Der Kulturverein „z.B. Glems“ bleibt der bayerischen Dialektgruppe treu. Nach Konstantin Wecker (2018) und Wolfgang Ambros (2019) bringt der Verein, dessen Wirken sich in der Regel auf den „Hirsch“ in Glems beschränkt, eine Ikone des bayrischen Wortwitzes nach Metzingen in die Stadthalle. Lisa Fitz tritt am 18. März um 20 Uhr auf.

Hildebrandt und Insterburg

Lisa Fitz ist Kabarettistin der alten Schule. Politisch, gerade heraus, unbequem und trotz allem lustig und unterhaltsam. „Kein Mario-Barth-Slapstick“, wie Walter Dieterle betont. Sie erinnert ihn vielmehr an alte Tage.

Vor weit mehr als 40 Jahren, zu einer Zeit, als es noch Schobert und Black und Ulrich Roski gab, da also zog es ihn mit einigen Kumpels nach Berlin, wo der Bluesgitarrist Roger Sutcliff spielte. Beim Nachtrunk in einer Kneipe saßen fünf Herren an der Theke und redeten sich, ständig lachend, allmählich in Rage, sehr zur Freude von Walter Dieterle, der sich an Details nicht mehr erinnern kann, nur noch weiß, dass sie sich gegenseitig im Wortwitz überbieten wollten.

Die Männer jedenfalls waren Peter Ehlebracht, Jürgen Barz, Karl Dall und Ingo Insterburg, die damals unter „Insterburg und Co.“ firmierten, sowie ein eher ruhigerer Herr, der mit dem Rücken hin zu Walter Dieterle saß und sich alsbald als Dieter Hildebrandt herausstellen sollte, als er sich erhob und in einem bodenlangen Nerzmantel dem Ausgang zustrebte. „Armer Kommunismus“, dachte sich Dieterle, „wenn jetzt schon Systemkritiker teuren Pelz tragen.“

Wecker war nie Kommunist

Die Sache mit dem Kommunismus hat Dieterle nie ganz losgelassen. Als er vor zwei Jahren beispielsweise Konstantin Wecker nach Metzingen holte, hat er den Künstler freiheraus gefragt, wie man sich als Kommunist so fühle, wenn man 45 Euro Eintritt verlangt. Wecker konterte, er sei nie Kommunist gewesen, immer nur ein Linker.

Immerhin sind 45 Euro umgerechnet 90 Mark. Dieterle kann sich noch an die Zeiten erinnern, da „Bands von Scorpions abwärts“ in der Uracher Festhalle spielten und nicht mehr als zwölf Mark Eintritt verlangten: „Ich war 30 Jahre lang jedes Wochenende auf einem Konzert“, erinnert er sich, freilich nicht nur in Urach. Heute ist das eine Frage des Geldes, denn „jeder Kasper verlangt 180 Euro“, Übertreibungen inbegriffen.

Lisa Fitz ist günstiger. 27 Euro kostet der Abend, den eine Künsterin der alten Kabarettisten-Schule bestreitet. Und sie ist kein Kasper, allenfalls ein „Kasperl“. So einer zu werden, sei ihr schon als Kind klar gewesen, hat sie dem Bayerischen Rundfunk in München verraten, „die Gretel war mir immer zu langweilig“. Prüde war Lisa Fitz nie, und um ihre Meinung auch nicht verlegen.

Linkes Kabarett

Sie greift die politischen Extreme gleichermaßen an und verteidigt den gesunden Menschenverstand. Bayerisch halt, derb wie ein Kellner im Augustiner-Biergarten, wenn man beim Bestellen einen Moment zu lange überlegt, aber charmanter in der Erscheinung. Na ja, sagt Dieterle, „linkes Kabarett, das auf die AfD losgeht, ist ja irgendwann auch ausgelutscht“, insofern freut er sich auf Lisa Fitz.

Kürzlich war er mal wieder in Berlin zur Verleihung einer besonderen Auszeichnung Der „Hirsch“ erhielt den Applaus-Preis (wir haben darüber berichtet). Der ist mit 7500 Euro dotiert. Eine Menge Geld für den Verein. Jetzt fragen ihn die Leute, was er mit dem Preisgeld macht. Seine Antwort: „Die Kleinen unterstützen.“ Die, die es verdient hätten, eine Halle zu füllen, aber doch nur vor 30 Leuten spielen, weil sich der Geschmack der Masse nicht immer mit dem verträgt, was Kunst ausmacht. Was macht denn eigentlich Kunst aus? Das muss man sich schon selbst fragen. Lisa Fitz gehört aber vermutlich zu denen, die eine Antwort darauf ermöglichen.

Lisa Fitz in der Stadthalle


Die bayerische Kabarettistin Lisa Fitz tritt am 18. März, 20 Uhr, in der Metzinger Stadthalle auf. Karten gibt es im Vorverkauf beim Verein „z.B. Glems“, Telefon (0 71 23) 95 91 32, E-Mail: info@zbglems.de oder direkt im „Hirsch“ in Glems.