Böhringen Mehr Bioenergie im Dorf

Christian Class sowie das restliche NER-Team geben am Samstag Auskunft zum Nahwärmenetz.
Christian Class sowie das restliche NER-Team geben am Samstag Auskunft zum Nahwärmenetz. © Foto: Anne Leipold
Böhringen / ANNE LEIPOLD 30.09.2015
Ein Bioenergiedorf soll Böhringen sein, daran arbeitet die Neue Energie Römerstein. Der erste Bauabschnitt des Nahwärmenetzes ist geschafft. Der Zweite soll folgen, doch noch fehlen Anschlussnehmer.

Seit fünf Jahren läuft die Biogas-Anlage auf dem Loserhof. Deren Abwärme ist jahrelang ungenutzt in die Luft geblasen worden. Zumindest bis sich die Bürgergenossenschaft Neue Energie Römerstein (NER) gegründet hat. Sie nutzte die Nähe des Hofes zum Wohngebiet um ein Nahwärmenetz in den Gebieten Über Berg Höhe, Höhe und Hinter Höfen aufzubauen, mit Heizzentrale und Hackschnitzellager.

Seit Dezember 2014 wird die Abwärme genutzt, um inzwischen 130 Gebäude zu versorgen. Die benötigte Übergabestation gibt's von der Genossenschaft, die auch die Anlage wartet. Von einem PC aus kann aus der Ferne die Heizung eingestellt werden, mit der richtigen Software ist das auch den Anschlussnehmern möglich, zum Beispiel um die Heizung auf dem Heimweg vom Urlaubsort anzustellen, wie NER-Vorstandsmitglied Christian Class erklärt. Für das Nahwärmenetz wurden 5,2 Kilometer Rohrleitungen verlegt und 2,5 Millionen Euro investiert. Insgesamt wurden bereits 1,3 Millionen Kilowattstunden eingespeist, davon 1,15 Millionen Kilowattstunden Biogas und 150 000 Kilowattstunden aus Holzhackschnitzeln. In diesem Sommer reichte alleine die Abwärme, um die Haushalte zu versorgen. Der erste Bauabschnitt ist also laut Class und Aufsichtsratsmitglied Dieter Haubensack gut versorgt. "Da haben die Anwohner Weitsicht gezeigt", sagt Class. Soweit die Fakten.

Denn längst befasst sich die Genossenschaft mit dem zweiten Bauabschnitt, der 70 Hausanschlüsse umfassen würde. "Wir sehen es als Chance für den Ort, für ein attraktives Wohnen", sagt Class. Kindergarten, Schule, Kirche, Feuerwehr und Gemeindeverwaltung würden sich gerne anschließen lassen, ebenso einige Anlieger. Die NER würde entlang der Poststraße hin zur Turnhalle und der EnBW-Heizzentrale die Leitungen verlegen mit einer weiteren Hackschnitzelheizzentrale an der Stelle. Weiter gingen die Leitungen durch den Raisenweg in den Ortskern hinein. Die Kosten schätzen sie auf zirka 1,5 Millionen Euro. Zudem gebe es verbesserte Fördermöglichkeiten im Sanierungsgebiet und die Gemeinde sei bereit, diese auch in der restlichen Ortsmitte zu verbessern. Soweit der Plan.

Nur, allein an den Abnehmern fehlt es jetzt noch. 17 Hausanschlüsse oder zehn Hausanschlüsse und ein Großabnehmer fehlen der NER, um die Ortsmitte mit dem Nahwärmenetz zu erschließen. Diese zu gewinnen, daran arbeiten die NER und die Gemeinde, genauer Bürgermeister Matthias Winter. Der ging auch schon von Tür zu Tür im Ort, um Werbung für die Genossenschaft zu machen. Denn die lange Strecke macht dahingehend Schwierigkeiten, dass es eine Abnahme von 500 Kilowatt die Stunde pro Trassenmeter im Jahr braucht. Zudem drängt die Zeit, eine Entscheidung für oder gegen den zweiten Bauabschnitt muss Mitte Oktober gefällt werden.

