Neuhausen Max Hagmeyer war 45 Jahre im Dienst für die Wengerter

Max Hagmeyer. Foto: Archiv
Max Hagmeyer. Foto: Archiv
Neuhausen / NORBERT LEISTER 28.01.2013
In zwei bis drei Tagen sei Max Hagmeyer wieder raus aus dem Krankenhaus. Entsprechend seinem Wunsch wurde er dennoch bei der Generalversammlung der Weingärtner am Freitagabend verabschiedet.

Gerhard Fritz hatte Max Hagmeyer im Krankenhaus befragt, wie das denn so war, damals, als er zum Geschäftsführer der Metzinger-Neuhäuser Weingärtnergenossenschaft (WG) wurde. 1967 war das. Von der WLZ Reutlingen ist er abgeworben worden, wo er damals 600 Mark verdiente. "Der Max hat gesagt, ich mach das, wenn ihr mir 900 Mark im Monat gebt", berichtete Fritz am Freitagabend. Dabei wurde Hagmeyer aber nicht nur der Geschäftsführer der Weingärtner, sondern gleichzeitig auch der damals noch existierenden Molkerei-Genossenschaft. Die wurde 1978 aufgelöst, die Wengerter wollten Hagmeyer aber nicht gehen lassen. Und Hagmeyer wollte offensichtlich die ihm liebgewordene Arbeit auch nicht aufgeben: Er blieb - fiel mit seinem Lohn aber wieder auf die 600 Mark zurück. Erwähnt werden müsse dazu jedoch, dass der in Riederich lebende Hagmeyer ja nebenher noch einen Baumarkt in Metzingen betrieb. "Als der Max 1967 bei uns eingestiegen ist, war unsere Genossenschaft mit die schlechteste in ganz Württemberg", erinnerte Gerhard Fritz als heutiger WG-Aufsichtsratsvorsitzender. Als Ziel habe Hagmeyer damals ausgegeben, die WG solle die beste im Land werden. Und siehe da - "im vergangenen Geschäftsjahr hat er es geschafft und die beste Auszahlungsleistung an die Wengerter in ganz Württemberg erreicht", betonte Dr. Fritz Meißner.

Hagmeyer sei in so mancherlei Hinsicht außergewöhnlich gewesen, erinnerte sich der Prüfer des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands. "Dass ich bei einem Geschäftsführer zu Hause in seinem Wohnzimmer empfangen wurde, das war schon sehr ungewöhnlich." Auch die Jahresabschlüsse von Hagmeyer wichen von der Norm ab, immer mit Schreibmaschine getippt und äußerst akribisch. "Max Hagmeyer war ein sehr, sehr guter Kaufmann und Verkäufer", betonte Meißner. "Ich kenne keinen vergleichbaren Betrieb, der noch nie Forderungsausfälle hatte."

Die Metzinger WG falle "im Land immer positiv auf". Oft sei der Prüfer andernorts gefragt worden, wie die WG am Hofbühl so gute Auszahlungsleistungen hinbekomme. Das Geheimnis liege in der harten Arbeit aller Wengerter und auch darin, dass "Max Hagmeyer die Vermarktung konsequent vorangetrieben hat." Und überhaupt: "45 Jahre als Geschäftsführer einer Genossenschaft, das ist völlig unglaublich", betonte Meißner.

So dachten auch Gerhard Fritz und all die Wengerter, die am Freitagabend anwesend waren. Zumal dazu eine noch unglaublichere Zahl passt: "In 45 Jahren hat Max 14 Millionen Kilogramm Trauben angenommen", so Gerhard Fritz. Das ergebe in Liter-Flaschen aneinandergereiht eine Strecke von 985 Kilometern - "das reicht von Oberstdorf bis Flensburg". Mit Dreiviertel-Liter-Flaschen wären es noch einige Kilometer mehr.

Max Hagmeyers herausstechende Eigenschaften? "Zielstrebig, wenn notwendig auch lautstark", sagte Gerhard Fritz. Dazu sparsam, aber immer großzügig, wenn es um einmalige lohnende Investitionen ging. "Der Max war immer grundehrlich, aber auch mit kaufmännischer Schlitzohrigkeit ausgestattet." In der Summe "sind wir unendlich dankbar, dass wir so einen Geschäftsführer so lange Zeit hatten". Eigentlich habe Hagmeyer ja vor zwölf Jahren schon aufhören wollen. Eigentlich. "Wir sind dankbar für sein Lebenswerk." Dank sagte Fritz auch Hagmeyers Frau Traudel, die ihren Mann immer unterstützt habe und nun in Stellvertretung all die guten Grüße und Wünsche mitnahm. Froh seien die Wengerter aber auch, in Jörg Waldner einen kompetenten Nachfolger "aus den eigenen Reihen" gefunden zu haben, so Fritz.

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