Metzingen Kunterbunte Lebensfreude

Die Schüler der Sieben-Keltern-Schule präsentierten sich als bunte Buchstabenreihe.
Die Schüler der Sieben-Keltern-Schule präsentierten sich als bunte Buchstabenreihe. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Regine Lotterer 15.07.2018

Hinter den Metzingern liegt ein wunderbares, ein emotionales Stadtfestwochenende, bei dem beinahe alles gepasst hat. Angefangen beim herrlichen Wetter zum Auftakt über einen farbenfrohen Festumzug bis hin zur ausgelassenen Sommerabendparty auf dem Kelternplatz am Samstagabend. Freilich, zum Auftakt am Freitag hätten deutlich mehr Gäste vorbeischauen dürfen, doch das war am Samstagmorgen längst vergessen, als alle Generationen beim Festumzug demonstrierten, wie viel Kreativität, Lebensfreude und Feierlust in den Metzingern steckt: Schon seit Wochen fiebern vor allem die jungen Metzinger dem Höhepunkt des Festwochenendes entgegen. Wie viel Arbeit sie gemeinsam mit ihren Lehrern, Erzieherinnen und Eltern in ihre Kostüme gesteckt haben, konnten tausende Zuschauer entlang der Umzugsstrecke bewundern. Immer wieder gab es Beifall für das, was die Kinder und Jugendlichen durch die Straßen trugen.

Vorne weg marschierten in diesem Jahr die Mädchen und Buben des Kindergartens Neugreuth I. Ihnen kam nicht zuletzt die ehrenvolle Aufgabe zu, mit einem Luftballonstart den symbolischen Startschuss für den Umzug zu geben. Als Assistent stand ihnen dabei Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler zu Seite. Und tatsächlich schwebten die in den Stadtfarben gehaltenen Ballone in diesem Jahr allesamt ungehindert in den strahlend blauen Himmel.

Ritter und Legosteine

Rund 2500 Teilnehmer, darunter 1700 Kinder und Jugendliche, reihten sich am Samstag hinter Bruno Seitz und seine Stadtkapelle sowie die Stadt- und Ortschaftsräte ein, die den Festzug anführten. Die elf Metzinger Kindertageseinrichtungen präsentierten unter dem Motto „Kunterbunte Kinderwelt“ ein Feuerwerk fantasievoller Kostüme: Die einen paradierten als kleine Legosteine verkleidet durch die Straßen, die anderen trugen die Flaggen der vielen europäischen Länder an den klatschenden Zuschauern vorbei. Bunt wie ein Regenbogen hatten sich die einen verkleidet, die anderen winkten huldvoll als Burgfräuleins und Ritter in die Menge. Der Kindergarten Neugreuth hatte sogar einen Freibadshuttle im Schlepptau, „wir bauen unser Freibad“, war darauf zu lesen. Ein Thema, das auch die Jugend der DLRG umtreibt: Sie zeigte deutlich Flagge für den Bau eines Kombibades auf dem Bongertwasen. Einen Bürgerentscheid lehnt die Jugend der Rettungsschwimmer ab, wie auf den  Transparenten zu lesen war. Schließlich dürfen viele Nachwuchsschwimmer wegen ihres Alters noch nicht abstimmen.

Demokratischer Streit hat die Republik indessen schon vor 50 Jahren bewegt, durchgeschüttelt und verändert.  Während die Studenten auf die Straße gingen, schrieb Metzingen ein neues Kapitel seiner Schulgeschichte, die Schönbein-Realschule nahm ihren Betrieb auf. An den runden Geburtstag erinnerte die heutige Schülergeneration, die einheitlich in grüne T-Shirts gewandet an das Jubiläum erinnerte. Vorneweg Rektor Jürgen Grund, der das Friedenszeichen der 68er um den Hals trug.

Schrill und schräg präsentierte sich das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, während die Jungs und Mädchen der Sieben-Keltern-Schule kunterbunte Zahlen- und Buchstabenreihen bildeten. Die Neugreuthschüler stellten ihre sportlichen Qualitäten und die Seyboldschüler ihre künstlerischen Talente unter Beweis.

Ein schaffiger Obstbauer

Dass Metzingen trotz aller Modernität seine Wurzeln nicht vergessen hat, demonstrierten nicht zuletzt die Vereine, für die der Umzug eine gute Gelegenheit ist, sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Pfadfinder und CVJM verteilten beispielsweise Flyer, ebenso wie die Bürgermentoren. Der Förderverein Obstbaumuseum zeigte höchst amüsant, welche Lebensstationen ein schaffiger Obstbauer zu meistern hat. Der Neuhäuser Kelternverein kredenzte dem einen und anderen Zuschauer ein edles Tröpfchen aus heimischen Weingärten, und die Glemser hatten einen ganzen Fuhrpark mit landwirtschaftlichem Gerät dabei. Die TuS-Turnerinnen erhielten Szenenapplaus für ihre akrobatischen Einlagen, ebenso wie die Fallschirmspringer vom Luftsportverein Roßfeld.

Musikalisch unterstützt wurden die Metzinger von zahlreichen Kapellen aus den Nachbarorten, die immer wieder einen Ohrwurm anstimmten, den Egerländer Fuhrmannsmarsch.

Nach dem Festzug, so ist es Tradition in Metzingen, geht es auf den Rummel. Dort hat schon manches Kind seine ersten und nie vergessenen Runden auf einem Karussell gedreht oder sein Glück am Schießstand versucht. Inzwischen sind die Buden am Konrad-Adenauer-Platz angesiedelt, über dem vier Tage lang der Duft von gebrannten Mandeln liegt, der sich mit dem Kreischen der Kinder mischt, die sich im Disco Flyer in die Höhe katapultieren lassen. So klingt echte Festfreude.

Pure Lebensfreude zelebrierten die Metzinger auch auf dem Kelternplatz. Auf der großen Bühne unterhielten die Vereine die Besucher am Samstag- und Sonntagnachmittag, am Samstagabend war es beim Auftritt vom „Ernest and the Hemingways“ rappelvoll.  Musik, Wetter und eine fast südländische Atmosphäre bildeten die idealen Begleiter für ein rauschendes Fest.

Der Sonntag startete mit einem hervorragend besuchten ökumenischen Gottesdienst, der von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen organisiert worden war. Das heftige Gewitter am Nachmittag vertrieb die Festgäste dann allerdings rasch vom Kelternplatz.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel