Adidas ist vorgeprescht mit einer Aussage, die auf wenig Verständnis gestoßen ist: Der Konzern kündigte an, Mietzahlungen für seine Filialen aussetzen zu wollen. Davon ist auch die Outletcity betroffen, mittelbar auch deren Betreiberin, die Holy AG. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Bauer würde sich dieser Tage vieles wünschen, aber nicht solche Nebenkriegsschauplätze: „Wir werden eine partnerschaftliche Lösung finden“, gibt er sich diplomatisch.

Adidas: Aussetzung des Kündigungsrechtes

Große Sorgen bereitet ihm die Ankündigung des Sportartikelherstellers noch nicht, denn die Politik hat diesbezüglich die Claims klar abgesteckt: „Es geht nur um die Aussetzung des Kündigungsrechtes“, sagt Bauer. Dass Adidas früher oder später bezahlen muss und wird, steht für ihn fest. Dasselbe gelte für „eine ganze Reihe von anderen Marken, die in unterschiedlicher Intonation“ dasselbe sagen wie Adidas.

Reutlingen

Kurzarbeit beantragt

Fakt ist, die leere Outletcity ist für die Holy AG derzeit ein Kostenfaktor, weswegen der Konzern das tut, was viele der dort vertretenen Marken schon eingeläutet haben: Die Outletcity hat für Teile des Unternehmens für Anfang April Kurzarbeit beantragt. Betroffen sind Mitarbeiter, die mit dem stationären Geschäft, dem Kundenservice und der Gastronomie zu tun haben. Das Online- und Digitalgeschäft indes läuft normal weiter, die dort eingesetzten Mitarbeiter sind nicht in Kurzarbeit. Die überwiegende Mehrzahl der Mitarbeiter arbeitet von zu Hause aus. Wer nicht im Home Office ist, wird in Gruppen eingeteilt, damit im Falle eines Coronafalls nicht die gesamte Belegschaft von einer Quarantäne betroffen wäre: „Wir wollen unsere Mitarbeiter schützen und das Infektionsrisiko so gering wie möglich halten“, sagt Bauer.

Metzingen

Dinge sind im Wandel

Die Kurzarbeit vorzubereiten und intern zu verarbeiten, ist anstrengend genug. Schlimmer ist die Ungewissheit nicht zu wissen, wie lange die Krise andauert: „Es ist eine heftige Zeit“, klagt Vorstandsvorsitzender Wolfgang Bauer.

Die Dinge sind im Wandel. Wird es jemals wieder, wie es war? Wolfgang Bauer glaubt das nicht, macht es aber abhängig von der Dauer der Krise. Stehen persönliche Freiheiten und individuelle Lebensstile auf dem Spiel?

Diese eine Prognose wagt Bauer: Der Versorgungseinkauf wird sich mehr in Richtung Internet verlagern. Auch für die Outletcity wird es kaum möglich sein, irgendwann den Schalter wieder umzulegen. Wann und auf welche Art der Shoppingtourismus wieder anzieht, ist nicht abzusehen. Die Frage, die sich Wolfgang Bauer stellt, spiegelt den Grad der Verunsicherung dieser Gesellschaft wider: „Ist die Krise überhaupt irgendwann final beendet?“

Nichts wird verkauft

Die Lager der in der Outletcity vertretenen Marken sind rappelvoll. Es fließt ja nichts ab, weil nichts verkauft wird. „Mode ist auch im Online-Handel momentan wenig begehrt.“ Es sind andere Sorgen, die die Menschen umtreiben. Angehörige in Alten- und Pflegeheimen dürfen nicht besucht werden, es gibt Kontaktsperren, Kurzarbeit, weiterhin zu bedienende Fixkosten, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, da muss es momentan nicht die neueste Handtasche sein. Doch Bauer ist fest davon überzeugt, dass die Outletcity wieder an Strahlkraft gewinnt, sobald alles überstanden ist: „Irgendwann möchten sich die Menschen auch wieder mit etwas anderem beschäftigen.“ Dann wird der Erlebnischarakter der Outletcity zum Standortvorteil, das zumindest hofft er.

Corona am Wasserfall Bad Urach Horden von Wanderern unterwegs

Bad Urach

Wie steht es um die Hotels?

Wie es mit den geplanten zwei Hotels weiter geht, ist derzeit keine Frage einer möglicherweise geänderten Strategie: „Wir müssen einfach schauen, wie es sich entwickelt“, sagt Bauer. Mindestens aber kommt es zu Verzögerungen, die wiederum sind bedingt durch das Einhalten respektive Nichteinhalten der Lieferketten.

Diese Wochen sind keine Zeit für gute Geschäfte, sagt Bauer: „Wir haben umgeschaltet auf einen anderen Modus.“ Der ist ebenso banal wie logisch: Mitarbeiter schützen, jeden Tag flexibel gestalten und schauen, dass man gesund bleibt.