Deshalb nutzt die NER den Energiewendetag Baden-Württemberg, um sich, die Pläne und die Heizzentrale am Gewerbetag in Römerstein am Samstag, 3. Oktober, von 11 bis 17 Uhr zu präsentieren und einen Ein- und Überblick zum Nahwärmeprojekt zu geben. Dazu können die Heizzentrale und die Biogasanlage des Aussiedlerhofes Loser besichtigt werden. Zudem stehen Vorstand und Aufsichtsrat der NER zu Informationsgesprächen zur Verfügung. An der Heizzentrale wird eigens für den Gewerbetag eine Haltestelle eingerichtet, damit die Besucher bequem mit dem Blautalbbähnle dort hingelangen können.

Bräuoktoberfest und Gewerbetag: Das Programm

Das nunmehr 19. Bräu-Oktoberfest steigt am 3. Oktober in der Hirschbrauerei Schilling, gleichzeitig ist in Böhringen verkaufsoffener Feiertag. Los geht's am Samstag, 3. Oktober, um 11 Uhr mit dem Fassanstich. Es gibt verschiedene Böhringer Biere vom Fass, Limonaden und Drinks an der Sunsetbar. Es spielt der Musikverein Feldstetten, ab 16.30 Uhr lässt der IGF Westerheim seine Schalmeien erklingen. Ihnen folgt der Musikverein Zainingen.

Gegenüber der Brauerei steht ein Bungy-Trampolin. Die Besucher können die Segways der Firma AlbTour ausprobieren. Direkt daneben zeigen die Freunde alter Technik bei einer Oldtimerausstellung ihre Raritäten. In Brauereinähe stellt Elektro Feller Elektrogeräte für Haus und Hof vor.

Traditionell fährt das nostalgische Blautopfbähnle die Gäste während der verkaufsoffenen Zeit von 12 bis 17 Uhr. Da gehört Sport Bauknecht ebenso dazu wie Schuh Beck. Wer will kann bei der Schreinerei Götz und in der Holzwerkstätte Thomas Kurz in die Welt der Küchen und der Gestaltung mit Holz eintauchen. Auf dem Gelände der Firma Kurz findet erstmalig ein Kunsthandwerker- und Wellnessmarkt statt: Da sind zum einen Werke aus Stoff von Rogate Winkler und von der Holz- und Steinmanufaktur Gamper handgefertigte Mosaike auf verschiedenen Objekten und Holzartikel. Geschenke aus regionalen Produkten bietet "Augenschmauß und Gaumenfreude", außerdem kann man sich bei Heilpraktikerin Bettina Friedrich über innovative Methoden zur Schmerztherapie und Naturheilkunde informieren. Letztlich sind auch der Schwäbische Albverein Böhringen vertreten und es gibt Thermomix-Vorführungen.

Es öffnen sich die Türen gleich mehrerer Betriebe: Das Fitness-Studio Alb präsentiert sich mit günstigen Einsteigerangeboten. Vorgestellt wird zudem der Miha-Zirkel. Auch kann hinter die Kulissen der Metzgerei Rieck geschaut sowie die Neue Energie Römerstein (NER) besichtigt werden - ein Blick in die Heizzentrale wie auch die Biogasanlage des Aussiedlerhofes Loser ist möglich. Von 11 bis 17 Uhr stehen die ehrenamtlichen Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder sowie Vertreter der Familie Loser für Gespräche zur Verfügung.

Das Bähnle hält auch bei Albert Haas, wo es Infos rund um Fahrräder, Schneefräsen und andere Arbeitsgeräte gibt. Im selben Haus befindet sich der Laden Strickzeug & Flickzeug - hier können sich Interessenten über Modetrends sachkundig machen. Geöffnet hat auch das Atelier der Malerin Petra Ruchay-Nowak in der Aglishardter Straße 16. Nicht zuletzt organisiert die Kirchengemeinde von 12 bis 15 Uhr einen Spendenlauf zu Gunsten der Sanierung der St. Galluskirche, die Siegerehrung findet auf der Bühne der Brauerei statt.

OE

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