Zainingen / MICHAEL KOCH  Uhr
Das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Zainingen hat seine besten Tage gesehen und platzt zudem aus allen Nähten. Jetzt war Baubeginn zum langersehnten Anbau direkt neben der Hüle.

Zu Zeiten, als sich Pfarrer ihren Lebensunterhalt noch als Landwirte verdienen mussten, da diente auch das Zaininger Gemeindehaus als Pfarrscheuer. Als sich die Arbeitsbedingungen für die Geistlichen geändert hatten und der Wunsch der Zaininger nach einem eigenen Gemeindehaus immer lauter wurde, da wurde in einer aufwändigen Umbauaktion das neue Gemeindezentrum erstellt. Im Dezember 1960 wurde es eingeweiht.

"Seither hat sich hier nicht mehr viel getan", sagt Pfarrer Bernhard Elser. Nicht nur, dass das Gebäude samt Inventar in die Jahre gekommen ist, es ist inzwischen auch viel zu klein. So müssen etwa beim Seniorenmittag rund 100 Personen aus einer Küche versorgt werden, die nicht größer ist als in einem Einfamilienhaus - "ein Ding der Unmöglichkeit", wie Kirchengemeinderätin Ute Wörz erzählt. Die sanitären Einrichtungen sind nicht nur kaum nach Geschlechtern getrennt, sie sind auch weder alten- noch behindertengerecht. Von den energetischen Zuständen des Gebäudes ganz zu schweigen.

Seit mehr als zehn Jahren wird in Zainingen daher über einen Neu-, An- oder Umbau nachgedacht. "Es hat lange gedauert, weil wir uns selbst nicht immer einig waren und weil dementsprechend die Absprache mit dem Oberkirchenrat schwierig war", berichtet Pfarrer Elser. Nachdem nun aber das Konzept für den Umbau vorlag, gab auch der Oberkirchenrat grünes Licht für seinen Zuschuss.

Mit rund 550 000 Euro Kosten rechnet die Zaininger Kirchengemeinde für den Anbau und eine Teilsanierung des Altbaus. 120 000 Euro davon kommen vom Oberkirchenrat, 42 000 Euro vom Kirchenbezirk, 102 000 Euro haben die Zaininger in den vergangenen Jahren schon zweckgebunden gespendet und zudem verfügt die Kirchengemeinde noch über weitere Rücklagen. "Wir sind finanziell nicht schlecht aufgestellt, aber wir sind nach wie vor auf Spenden und Aktionen der Zaininger Bürger angewiesen", so Elser. Durch zahlreiche Eigenleistungen sollen die Kosten weiter reduziert werden, was auch bislang schon gelungen ist.

Im Untergeschoss des Neubaus wird ein neuer Jugendraum entstehen, im Erdgeschoss wird für beide Gebäudeteile ein gemeinsames Foyer gebaut, dem sich die neue Küche und sanitäre Anlagen anschließen. Unterm Dach wird die neue Pelletsheizung ihren Platz finden.

Gleichzeitig wird das alte Gemeindehaus aufgewertet, indem nicht nur Platz entsteht, sondern zum Beispiel aus energetischen Gründen auch einige Fenster ausgetauscht werden. "Dieses Thema wollen wir Stück für Stück angehen."

Während des kurzen Pressegespräches vor Ort wuselt es im Gemeindehaus, ein ständiges Kommen und Gehen - die einen tanzen, die nächsten singen, die dritten musizieren. "Das Haus lebt", freuen sich Pfarrer und sein Kirchengemeinderat, "es sind alle eingeladen, an diesem Leben teilzuhaben."