Der weiträumige und idyllische Innenhof der Bleiche, auf dem Grundstück der Bruderhaus-Diakonie, scheint wie geschaffen für besondere Projekte und besondere Gruppen. In dieser Woche jedenfalls entstand dort ein Kunstatelier im Freien, wo 28 Kinder vier Tage lang unter der Leitung der beiden Kunsttherapeutinnen Anette Odigie und Christine Thomas ihrer Kreativität freien Lauf lassen und Schönes schaffen durften. Von Tieren aus Ton über Tongefäße bis zu Booten aus Holz und gemalten Kunstwerken auf Leinwand sind im Laufe der Tage einige Kunstwerke entstanden. Und natürlich wurden die Boote zu Wasser gelassen.

Das Kunstprogramm in den Ferien ist Teil des Inklusionsprojektes "EigenArtig", das das gesamte Jahr über in Metzingen läuft. Behinderte und nichtbehinderte Kinder sind dabei gemeinsam künstlerisch und kreativ tätig. Realisiert wird das Gesamtprojekt durch die Metzinger Beratungsstelle für Inklusion und Teilhabe (MIT) unter der Leitung von Antje Greif, eine Einrichtung von Bruderhaus-Diakonie und WIM. Kooperiert wird dabei mit Kiwi, "Kunst in der Werkstatt integrativ".

Aus dem gesamten Ermstal hatten sich die Kinder zu den vier Kunsttagen auf der Bleiche angemeldet, wobei an jedem Tag mit einer künstlerischen Überraschung aufgewartet wurde. Da wurden Tiere vom Bauernhof gemalt, die auf der Bleiche bekanntlich nur ein paar Meter vom Ferienprogramm entfernt ihre Bleibe haben, da wurden in der Natur Gegenstände gesammelt und zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Das Wichtigste aber war das Miteinander, wie Reiner Fritz von den Offenen Hilfen im Ermstal, einem Arbeitsbereich der Bruderhaus-Diakonie, erklärt. "Es entsteht in diesen Tagen immer mehr Vertrautheit zwischen behinderten und nichtbehinderten Kindern."

Eine Beobachtung, die auch Anette Odigie und Christine Thomas bestätigen können. "Es gibt keine Berührungsängste und keine Probleme. Die Kinder sind ganz bei der Sache." Beide Kunsttherapeutinnen begleiten das Projekt "EinzigArtig", sind jetzt im Sommerprogramm aber erstmals mit dabei. Und gleich begeistert von der guten Atmosphäre, die vorherrscht. "Es ist sehr schön, wie die Kinder sich gegenseitig akzeptieren. Die Stimmung ist sehr harmonisch", hat Christine Thomas festgestellt.

Vielleicht auch deshalb, weil es bei der Sommermalwoche auf der Bleiche ebenso wie beim gesamten Jahresprojekt "EinzigArtig" freilich um Inklusion, in erster Linie aber um Kreativität geht, die sowohl behinderte als auch nichtbehinderte Kinder durch entsprechende Förderung und fachliche Anleitung umsetzen können.

Auch nach der Sommermalwoche wird es mit "EinzigArtig" weitergehen. Vom 15. September bis 1. Dezember soll es im Haus Matizzo in Metzingen um Lichtobjekte gehen. Dann werden wieder behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam kreativ sein. Und vielleicht braucht es irgendwann einmal keine besonderen Sommermalwochen mehr, um alle Kinder in einer Gruppe zusammen zu bringen. Weil Inklusion dann ganz selbstverständlich zur Normalität geworden ist.