bei der Ernährung Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Er selbst würde gerne häufiger den Unverpackt-Laden besuchen, wenn er dafür nicht jedes Mal nach Reutlingen fahren müsste.

Generation Greta?

Fora und Schmitt, beide Abiturienten des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, gehören zu dieser erstaunlichen Generation, die eine hervorragende Beziehung zu ihren Eltern pflegt, und sich zugleich gegen deren Gewohnheiten und Ansichten wehrt. Mit ihrem Bedürfnis nach mehr Umweltschutz unterscheiden sich beide kaum von anderen der „Generation Greta“. Was nun aber die Umsetzung ihrer Ideale betrifft, haben sie nun einen unter ihren Altersgenossen unpopulären Weg eingeschlagen: Sie haben während der Kommunalwahlen erfolgreich für die Fraktion der Grünen kandidiert. Schmitt plant ein Architekturstudium zu beginnen, Fora wird Erziehungswissenschaften studieren, und beide sind überzeugt, dass sie das Arbeitspensum bewältigen werden.

Wenig Interesse an Kommunalpolitik

In der Kommunalpolitik waren 2018 nach Angaben des WDR gerade einmal elf Prozent aller Mandatsträger unter 40 Jahre. In Metzingen wurde die junge Bevölkerung während der vergangenen Wahlperiode allein durch Florian Salzer (CDU) vertreten, der bei seiner Erstwahl allerdings schon 29 Lenze zählte. Gemeinsam mit Isabel Aurenz und Isabelle Wohlauf (beide FDP) repräsentieren im neuen Gremium vier von 25 Mitgliedern die knapp 1700 Metzinger zwischen 18 und 25.

Aufgrund der hohen Listenplatzierung, Fora war Nummer drei, sollte der Einzug in das Gremium beinahe keine Überraschung mehr sein. Schmitt hingehen befand sich auf Platz 16 und hatte nicht mit der Vielzahl an Stimmen gerechnet, die ihm vermutlich wahlberechtigte Schüler beschert haben: „Mit dem Jugendgemeinderat ist ein Video entstanden, in dem ich mich vorgestellt habe. Das haben die Schüler am Gymnasium gesehen“, erzählt er.

Junge Leute sind politisch

„Ich glaube nicht, dass wir unpolitisch sind“, sagt Fora und verweist auf zahlreiche Proteste nicht nur für das Klima, sondern etwa gegen die Reform des EU-Urheberrechts im Frühjahr. „Aber die Erwachsenen haben es lange versäumt, aktiv auf uns zuzugehen und Politik anders zu erklären, als das in der Gemeinschaftskunde passiert.“

Politisch, aber nicht sonderlich am politischen Betrieb interessiert. So ging es auch Fora und Schmitt, bis sie von den Grünen angesprochen wurden, weil die Suche nach engagiertem Nachwuchs nun mal bei jeder Kommunalwahl ein Kampf ist. Lang überlegt habe keiner von beiden, weil sie eine Chance erkannten, globale Themen auf kommunaler Ebene umzusetzen.

Klimaneutrale Stadt Metzingen

Auch Metzingen könnte eine klimaneutrale Stadt sein, ist sich Schmitt sicher. Zu seinen konkreten Vorstellungen gehört eine bessere Infrastruktur für Radfahrer und eine Stadt ohne die Autos der Outlet-Kunden. Sie sollten außerhalb parken, und von dort aus etwa Shuttle-Busse nutzen. Fora hofft dagegen im sozialen Bereich etwas zu leisten. Seit ihrem Freiwilligendienst in Brasilien vor etwa einem Jahr ist ihr soziales Ungleichgewicht ein Dorn im Auge. „Und das gibt es in kleinerem Maßstab auch hier.“

Fraktion nimmt Jugend ernst

Eine Kandidatur erschien auch deshalb möglich, weil sie sich trotz ihres Alters von der Fraktion ernst genommen fühlen. So hatten sich die Grünen etwa erkundigt, ob das Mandat eine ernsthafte Option sei, und Fora, die sich sicher war, weit vorne auf die Liste gesetzt. Schmitt wiederum schätzt die Unterstützung bei Fragen: „Die Leute haben ein offenes Ohr, weil sie wissen, dass wir neu sind.“

Genau dieses Wissen um den Altersunterschied ist es dann aber auch, den Fora und Schmitt als Hürde empfinden: Jugendlicher Idealismus versus langjährige Erfahrung – womöglich auch noch als geschliffen formuliertes Argument – wirkt nun mal ungelenk. Mangelnde Erfahrung halten Fora und Schmitt aber nicht zwingend für ein Manko: „Durch die vielen Fragen kommt man alten Gewohnheiten auf die Spur, die vielleicht ohne Grund existieren“, so die junge Frau.

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Politischer Nachwuchs


Die Grünen haben bei der Kommunalwahl im Mai mit mehr als 7 Prozent Zuwachs stark aufgeholt und insgesamt 23,2 Prozent der Wähler erreicht. Franziska Fora erhielt 2 943 Stimmen, Nico Schmitt 2 487.

Für die FDP haben die 19-jährige Abiturientin Isabel Aurenz und die 26-jährige Isabelle Wohlauf, Studentin der Wirtschaftswissensschaften, erfolgreich kandidiert. Ein Beitrag über den Nachwuchs der FDP-Fraktion folgt im kommenden Monat.