Schnauze voll“, „Genug verarscht“, „Wir fordern eine intakte Infrastruktur“ – die Transparente der Demonstrationsteilnehmer am Freitagabend sprachen eine eindeutige Sprache. Rund 250 Neuhäuser und Gäste aus den Nachbarorten versammelten sich am Freitagabend vor dem Rathaus, um ihrem Unmut über das stark verringerte Warenangebot beim örtlichen Nahkauf Luft zu machen. Mit über 800 Unterschriften im Gepäck ging es danach zum Supermarkt, wo Kundgebungen der „Aktion Noikauf“ stattfanden.

Forderung nach neuer Marktführung

Wer den Laden betritt, hat tatsächlich den Eindruck einer Geschäftsaufgabe. Viele begrüßten, dass durch die ansässige Filiale von „Becka Beck“ wenigstens die Versorgung mit Backwaren gesichert sei. Doch viel mehr als Obst- und Gemüse sowie Milchprodukte seien beim Nahkauf, einem Geschäft der Rewe-Gruppe unter der Betreiberin Silvia Lemme, nicht mehr zu bekommen. Mit „Nemme Lemme“ und „Wir fordern eine neue Marktführung“ richteten sich einige Plakate auch direkt gegen die Betreiberin.

So wie Annika und Timo Harter äußerten sich viele. „Die  nächsten Supermärkte sind in Metzingen und Dettingen. Doch dorthin können weder Kinder noch Ältere ohne Weiteres  gelangen. Dabei wäre es allein wegen der Ökobilanz wichtig, zu Fuß einkaufen zu können.“ Das Ehepaar Niesner, Kunde aus Metzingen, hat bisher die gute Erreichbarkeit, die Regionalprodukte und den überschaubaren Supermarkt sehr geschätzt. „Wir fragen uns auch, wie es möglich ist, bei immer weniger Umsatz volle Gehälter zu zahlen“, sagte Rudolf Niesner.

Sortiment eine rein privatrechtliche Sache

„Ich finde es gut, dass die Bürger aufstehen und sich zusammenschließen. Die Leute waren lange genug geduldig“, lobte Neuhausens Ortsvorsteher Günter Hau das Engagement der Demonstranten. „Natürlich ist das Sortiment eine rein privatrechtliche Sache, politisch können wir nichts tun. Aber wir können zusammen ein Zeichen setzen.“ Man habe mit Inhaberin Silvia Lemme gesprochen, aber könne die Hintergründe nicht benennen. „Rewe selbst bewertet das geringe Warenangebot als schlecht für den Ruf“, betonte Hau.

„Oberbürgermeister, Ortschaftsräte und Verwaltung stehen hinter der Aktion“, sagte Metzingens Erste Bürgermeisterin Jacqueline Lohde. Das Sortiment lasse schon seit Jahren immer mehr nach. „Aber wir möchten, dass der Standort erhalten bleibt und bemühen uns im Gespräch mit Rewe, dem Hauseigentümer, und Frau Lemme schon lange um eine Lösung.“ Den Grund für das heruntergefahrene Sortiment kenne man nicht. „Doch mit den rund 5000 Einwohnern müsste der Standort eigentlich funktionieren.“

Den Privatparkplatz frei halten

Vom Rathaus aus ging es mit einem Hupkonzert und Songs wie „Alle gehen Rewe“ durch die von der Polizei abgesperrte Hauptstraße zu Nahkauf. In einer Schubkarre wurden Getränke, Toilettenpapier und Tempotaschentücher mitgeführt, um zu zeigen, was man im Supermarkt nicht mehr bekommen könne. Bei Nahkauf angekommen, wurden die Demonstranten aufgefordert, auf dem Grünstreifen und dem Gehweg zu bleiben und die private Parkplatzfläche nicht zu betreten.

Akteur Marco Reinhardt aus Glems, der die Aktion zusammen mit Moni Frischknecht, Elke Preusch und Kerstin Engel in die Hand genommen hatte, dankte für die große Resonanz. „Wir möchten eine Plattform für den Unmut bieten. Wir sind die Bürger und möchten, dass der Laden normal läuft. Wir sind keine Rabauken und möchten nichts Schlimmes.“ Nahezu jeder Satz wurde mit Beifall beantwortet. Man wisse einfach nicht mehr, was man tun solle, Gespräche hätten nicht funktioniert. Große Zustimmung gab es auch beim Lob für die immer freundlichen Nahkauf-Mitarbeiter.

Altenpflegerin Elke Preusch betonte den Wert der sozialen Kontakte für Senioren beim Einkauf vor Ort. Das Haus Matizzo biete dreimal wöchentlich ehrenamtliche Fahrdienste nach Metzingen an. „Im Nachbarort kauft die ganze Welt ein, und wir stehen hier vor leeren Regalen“, sagte Kerstin Engel. Silvia Lemme war nicht vor Ort.

Das könnte dich auch interessieren:

White Dinner in Metzingen Grandioser Erfolg ganz in Weiß

Metzingen