Anne Frank, im Frankfurter Geburtsregister als Annelies Marie eingetragen, hätte am 12. Juni ihren 88. Geburtstag feiern können.  Vor 75 Jahren erhielt sie ein besonderes Geschenk – ein rotkariert eingebundenes  Tagebuch: „Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können“, lautete der erste Eintrag.

Am Montag, 12. Juni, um 15 Uhr, findet eine Geburtstags-Lesung statt, in Metzingen, auf dem Kelternplatz an der Ochsenkelter. Dort hing im Februar 1937 in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein Transparent, angebracht auf Initiative des damaligen Bürgermeister Ernst Neuhaus: „Wer mit dem Juden handelt, ist ein Volksverräter!“

Am Montag wird dort ein von privater Seite gestiftetes Banner hängen: „Anne Frank wäre 88 Jahre“. Erstmals gibt es einen bundesweiten Anne-Frank-Tag, angeregt vom Berliner Anne-Frank-Zentrum. Vorgetragen werden im Rahmen der Gedenkstunde Auszüge aus Anne Franks Tagebuch, das in zahlreichen Übersetzungen weltweit publiziert wurde. Einige der von Anne Frank im Amsterdamer Versteck gelesenen Bücher werden ebenfalls vorgestellt. Anne Frank ist von den Nazis im Frühjahr 1945 im KZ Bergen-Belsen umgebracht worden. Sie wurde nur 15 Jahre alt.

Theaterstück der Landesbühne

Als vor Jahren die Landesbühne Schwaben das Angebot machte, die Theateraufführung des Tagebuchs der Anne Frank ins Ermstal zu bringen, zeigten hiesige Schulen kein Interesse. Ab Ende Juni 2017 ist nun eine neue Theaterversion im Programm der Esslinger Landesbühne. Der Anne-Frank-Tag bietet die Gelegenheit, sich solchen Fragen zu stellen: Wie wichtig ist es, gerade heute an Anne Frank zu erinnern? Was können wir tun, damit kein Mensch ausgeschlossen oder verfolgt wird? Der Erinnerungstag soll ein Anstoß sein, darüber nachzudenken, wie die Opfer der Nazi-Barbarei vor Ort geehrt werden können, zum Beispiel in Metzingen in Form einer Gedenktafel oder in Form von Stolpersteinen für das vor 75 Jahren ermordete jüdische Ehepaar Adolf und Jenny Herold.