Lonsingen Lonsinger Geschichten auf Diapositiv

Zwanzig Banner mit Fotografien und Zeitungsartikeln sind entstanden.
Zwanzig Banner mit Fotografien und Zeitungsartikeln sind entstanden. © Foto: Kirsten Oechsner
Lonsingen / Kirsten Oechsner 31.08.2018

Bei Fotos handelt es sich zwar nur um Momentaufnahmen, dennoch vermögen sie Geschichten zu erzählen: Vom kargen Leben auf der rauen Alb beispielsweise. Oder von den kleinen Freuden des Alltags der vier Senioren beim Päuschen auf der Bank. Oder etwa von den Höhepunkten des Dorflebens, den Festzügen durch den Ort.

Rund 300 Bilder aus längst vergangener Zeit und auch einige aus der nicht allzu fernen Vergangenheit haben Wilfried und Elsbeth Maschke gemeinsam mit Susanne Wahl-Eder gesammelt, gesichtet und zu einer Jubiläums-Ausstellung zum 750-jährigen Bestehen Lonsingens zusammengefasst. Aus den Exponaten haben sie ein Buch gestaltet.

 Am Anfang stand der Gedanke, das Ortsjubiläum mit einer besonderen Aktion zu begleiten. Daraus kristallisierte sich die Idee heraus, eine Ausstellung mit Fotos aus Privatbesitz zu gestalten. „Eigentlich waren wir schon fast zu spät dran“, blickt Wilfried Maschke auf den Beginn des Jahres 2018 zurück, als im Februar ein erster Aufruf gestartet wurde, Bilder zur Verfügung zu stellen. Die Resonanz zwar zunächst gering, erst ein weiterer Appell schien das Interesse der Lonsinger geweckt zu haben: „Uns wurden stoßweise Bilder gebracht, 95 Prozent aber ohne Beschriftung“, erinnert sich Elsbeth Maschke.

Aus der unerwarteten Fülle an Fotografien fällten die Maschkes eine Auswahl. Diese Aufnahmen wurden abfotografiert und gespeichert. Dann, so Wilfried Maschke begann die eigentliche zeitintensive Recherchearbeit. Namen, Daten und die Geschichten hinter den Bildern wollte das Ehepaar herausfinden. Eine ergiebige Informationsquelle waren eine Handvoll betagter Lonsinger im Alter von rund 90 Jahren, wobei eine Frau jedoch während der Recherche verstarb.

Ansonsten hieß es im wahrsten Sinne des Wortes, Klinken zu putzen: „Drei Monate lang sind wir mit den Fotos in der Hand zu den Leuten gegangen“, berichtet Elsbeth Maschke.  „Da wussten wir jeden Mittag, was wir machen“, bemerkt ihr Ehemann lachend. Eine spannende und aufregende Zeit für den „Neigschmeckten“, die namenlosen Fotos wurden mit Identitäten und Geschichten gefüllt: „Ich bekam dadurch noch eine andere Verbindung zu Lonsingen und ein neues Verständnis für die Geschichte des Ortes“, erklärt Wilfried Maschke.

Nicht alles wird aufgezeichnet

Auch seine Frau, die in Lonsingen tief verwurzelt ist, empfand die Gespräche als große Bereicherung: „Es war toll, so tief in die Geschichte einzutauchen.“ Bei den Gesprächen selbst seien einige Lonsinger regelrecht aufgetaut und aus sich herausgegangen: „Wir haben die Geschichten aber nicht aufgezeichnet“, erklärt Elsbeth Maschke. „Sie waren doch sehr privat und so manches Schicksal auch sehr bewegend.“

Noch mehr Geschichten, Namen, Begebenheiten und Daten werden wohl während der Ausstellung aufkommen: „Ich bin mir sicher, dass wir danach noch schlauer sind als jetzt“, bemerkt Susanne Wahl-Eder. Die Grafikerin hat sich vor allem auf die Gestaltung des Buches und der Ausstellung konzentriert.

Da die Originalfotos zum Teil viel zu klein sind, hat sie zwanzig thematische Banner gestaltet und die Bilder mit grafischen Elementen wie Zeitungsartikel ergänzt: „Eine chronologische Ordnung war nicht drin“, so die Fachfrau. Das älteste datierte Foto, darauf ist eine Schulklasse zu sehen, stammt aus dem Jahr 1909, zahlreiche Aufnahmen sind jedoch deutlich älter.

Wilfried Maschke jedenfalls ist erstaunt, dass so viele Aufnahmen aus Zeiten existieren, in denen nur wenige Privatleute einen Fotoapparat besessen haben. Bereits in den 80er-Jahren hatte der ehemalige Rektor der Lonsinger Schule die Erinnerungen von drei betagten Dorfbewohnern aufgezeichnet, die insgesamt fünfstündigen Tonbandaufzeichnungen wurden digitalisiert und werden auf der Ausstellung im Hintergrund zu hören sein. Wer in die Geschichte des kleinen Albdorfes eintauchen möchte, muss viel Zeit mitbringen.

Lonsinger Ansichten im Kinderhaus

Die Ausstellung wird am Sonntag, 2. September, um 18 Uhr in der Sporthalle des Kinderhauses eröffnet. Weitere Öffnungszeiten sind am Dienstag, 4. September, und Donnerstag, 6. September, jeweils von 18 bis 20 Uhr sowie im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten am Sonntag, 9. September. An diesem Tag wird das dazugehörige Buch verkauft.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel