Metzingen / Regine Lotterer  Uhr

Aus verschiedenen Ecken der Stadt, sagt Dr. Ulrich Fiedler, haben ihn schon reichlich kritische Stimmen zum Thema Lärm erreicht. Besonders die Metzinger, die an viel befahrenen Straßen wohnen, fühlen sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, weil sie tagtäglich dem Krach vorbeirauschender Autos und Lastwagen ausgesetzt sind. Wiewohl die Stadt bereits einiges getan habe, um des Problems Herr zu werden, betont Oberbürgermeister Fiedler. Dennoch müsse Metzingen an der einen oder anderen Stelle etwas verändern mit dem Ziel „die Bevölkerung zu schützen“.

Ein Instrument auf dem Weg dorthin ist der Lärmaktionsplan, dessen Entwurf im Gemeinderat am Donnerstag vorgestellt wurde. Erstellt hat ihn das Stuttgarter Ingenieurbüro für Umweltakustik Heine und Jud. Der Entwurf zeigt besonders lärmbelastete Gebiete in Metzingen auf, wobei der Pegel nur an Straßen ermittelt wird, an denen 8200 Fahrzeuge am Tag vorbeifahren. Damit Bahnstrecken aufgenommen werden, müssen binnen 24 Stunden mehr als 82 Züge fahren. Diese Parameter voraussetzend liegt ein besonders belastetes Gebiet südlich und nördlich der ­Beethovenstraße. Hier führt die B 313 in Richtung Grafenberg vorbei. Diese viel befahrene Straße plagt auch die Anwohner im Neugreuth. Unter einem hohen Lärmpegel leiden zudem die Bürger, deren Wohnungen rund um die Stuttgarter und Wilhelmstraße liegen. Auch an der Bahnlinie Stuttgart-Tübingen sind Häuser betroffen. In den genannten Bereichen liegen die Schallwerte im 24-Stunden-Mittel tagsüber höher als 65 Dezibel, nachts höher als 55. Zum Vergleich: Ein Kühlschrank brummt mit etwa 30 Dezibel, eine Unterhaltung in Zimmerlautstärke wird mit etwa 50 Dezibel geführt.

Um die berechneten Pegel zu reduzieren, stehen einige Möglichkeiten zur Auswahl. Denkbar wäre Asphalt einzubauen, der den Lärm mindert. Gleichzeitig könnte der öffentliche Personennahverkehr ausgebaut sowie ein Verkehrs- und Parkleitsystem entwickelt werden. Ebenso gibt es die Option, im Metzinger Zentrum eine Tempo-30-Zone auszuweisen. Noch ist diesbezüglich freilich nichts entschieden, denn die Stadt möchte zunächst in den  Dialog mit den Bürgern eintreten. Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung sollen die Metzinger ihre Anregungen vorbringen, danach wird der Lärmaktionsplan ausgelegt. Dieses Vorgehen segneten die Stadträte einmütig ab.

Für die FWV-Fraktion wertete Peter Rogosch den Lärmaktionsplan als „hervorragendes Instrument für bürgerschaftliches Engagement“. Zudem sieht er darin einen „nachhaltigen Auftrag an den Gemeinderat“. Wichtig sei indessen, so Rogosch, keine falschen Erwartungen in der Bevölkerung zu wecken. Schließlich kann Metzingen kaum etwas in eigener Regie umsetzen, sondern benötigt dazu das Okay anderer Stellen, etwa des Regierungspräsidiums oder des Eisenbahnbundesamtes.

Elke Haubold-Schüle (Grüne) betonte, sie sei zwar froh, dass der Planentwurf nun vorliege, beim Lesen sei sie jedoch ernüchtert worden. „Wir brauchen eigentlich etwas, das sich schnell umsetzen lässt.“ Zudem würde sie gerne weitere Straßen in den Plan aufnehmen, etwa den Lindenplatz sowie Teile der Reutlinger und Ulmer Straße. Das, sagt Christian Reutter vom beauftragten Fachbüro, sei zwar prinzipiell möglich und für die Zukunft sogar empfehlenswert. Kurzfristig ließen sich aber keine weiteren Straßen eintragen, weil dafür zunächst fundierte Daten benötigt würden.

Radwege ausbauen

Vom Lärmaktionsplan wenig begeistert zeigte sich Bernhard Mohr (FDP), der von einem bürokratisch-technischen Monster sprach. Die Stadt, so Mohr, müsse zwar die finanziellen Lasten tragen, dürfe aber nicht alleine entscheiden. Wie Elke Haubold-Schüle denkt auch er daran, das Tempo auf bestimmten Straßen zu reduzieren, gibt aber zu bedenken, dass die Bürgerschaft recht kritisch auf solche Vorhaben reagiere. Mohr möchte zudem den öffentlichen Nahverkehr fördern und die Radwege in der Stadt ausbauen: „Das ist eine Möglichkeit, den KfZ-Verkehr zu reduzieren.“

Dominik Ohly (CDU) wollte von Fachmann Reutter wissen, ob der Einbau von Flüsterasphalt tatsächlich eine Entlastung für die Anwohner bringe. Die Antwort von Christian Reutter fiel eindeutig aus: Ja, das lohne sich.