Über dem schwungvollen Auftakt des im vergangenen Jahr eröffneten Familienzentrums tauchen erste dunkle Wolken auf.

Am Donnerstag war die pädagogische Leiterin der Einrichtung, Christa Herter-Dank, noch mit Kindern des Sommerferienprogramms im Traumland, einem Freizeitpark bei der Bärenhöhle auf der Schwäbischen Alb.

Es war ein schöner Tag, sonnendurchflutet und voller Freude für die Kinder, von denen viele diesen Ausflug als Höhepunkt ihrer Ferien erlebt haben. Zwei Wochen dauert das Sommerferienprogramm, bei dem die Kinder von 8 bis 16 Uhr durchgehend betreut und beschäftigt werden.

Mittagessen gibt es obendrein. Das pädagogische Konzept hält Kreativangebote bereit, etwa Ausflüge, Sport oder Musik. Die eigenen Kinder zwei Wochen lang in guten Händen zu wissen, kostet deren Eltern 100 Euro, Besitzer der Metzingen-Card bezahlen die Hälfte. „Ein gutes Angebot“, wie Christa Herter-Dank sagt.

Unbekannte Kündigungsgründe

Sie selbst aber kehrt dem Familienzentrum den Rücken. Sie hat gekündigt und möchte über die Gründe nichts sagen. Von ihr ist allenfalls zu erfahren, dass sie den Paradigmenwechsel nicht mittragen möchte, den sie an ihrem Arbeitsplatz festgestellt hat: „Ich habe unter anderen Bedingungen angefangen.“ Liegt es an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen?

Prof. Ulrich Völter ist zumindest irritiert. Er hat zusammen mit seinem Vetter, Prof. Wolfgang Voelter, die Völter-Stiftung ins Leben gerufen, um das einstmals im Familienbesitz befindliche Haus (der ehemalige Pfleghof ist das älteste Gebäude der Stadt) grundlegend zu sanieren und zum Familienzentrum umzubauen. Dazu hat die Stiftung das Haus gekauft und in Erbpacht der Stadt Metzingen für 100 Jahre überlassen.

Zunächst galt es, die Sanierung des Hauses auf finanziell sichere Beine zu stellen. Geld kam dabei von der Völter-Stiftung, von Bund und Land sowie von der Stadt Metzingen. Die Stadt ist inzwischen Betreiberin des aus dem Pfleghof entstandenen Familienzentrums. Sie hat also dort das Sagen. Zu dieser Personalie freilich äußert sie sich nicht. Die Stadt bestätigt zwar, dass „Frau Herter-Dank das Familienzentrum verlässt“, hält sich aber ansonsten bedeckt: „Aus persönlichkeits- und datenschutzrechtlichen Gründen geben wir keine Stellungnahme ab“, hieß es.

Ulrich Völter wollte auf Nachfrage unserer Zeitung auch nicht viel sagen. Verstört über die Hintergründe sei er, sagte er, wobei er die Hintergründe im Dunkeln beließ. „Vielleicht sind es atmosphärische Spannungen?“, mutmaßt er. Christa Herter-Dank jedenfalls bescheinigt er, einen hervorragenden Job gemacht zu haben: „Wir haben ein offenes Haus geschaffen. Offen für Skeptiker und Befürworter gleichermaßen.“ Bürgerschaftliches Engagement, so seine Befürchtung, könne auch „kaputtbürokratisiert werden“.

Christa Herter-Dank begann ihre Arbeit im Familienzentrum am 1. März 2018. Ihr zur Seite stehen ehrenamtliche Helfer, eine fest angestellte hauswirtschaftliche Kraft sowie ein junger Mann, der derzeit seinen Bundesfreiwilligendienst im Familienzentrum absolviert.

Zuvor arbeitete sie bei der Bruderhausdiakonie. Mit dem Familienzentrum kam sie schon in Kontakt, als es noch in Planung war: Sie war bei der Konzeption dabei und dachte sich, sich auf diese Stelle bewerben zu wollen, so sie irgendwann mal ausgeschrieben werde. „Ich habe mich richtig gefreut“, erinnert sie sich an den Tag, als sie die Zusage erhielt. Es war ihr Traumjob.

Jetzt geht sie zum Diakonieverband nach Münsingen. Dort widmet sie sich der Arbeit mit zugewanderten Familien,  einem ganz neuen Projekt, das bei der Diakonischen Bezirksstelle Münsingen im Bereich der Sozial- und Lebensberatung angesiedelt ist.

Susanne Kohler ist Schriftführerin beim Förderverein des Familienzentrums. Sie bedauert den Abschied der pädagogischen Leiterin nach nur gut einem Jahr: „Vieles ist erst noch im Werden, aber leider ist es so. Frau Herter-Dank macht vieles richtig. Was sie vor allem auszeichnet, ist ihre Herzenswärme“, sagt sie. Aber auch, dass der Druck, der auf ihr lastete „nicht in Ordnung war“.

Mindestens eine Frage bleibt: Wie es jetzt weiter geht. „Vor uns liegt ein richtiger Berg“, sagt Susanne Kohler. „Eine weitere Zusammenarbeit mit Frau Herter-Dank hätten wir uns gut vorstellen können.“

Ein langer Brief, den Ulrich Völter an Metzingens OB Dr. Ulrich Fiedler (der derzeit im Urlaub weilt) geschrieben hat, konnte nichts mehr bewirken. Doch Völter ist sich sicher: „Frau Herter-Dank hat ihre Sache ganz hervorragend gemacht.“

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