Die präventive Kritik der Metzinger CDU an einer noch nicht mal spruchreifen Idee, die Schulmensa im Ösch aufzugeben zugunsten eines eventuellen Neubaus in der Nähe der Sieben-Keltern-Schule und einer großzügig eingerichteten Cafeteria im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (wir haben darüber berichtet) stößt auf Unverständnis.

Peter Flämig, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats, hat nach Bekanntwerden des CDU-Vorstoßes mit an der Mensa beteiligten Schlüsselakteuren gesprochen. Mit der Brudehaus-Diakonie als Betreiberin, mit der Stadtverwaltung, mit den Elternvertretungen, mit den Betreuungsteams und freilich mit den Schulleitern: „Wir haben mit ungläubigem Interesse gelesen, was die CDU zum Thema Mensa sagt.“

Nun ist er es, der kritisiert. Und zwar die CDU: „Weil niemand aus dieser Partei mit den Beteiligten gesprochen hat“, sagt Flämig.

Die Mensa im Ösch verrichte ihre Dienste, räumt er durchaus ein. Indessen haben sich die Zeiten geändert, wie er betont. Die Ganztagsschule zeichnete sich seinerzeit allenfalls vage am Horizont als Möglichkeit ab. Bislang herrscht bei den Schülern in der Hinsicht Wahlfreiheit, aber je größer das Interesse daran ist, desto mehr warme Mahlzeiten werden benötigt. Derzeit werden in der Mensa im Ösch täglich 180 bis 250 Essen ausgegeben, wie Flämig recherchiert hat. Sitzplätze aber gibt es nur 160, was die Schulleitungen zu Kompromissen zwingt.

Ausweichen in die Stadthalle

In der Sieben-Kelter-Grundschule wird das Problem so gelöst, dass sich die Klassen eins und zwei den einige hundert Meter langen Weg zur Mensa sparen. Sie bekommen ihr Mittagessen im Foyer der Stadthalle. Die ist nur wenige Schritte von der Schule entfernt, doch der Transport des Essens und das Aufwärmen dort erfordere einen gewissen logistischen Aufwand, so Flämig. Schüler der Klassen drei und vier allerdings machen sich täglich auf in die Mensa und nach dem Essen wieder zurück. Und weil immer wieder von 300 Metern (einfach) die Rede ist, sind jetzt einige Eltern mit Mobiltelefonen die Strecke abgelaufen und haben die GPS-Daten ausgewertet. Demnach wären es exakt 423 Meter. „Kein wirklich gravierender Unterschied“, räumt Peter Flämig ein, aber insgesamt sind es halt doch 250 Meter mehr, die zurückgelegt werden müssen. Pro Strecke benötigen die Kinder etwa 15 Minuten, und in der Tat gibt Flämig der CDU Recht: Die Bewegung an der frischen Luft schadet ihnen nicht.

Dennoch ist es sein Wunsch, diese Zweiteilung zu beenden. Obendrein reichen die 160 Sitzplätze nicht mehr aus, denn auch vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) kommen täglich etwa 30 Schüler. Diese, das hat Schulleiter Matthias Pröhl dieser Tage dem Gemeinderat berichtet, könnten, sobald das Gymnasium saniert und in Teilen umgebaut wurde, ihr Essen durchaus in einer Art Cafeteria einnehmen, die gleichzeitig als Aufenthalts- und Lernort konzipiert wird.

Mensa im Ösch überflüssig?

Die bisherige Mensa im Ösch, so das Fazit des Gesamtelternbeirats, ist eigentlich überflüssig. „Wir wünschen uns eine Cafeteria im Gymnasium und eine neue Mensa in der Nähe der Sieben-Keltern-Schule“, sagt Flämig. Wo die neue Mensa gebaut werden könnte? Vielleicht werde ja das Hallenbad zur Mensa, sinniert er. Sinnvoll wäre seiner Meinung nach ein Vororttermin mit dem Gemeinderat: „Das muss man selbst erleben. Den Weg, die Lautstärke in der vollen Mensa und das Getümmel im Stadthallenfoyer.“ Dass sich die CDU auf ein kategorisches Nein geeinigt hat, findet er schade.

CDU bekräftigt ihre Position

Die CDU indessen bleibt bei dieser Haltung, wie Holger Weiblen, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, sagt. „Wir sind für den neuen NWT-Trakt am Gymnasium.“ Aber dagegen, dies ständig mit einem etwaigen Neubau einer Mensa zu verknüpfen, zumal derlei nicht geplant ist und insofern auch nichts auf der kommunalpolitischen Agenda zu suchen habe.

Die derzeitige Mensa wurde auch aus Mitteln des IZBB-Fonds (Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“) finanziert, weil sie zwei Schulen in Verbindung mit einer Turnhalle bedient. Was, so seine Überlegung, „passiert, wenn wir eine neue Mensa bauen: Müssen wir die IZBB-Mittel dann zurückzahlen?“ Für ihn und die CDU ist es eine Frage der Priorität. „Wir sind den Weg mit den Schülern auch schon mitgelaufen“, sagt er. „Da gehen Kinder mit, die sich ein  eigenes Kinderzimmer wünschen. Denen müsste man dann sagen, in der Stadt gäbe es zu wenig bezahlbaren Wohnraum, dafür bauen wir eine neue Mensa, damit ihr nicht so weit laufen müsst.“ Für Holger Weiblen ist eine neue Mensa kein Nice-to-have, wie man neudeutsch sagt, sondern purer Luxus.

Das könnte dich auch interessieren:

Römerstein