Kappishäusern Lernen, um zu leben

Kappishäusern / ANNE LEIPOLD 16.12.2015
Wer schreiben, rechnen und lesen kann, der hat eine Perspektive, eine Zukunft. Kindern in Eldoret und Nairobis Armenviertel Githurai ermöglicht dies der CVJM Kappishäusern mit seinem Kenia-Projekt.

Die Schule in Eldoret ist ein provisorischer Bau. Werner Held zögert, überlegt, doch ihm fällt keine andere Beschreibung als „Verschlag“ ein. Das lange, rechteckige Gebäude ist in etwa zehn Kammern unterteilt. Acht Schulklassen haben hier Platz. Als Trennwände dienen Wellbleche. Die Kinder sitzen dicht gedrängt zu dritt auf einer Schulbank, lehnen an auf den schmalen Tischen, wie das Bild zeigt, das Werner Held, vom CVJM Kappishäusern, zum Gespräch mitgebracht hat. Er war zwar noch nicht in Kenia, hat sich das für 2017 aber fest vorgenommen, nicht nur um sich die Projekte anzuschauen, sondern auch um die inzwischen gewonnenen Freunde zu besuchen.

Regelmäßig fahren Mitglieder des CVJM Kappishäusern nach Eldoret und in Nairobis Armenviertel Ghiturai, besuchen die beiden Primary Schools (Elementarschulen) und Pfarrer Geoffrey Mongare, der die Schulen betreibt und das Kenia-Projekt mit dem CVJM initiiert hat. Vor Ort sehen sie, was konkret angepackt werden kann und muss. Zum Beispiel, dass die Tafel dringend einen neuen Anstrich mit Tafellack braucht. Oder Trennwände zwischen die einzelnen Klassen gestellt werden müssen, damit die Kinder mehr Ruhe während des Unterrichts haben und aufmerksamer sind. Oder, dass der Fußboden erneuert werden muss. Dass eine Wasserleitung nötig ist, damit nicht das schmutzige Wasser aus einem Wasserloch getrunken und zum Kochen verwendet wird. Der Köchin wurde ein Dach über die Kochstelle gebaut, damit sie nicht mehr direkt der sengenden Sonne ausgesetzt ist, während sie in Eldoret das tägliche Mittagessen zubereitet.

Viele dieser Dinge, die auch dazu beitragen, dass die Kinder dort eine gute Schulbildung erhalten, hat der CVJM schon umgesetzt. Seit 2014 ist es ihm auch möglich, die beiden Schulen monatlich mit 1000 Euro zu unterstützen. Davon werden die Lehrer bezahlt, und die Schulkinder in Githurai erhalten einmal in der Woche ein warmes Mittagessen. Viel lieber aber würde Held den Kindern dort eine tägliche warme Mahlzeit bieten können. „Bei 100 Kindern würden zwischen 30 und 50 Euro reichen, um ihnen eine Woche lang ein Essen zu geben.“ Nicht alle Kinder bringen Essen für die Mittagspause mit.

In Githurai werden die Kinder in der Kirche unterrichtet und in einem provisorischen Anbau mit zwei Zimmern. Der wiederum wurde jetzt abgerissen, mit einer soliden Konstruktion erneuert. Darauf sollen zwei weitere Zimmer gebaut werden. Denn ab dem kommenden Jahr wird es eine sechste Klasse geben, bis 2018 sollen es acht Klassen, die Primary School also, komplett sein. Da erzählt Werner Held von einem weiteren Traum: Neben der Kirche ist ein unbebautes Grundstück – das zu erwerben, ein richtiges Schulgebäude draufzusetzen und noch Platz für die Kinder zum Spielen zu haben. Das Grundstück kostet derzeit 12.000 Euro. Doch der Inflation wegen steigen die Preise stetig. „Darum wäre es wichtig, den Platz schnell bezahlen zu können.“ Auch in Eldoret wäre ein solides Gebäude notwendig. Doch das liegt in weiter Ferne. Hierfür müssten gut 30.000 Euro investiert werden. Zunächst geht Held das Projekt Schulmöbel für Githurai an. Die Kenia-Hilfe Schwäbische Alb mit Sitz in Münsingen hat unweit von Nairobi eine Ausbildungsstätte, unter anderem für Schreiner. Dort hat er nun ein Angebot für 60 Schulbänke eingeholt.

Auch das ist ein Projektwunsch: eine Ausbildungsstätte, etwa für Schneider, Friseure und Landwirte. Momentan ist er mit einem Konstrukteur im Gespräch, der Prototypen im Test hat, um Ziegelsteine herzustellen. Auf die Idee brachte Held ein Bericht aus Kenia über eine Frau, die selbstghergestellte Ziegel als Baumaterial verkauft. „Wir haben manche Ideen, die interessante Frage ist, wird es tatsächlich gebraucht“, räumt Held ein. Aber: „Durch solche Hilfen, wenn sie glücken, tragen wir doch dazu bei, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben können“, sagt Held im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage. „Die Kinder sind die Zukunft.“ Bildung sei die Basis für die Kinder, um später ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, eine Familie zu gründen und sie zu ernähren, „um eine Perspektive für sich haben zu können und für ihr Land.“

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