Werner Eisinger ist eines der leuchtenden Vorbilder in Sachen Ehrenamt in der Sieben-Keltern-Stadt. Am vergangenen Samstagvormittag ist er nun von seinen Mitstreiterinnen bei „Mobile – Metzinger Bürger-Engagement“ verabschiedet worden.

„Das ist ja kein offizieller Abschied von der Stadt“, erläuterte Marie-Luise Koch am Rande der kleinen Feierstunde mit Sekt und Weißwurstfrühstück. Ein paar ehrende und lobende Worte gab es dennoch im kleinen Kreis der langjährigen Mitstreiterinnen: Christa Stoll erinnerte etwa mit einem selbst-verfassten Gedicht an Eisingers Lebensweg: Bei Wepuko habe der heute 77-Jährige eine Ausbildung zum Mechaniker absolviert, ging danach als Maschinist zwei Jahre zur See bei Hapag-Lloyd. Weil seine Mutter erkrankte, kam der junge Werner Eisinger zurück und arbeitete fortan im Schichtdienst im Glemser Pumpspeicherwerk. Und das tat er 38 Jahre lang.

Weil er seinen eigenen Worten bei seiner Arbeit im Untergrund des Speicherwerks mit ganz wenigen Menschen in Kontakt kam, „wollte ich mich in meiner Freizeit unter das Volk mischen“, sagte Eisinger am Samstag im Klosterhof 13 schmunzelnd. Und das tat der junge Mann dann auch: Er trat in die SPD ein, führte sie viele Jahren lang an, engagierte sich im Metzinger Gemeinderat, war beim Arbeitskreis Klima und Energie tätig und engagierte sich noch viel mehr.

Als nämlich auf eine Idee von Bürgermeister Michael Lucke hin Freiwillige gesucht wurden, die eine Art Ehrenamtsbörse einrichten wollten, war Werner Eisinger schnell zur Stelle – und gründete zusammen mit anderen „Mobile“. „Annähernd 15 Jahre verbinden uns“, erinnerte Peter Nißle vom städtischen Sozialamt. „Was sich aus ‚Mobile‘ alles entwickelt hat, war anfangs ja gar nicht abzusehen“, so Nißle.

Diverse Sprachgruppen, E-Bikefahrer, Wander- und Spaziergruppen, eine Männergruppe und noch viel mehr sei innerhalb dieser 1,5 Dekaden entstanden.„Es hat sich herausgestellt, dass in Metzingen ein großer Bedarf besteht.“ Die Initiative „Mobile“ sei dabei laut Eisinger „Geburtshelfer“ gewesen, laufen mussten die Gruppen dann aber selbst“.

Die Stadtverwaltung habe zusammen mit Schirmherr OB Dr. Ulrich Fiedler „ab und zu mal Händchen gehalten, aber ‚Mobile‘ ist längst kein Kind mehr“, betonte Peter Nißle. Werner Eisinger habe bei all seinem Engagement „immer Begeisterung ausgestrahlt“. Seinen eigenen Worten nach habe der 77-Jährige „stets Spaß daran gehabt“. Und: „Alleine kann man zwar viele Ideen haben, aber ohne Mitstreiter geht gar nichts.“

Ein Schlaganfall habe ihn im vergangenen Jahr heimgesucht, „seitdem kann ich nicht mehr gut gehen“. Aber Ideen hat er weiterhin: „Warum nicht eine neue Gruppe gründen, ‚Spazierengehen mit und ohne Stock‘“, das wäre ganz im Sinne des ehrenamtlich so stark Engagierten. Dann würde noch eine weitere Gruppe zu den 17 bislang entstandenen hinzukommen. Eisinger bewies damit eindrücklich, was Peter Nißle ebenfalls erwähnt hatte: „So ganz weg sind Sie ja nicht.“ Und der Angesprochene betonte selbst, dass er sich auch – im Rahmen seiner Möglichkeiten – weiter einbringen wolle. Aber eben nicht in dem gewohnten Ausmaß, denn: „Es knirscht so langsam im Getriebe“, sagte der feierlich Geehrte und Verabschiedete. „Es war ja die Grundidee von ,Mobile‘, anderen zu helfen, die Hilfe benötigen“, sagte Eisinger. Anders ausgedrückt: Wie könnte man aktive Senioren dazu bewegen, sich und andere fit zu halten, hatte Christa Stoll in Reimform gefragt. „Viel Zeit und viel Energie hat unser Werner in die Arbeit gesteckt“, resümierte Irena Schnack obendrein am Samstagvormittag. „Jetzt sind Jüngere dran“, sagte Eisinger selbst und freute sich, dass die Gruppe sich über all die Jahre erhalten und auch erneuert hatte. „Jetzt komm ich langsam in die Situation, dass ich die Hilfe benötige, die wir über Jahre hinweg anderen vermittelt haben.“ Als Geschenk hatte Werner Eisinger unter anderen ein kleines Bäumchen erhalten: „Du hast selbst immer gesagt, dass ‚Mobile‘ ein kleines Pflänzchen, ein Bäumchen sei, das man hegen und pflegen müsse“, erläuterte Irena Schnack.